Noch im Hitzesommer 2003 gehörten Ozonwarnungen zum festen Bestandteil der Nachrichten. Wenn die Temperaturen stiegen, wurde vor gefährlich hohen Ozonwerten gewarnt - vor allem für Ältere, Kinder und Menschen mit Atemwegserkrankungen. Inzwischen sind Hitzewellen häufiger geworden. Trotzdem gibt es kaum noch Ozonwarnungen.
Was bodennahes Ozon gefährlich macht
Ozon ist ein Reizgas, das in hohen Konzentrationen bei Mensch und Tier vor allem Schleimhäute in den Atemwegen und in den Augen angreift. Es entsteht aus Vorläufersubstanzen in der Luft - vor allem aus Stickoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen. Voraussetzung dafür sind UV-Strahlen der Sonne. Sie liefern die Energie für die Reaktion.
UV-Strahlen gibt es im Sommer nach wie vor reichlich. Doch Alarmwerte, die früher für Warnungen in den Nachrichten sorgten, werden nur noch in Ausnahmefällen erreicht.
Weniger Ozon in der Luft bei Hitze im Sommer
Der Grund für die selteneren Alarmfälle ist die bessere Luftreinhaltung. Eigentlich ist das eine Erfolgsgeschichte, die öffentlich aber nur wenig Beachtung findet. Die Vorläufersubstanzen, die zur Entstehung der bodennahen Ozonbelastung beitrugen, konnten deutlich verringert werden. Zum Beispiel, weil Kraftfahrzeuge mit geregeltem 3-Wege-Katalysator seit den 90ern immer weniger Stickoxide ausstoßen.
Filteranlagen haben die Abluft der Industrie entschärft. Und gesetzliche Bestimmungen haben dazu geführt, dass flüchtige Organische Verbindungen in Lacken, Lösungs- und Reinigungsmitteln effektiv reduziert wurden.
Die Emission dieser Rohmaterialien für Ozonbildung hat sich seit 1990 auf nur etwa ein Viertel der Ausgangswerte reduziert. So wurden die Quellen für die Bildung von Ozon wenn auch nicht trockengelegt, so doch weitgehend ausgedünnt. Eine der mittlerweile seltenen Ozon-Meldungen gab es übrigens gerade in dieser Woche: Das rheinland-pfälzische Landesamt für Umwelt meldet einen Wert von mehr als 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.
Allerdings ist das erst der sogenannte Informationswert. Der echte Alarmwert liegt erst bei 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Ab da sollten Aktivitäten im Freien eingeschränkt werden. Diese Alarmschwelle wird heute in Deutschland - und auch in Baden Württemberg - nur noch selten überschritten.
Stadt, Land, Ozon - und ein Problem, das bis heute bleibt
Doch das Umweltbundesamt weist auf eine Ozonbelastung hin, die sich im Schatten dieser Erfolgsgeschichte gegen den Trend vergrößert hat. Während Spitzenwerte bei der Reizgasbildung erfolgreich gekappt wurden, sind die Jahresmittelwerte beim Ozon in derselben Zeit angestiegen.
Der Grund: Mit den gesunkenen Abgaswerten ist auch der Gehalt an Stickstoffmonoxid in der Atmosphäre zurückgegangen. Stickstoffmonoxid hat aber zu einem Abbau der Ozonmoleküle beigetragen. So bleibt mit weniger Stickstoffmonoxid mehr Ozon in der Atmosphäre übrig.
Besonders deutlich wird dieser Effekt übrigens ausgerechnet in ländlichen Gebieten. Das Rohmaterial für das Ozonmolekül stammt zu einem großen Teil aus pflanzlichen Quellen. Und hier hat sich die Belastung in den vergangenen Jahrzehnten praktisch nicht verändert.
Pech, denn der Ozonkiller Stickstoffmonoxid ist hier wegen des geringen Straßenverkehrs besonders selten. So gibt es hier höhere Ozonwerte als in der Stadt. Dieser Stadt-Land-Kontrast zeigt sich auch in Baden Württemberg.
In Städten wie Stuttgart sorgt das vom Verkehr ausgestoßene Stickstoffmonoxid für vergleichsweise niedrigere Ozonwerte, während am Stadtrand und in ländlichen Gebieten die höchsten Ozonkonzentrationen auftreten - dort, wo weniger Verkehr unterwegs ist, aber viel Sonne und Vorläuferstoffe vorhanden sind.
Weiterhin großflächige Hintergrundbelastung durch Ozon
Die Luftreinhaltung hat das Ozonproblem nicht beseitigt, sondern verändert. Die spektakulären Ozonalarme der 1990er Jahre sind selten geworden. Die akute Gesundheitsgefahr durch das Reizgas ist praktisch gebannt.
Geblieben ist jedoch eine großflächige Hintergrundbelastung, die für empfindliche Personen wie Betagte, Asthmatiker und Kinder, weiter ein Problem sein kann. Entsprechende Informationen zur aktuellen Ozonbelastung finden diese Personen im Internet, beim Umweltbundesamt und den Landesämtern für Umwelt in Rheinland Pfalz und Baden-Württemberg.