Flughäfen in BW sehen sich gewappnet

CDU-Politiker Kiesewetter vermutet Russland hinter Drohnen-Vorfall an Flughafen Leipzig/Halle

Am Flughafen Leipzig/Halle wurde in der Nacht auf Mittwoch eine Drohne mit Sprengstoff gefunden. Auch in BW verfolgen Flughäfen und Sicherheitsbehörden die Ermittlungen.

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Von Autor/in Dennis Just

Der Fund einer Drohne mit Sprengstoff am Flughafen Leipzig/Halle und die Kollision eines Frachtflugzeugs mit einem bislang unbekannten Flugobjekt haben in der Nacht auf Mittwoch Alarmbereitschaft ausgelöst. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sprach von einer "neuen Qualität" der Bedrohungslage in Deutschland. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) unterbrach seinen Urlaub, um die Lage vor Ort zu besprechen.

"Wegen der besonderen Bedeutung des Falles" hatte am Donnerstag die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Es besteht demnach der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.

Am Freitag tagte der Nationale Sicherheitsrat der Bundesregierung zu dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle. Die Beratungen des Gremiums hätten telefonisch unter dem Vorsitz von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stattgefunden, teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius mit. Demnach steht Merz zu den Ereignissen in Leipzig "in fortwährendem Austausch" mit Innenminister Dobrindt und anderen Mitgliedern der Bundesregierung.

Wie ist die Sicherheitslage an Flughäfen in Baden-Württemberg?

An den Flughäfen Stuttgart und Karlsruhe/Baden-Baden verfolge man die Entwicklungen in Leipzig/Halle aufmerksam, so die Pressestellen auf SWR-Anfrage. Auch in Friedrichshafen habe man den Vorfall mitbekommen - verstärkte Sicherheitsmaßnahmen seien aber derzeit nicht bekannt, so Sprecher Bernd Behrend.

Seiner Ansicht nach würden die entsprechenden Meldeketten bei Drohnensichtungen funktionieren. Das habe man erst im Herbst 2025 gesehen, als der Betrieb am Flughafen München binnen 24 Stunden zweimal eingestellt wurde, weil Drohnen gesichtet wurden.

Wer ist zuständig für Drohnen?

Für die Abwehr von Drohnen ist an 13 deutschen Flughäfen die Bundespolizei zuständig. Hierbei ist entscheidend, ob der Flughafen in "bundeseigener Verwaltung" geführt wird - wie zum Beispiel in Stuttgart. Bei anderen Flughäfen sind je nach Regelung die Polizeien der Länder oder Spezialeinheiten für die allgemeine Gefahrenabwehr zuständig. Zum genauen Vorgehen wollte die Bundespolizei gegenüber dem SWR "aus einsatztaktischen Erwägungen" keine Angaben machen. Gleichwohl habe die Bundespolizeidirektion Stuttgart Kenntnis von den Vorfällen in Leipzig - diese sei in die allgemeine Lagebewertung mit eingeflossen.

Die Gefahrenbewertung für den Luftverkehr bei Drohnensichtungen liegt laut Bundespolizei bei der Deutschen Flugsicherung (DFS). "Hierbei gilt es zu beachten, dass nicht jede Drohne zwangsläufig eine potentielle Gefahr darstellen muss", heißt es. Mit Erlaubnis der zuständigen Luftfahrtbehörde könnten Drohnen auch im Umfeld von Flughäfen betrieben werden.

Wieso ist die Drohnenabwehr schwierig?

Helge Bürsing, Abteilungsleiter Optronik am Fraunhofer-Institut IOSB in Ettlingen (Kreis Karlsruhe) untersucht, wie Drohnenangriffe abgewehrt werden können. Den Grund dafür, dass eine Drohne unbemerkt auf einen deutschen Flughafen gesteuert werden kann, sieht er in deren leichter Verfügbarkeit. Zudem gäbe es keine Barrieren wie Zäune, die kleine Drohnen abhalten würden. Die Drohnenbekämpfung sei in Deutschland insgesamt nicht ganz einfach. "Wir haben keinen Kriegsfall" betont Bürsing. Daher müsse man eine Drohne immer erst analysieren, bevor Abwehrmaßnahmen eingeleitet werden könnten.

Um die Drohnenabwehr schneller und besser zu gestalten, fordert Bürsing klare politische und rechtliche Rahmenbedingungen - auch für neue Technologien wie Hochenergielaser. Außerdem brauche es rechtliche Klarheit darüber, in welchen Situationen Drohnen bekämpft werden dürfen.

Was passiert bei einer Drohnensichtung?

Bei der Deutschen Flugsicherung ist die Alarmbereitschaft nicht höher als ohnehin schon. "Die Sicherheitsmaßnahmen sind gleichbleibend auf hohem Niveau", so Sprecherin Kristina Kelek. Die DFS ist für die Überwachung des deutschen Luftraums sowie Start- und Landebahnen an den Flughäfen zuständig.

Laut Kelek werden Drohnensichtungen meistens von Pilotinnen und Piloten im Anflug gemeldet. Diese Informationen würden samt Koordinaten von der DFS an die zuständige Polizei weitergegeben, die die Ermittlungen aufnimmt. Ein eigenes Detektionssystem habe die Flugsicherung nicht, doch die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei und den Flughäfen funktioniere "einwandfrei", so Kelek.

Die Sichtung einer nicht angemeldeten Drohne könne dazu führen, dass die DFS Start- und Landebahnen nicht freigibt. Unabhängig davon, ob man - wie in Leipzig/Halle - Sprengstoffladungen vermute oder nicht. Bei einem Landeanflug liege die Entscheidung über das weitere Vorgehen bei der Pilotin oder dem Piloten. Das Flugzeug kann in das "Holding" gehen, also bis zur Freigabe um den Flughafen kreisen, oder einen alternativen Flughafen anfliegen. Diese Ausweichflughäfen würden vor jedem Flug angegeben, so Kelek.

Einrichtung von Drohnen-Abwehrsystemen soll intensiviert werden

Damit es gar nicht erst zu Drohnen-bedingten Einschränkungen kommen muss, fordert Ralph Beisel, Chef des Airportverbands ADV, fest installierte Drohnenabwehrsysteme für deutsche Flughäfen. "Der Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle ist ein Weckruf", so Beisel gegenüber der Presseagentur Reuters. Laut Bundesluftfahrtverband BDL arbeitet man bereits "in Lichtgeschwindigkeit" daran, die acht größten deutschen Flughäfen mit entsprechender Technik auszustatten. Dazu zähle auch Stuttgart.

Laut Recherchen des NDR, WDR und der "Süddeutschen Zeitung" existiert am Flughafen Leipzig/Halle bereits eine Sensorik zur Drohnenabwehr, die das Flugobjekt nicht erkannt haben soll. Anderen Medienberichten zufolge wird dieses Abwehrsystem erst im Laufe des Jahres eingerichtet. Details hierzu wollte die Polizei nicht nennen.

So schätzt ARD-Sicherheitsexperte Holger Schmidt den Vorfall in Leipzig/Halle ein:

CDU-Politiker Kiesewetter aus BW vermutet Russland hinter Drohnen in Leipzig/Halle

Der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Aalen-Heidenheim, Roderich Kiesewetter (CDU), vermutet Russland hinter dem Drohnen-Vorfall in Leipzig/Halle. Im ZDF forderte er verstärkte Sicherheitsmaßnahmen. "Wir haben im ersten Halbjahr dieses Jahres über 140 Vorfälle mit Drohnen an deutschen Flughäfen gehabt. Wir müssen hier deutlich beschleunigen und wir müssen auch begreifen, dass Russland nicht verhandeln will [...]", so Kiesewetter.

Der Verteidigungspolitiker plädierte dafür, Kompetenzen zu bündeln. "Wir brauchen beim Bundesinnenministerium eine klare Zuständigkeit für die Erfassung sämtlicher Drohnenangriffe", sagte Kiesewetter im "Deutschlandfunk".

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Dennis Just
SWR Aktuell-Redakteur Dennis Just

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