Immer wieder werden in Deutschland verdächtige Drohnen entdeckt. Zuletzt wurde am Leipziger Flughafen eine Drohne mit Sprengstoff in der Nähe von ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt. Laut Sicherheitskreisen wurden inzwischen Teile einer weiteren Drohne und wieder Sprengstoff gefunden.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt rechnet mit verstärkten hybriden Angriffen auf Deutschland und will neue Sicherheitsgesetze auf den Weg bringen. Doch wie kann sich Deutschland vor solchen Angriffen schützen?
Experte: Deutschland kann Technik produzieren und liefern
Insgesamt ist der Bereich unübersichtlich: Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Drohnen zu erkennen und sie unschädlich zu machen. Jean Suelberg, der als Forscher das neu entstandende "Technologiezentrum Drohnensicherheit" in Cochstedt in Sachsen-Anhalt leitet, sagt, man sei nicht automatisch sicher, wenn man eine bestimmte Technologie von einem bestimmten Hersteller beschaffe. "So einfach ist das leider nicht." Er sagt aber auch: "Wir haben Firmen aus Deutschland mit guten technischen Entwicklungen und Fähigkeiten, die auch produktions- und lieferfähig sind."
Auch im Südwesten, in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, arbeiten einige Unternehmen an Systemen zur Drohnen-Entdeckung und Drohnen-Abwehr. Ein Überblick.
- Trumpf: Hochenergie-Laserwaffensystem zur Drohnenabwehr
- Heidelberger Druck: KI-gesteuerte Abfangdrohnen fischen Drohnen mit Netz aus der Luft
- Heckler & Koch: Granate, die Drohne zerstört
- LivEye: Drohnen-Kompetenz-Zentrum und Detektion
- Aaronia: Drohne sichten und unschädlich machen
Trumpf: Hochenergie-Laserwaffensystem zur Drohnenabwehr
Im baden-württembergischen Ditzingen bei Trumpf hat man jahrzehntelang ausschließlich Werkzeugtechnik und Lasertechnik hergestellt. Rüstung? War lange kein Thema. Man habe immer gesagt, dass man mit "diesen Rüstungsthemen" nichts zu tun haben wolle und sich andere die "Hände schmutzig" machen sollten, sagt Vorstandsvorsitzende Nicola Leibinger-Kammüller.
Das war vielleicht auch eine bequeme Position über viele Jahre. Aber jetzt geht es nicht mehr, jetzt muss man Farbe bekennen.
Nach harten internen Diskussionen arbeitet Trumpf nun seit rund einem Jahr an einem Hochenergie-Laserwaffensystem zur Drohnenabwehr. In zwei Jahren könnte es in Serie gehen und kritische Infrastruktur und militärische Anlagen beschützen.
Heidelberger Druck: KI-gesteuerte Abfangdrohnen fischen Drohnen mit Netz aus der Luft
Auch Heidelberger Druck ist mit einer Entwicklung weit entfernt vom eigentlichen Kerngeschäft. Seit diesem Jahr baut das Unternehmen sogenannte Abfangdrohnen. Die werden mit Künstlicher Intelligenz gesteuert und fischen feindliche Drohnen mit einem Netz aus der Luft. "Das ist die Idee und das System hat heute noch keiner", sagt CEO Jürgen Otto. Dabei greift das Heidelberger Unternehmen auf sein Personal, die Ingenieurs-Expertise und die Lieferketten zurück. Das könne man schnell zu neuen Systemen zusammenbringen, heißt es von den Heidelbergern.
Heckler & Koch: Granate, die Drohne zerstört
Der Waffenhersteller Heckler & Koch geht anders an die Drohnenabwehr. Das Oberndorfer Unternehmen hat eine Granate entwickelt, die in unmittelbarer Nähe zur Drohne explodieren soll. In der Luft entsteht bei der Explosion eine Metallwolke, in der die Drohne zerstört wird.
LivEye: Drohnen-Kompetenz-Zentrum und Detektion
Auch in Rheinland-Pfalz entstehen Produkte gegen Drohnen. Das Unternehmen LivEye etwa, das in Föhren in der Eifel sitzt, hat sich lange Zeit auf die Baustellenüberwachung spezialisiert. Jetzt bietet es auch ein Detektions-System für Drohnen an. Im Juli hat LivEye in Landscheid ein privates "Drohnen-Kompetenz-Zentrum" eröffnet. Behördenmitarbeiter und Betreiber kritischer Infrastruktur sollen dort den Umgang mit Drohnen lernen. Jeder habe schonmal etwas von Drohnen gehört oder gelesen, sagt Carsten Simmons, Chef von LivEye. "Gehen wir dann in die Fachgespräche, wird oft schnell klar: Es gibt Vorurteile oder falsche Meinungen und Sachstände."
Aaronia: Drohne sichten und unschädlich machen
In Strickscheid in der Eifel sitzt Aaronia. Das Unternehmen verkauft seine Systeme schon länger an Flughäfen wie London Heathrow oder Singapur. Die Technologie kombiniert dabei beides: Sie kann die Drohne sichten und sie im zweiten Schritt unschädlich machen, mit einem sogenannten "Jammer". "Die Drohne wird dann entsprechend zurück zum Absender geschickt oder an Ort und Stelle eingefroren und zur Landung gezwungen", sagt der Chef Stephan Kraschansky, der früher beim österreichischen Bundesheer unter anderem Experte für Drohnenabwehr war.
Experte Suelberg vom "Technologiezentrum Drohnensicherheit" gibt sich optimistisch: "Rein technisch sind wir ausreichend gewappnet", sagt er. Die Herausforderung sei jetzt, die unterschiedlichen Technologien miteinander zu koppeln. Das sei eine hochkomplexe Aufgabe, sagt Suelberg. Deshalb werde die Beschaffung durch den Bund relativ lange dauern.