Sicherheit als Geschäft

Wenn Drohnen zur Bedrohung werden: So wird in der Eifel trainiert

In einem Ausbildungszentrum in Landscheid können Besucher üben, Drohnen mit Technik und Schrotflinten vom Himmel zu holen. Die Firma dahinter sieht ein Geschäftsmodell.

Teilen

Stand

Von Autor/in Christian Altmayer

Eine Tontaube steigt schnell in die Luft und bleibt kurz am Himmel stehen. In diesem Moment legt eine junge Frau mit ihrer Schrotflinte an, kneift ein Auge zu und drückt ab. Die Attrappe zerplatzt. Sie hat getroffen.

Auf Tontauben zu schießen, um sich gegen Drohnen zu schützen: Eher ein PR-Gag als ein echtes Training für den Ernstfall.
Auf Tontauben zu schießen, um sich gegen Drohnen zu schützen: Eher ein PR-Gag als ein echtes Training. für den Ernstfall. Christian Altmayer

Die Übung am Schießstand in der "Target World" in Landscheid soll mehr sein als eine Bespaßung für die eingeladenen Journalisten, sagt Carsten Simons, der Chef der Sicherheitsfirma LivEye: "Das hört sich erstmal nach einer Menge Spaß an. Aber in dem Moment wird jeder realisieren, wie real die Gefahr durch Drohnen bereits ist".

Gefahr durch Drohnen nimmt zu

Doch auch wenn das Tontauben-Schießen ein PR-Gag ist: Die Zwischenfälle mit Drohnen häufen sich tatsächlich in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland. Der Betrieb an Flughäfen wird gestört, kritische Infrastruktur wie Stromtrassen oder große Kraftwerke ausgespäht.

Carsten Simons ist CEO der Firma LivEye mit Standorten in Föhren und Badem. Die Firma ist spezialisiert auf Videoüberwachung und will jetzt groß in die Drohnenabwehr einsteigen.
Carsten Simons ist CEO der Firma LivEye mit Standorten in Föhren und Badem. Die Firma ist spezialisiert auf Videoüberwachung und will jetzt groß in die Drohnenabwehr einsteigen. Christian Altmayer

"Auch wir erleben das immer öfter, dass Drohnen auftauchen", sagt Simons, der mit seiner Videoüberwachung nach eigenen Angaben Tausende Anlagen, Immobilien und Baustellen in Europa schützt. Die meisten Kunden hätten aber keine Strategie, wie sie mit der Bedrohung aus der Luft umgehen sollen. Das Ziel des neuen Trainingszentrums sei es nun, das zu ändern, so Simons.

Polizisten, Soldaten und Justizbeamte informieren sich

Seiner Firma dürfte es aber auch darum gehen, ihre Technik zur Drohnenabwehr bekannter zu machen und zu verkaufen. Trotzdem sind zur Eröffnung Polizisten, Bundeswehrsoldaten und Justizbeamte gekommen – darunter Jörn Patzak, der Leiter des Wittlicher Gefängnisses.

Jörn Patzak will vorbereitet sein, bevor Drohnen ihm im Gefängnis in Wittlich Probleme machen.
Jörn Patzak will vorbereitet sein, bevor Drohnen ihm im Gefängnis in Wittlich Probleme machen. Christian Altmayer

Denn auch für die Justizvollzugsanstalt (JVA) würden die Drohnen neue Probleme mit sich bringen. So könnten etwa Drogen oder andere illegale Gegenstände fliegend zu den Gefangenen geschmuggelt werden. "Noch hatten wir solche Fälle nicht, aber wir wollen vor der Welle sein und schauen uns deshalb an, welche Systeme auf dem Markt sind", sagt Patzak.

"Mit Schrotflinten schießen, wäre kein gutes Signal"

Die Drohnen mit Schrotflinten abzuschießen, komme nicht infrage. Rechtlich gesehen dürfen in Deutschland ohnehin nur Polizei und Bundeswehr die Flugobjekte vom Himmel schießen und auch nur in Ausnahmefällen, wenn etwa Leben in Gefahr sind.

"Ich glaube auch nicht, dass es ein gutes Signal wäre, in einer JVA mit einer Schrotflinte herumzuschießen", sagt der Gefängnisleiter. Ihn interessiert viel mehr, was in einem anderen Raum präsentiert wird.

Eifel/Mosel/Hunsrück

Neues Angebot des SWR Studios Trier Nachrichten aus der Region Trier jetzt auf WhatsApp lesen

Das SWR Studio Trier ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten von Mosel und Saar, aus der Eifel, Hunsrück und Hochwald.

Drohnen mittels Radiofrequenzen erkennen

Über einen Bildschirm flimmert dort eine Karte von Landscheid. Rund um die "Target World" hat LivEye fünf Türme mit Sensoren aufgestellt, die erkennen sollen, wenn sich eine Drohne nähert.

Elmar Hennes erklärt, wie die Drohnen und ihre Piloten erkannt werden können.
Elmar Hennes erklärt, wie die Drohnen und ihre Piloten erkannt werden können. Christian Altmayer

Elmar Hennes, der technische Leiter von LivEye, erklärt, wie das funktioniert: "Die Technologie scannt die Umgebung auf bestimmte Muster in den Radio-Frequenzen ab. Dadurch erkennt das System die Drohne und kann ihre Position und die des Piloten ermitteln." Ergänzende Daten könnten Wärmebildkameras liefern.

Wachsender Markt für Sicherheitsfirmen

Neu ist diese Technologie nicht, schon gar nicht für die Fachleute der Behörden, die sich teilweise seit Jahren mit der Drohnenabwehr befassen. Trotzdem beobachten sie die Entwicklungen der Anbieter genau, erzählen sie. Schließlich sei die Entwicklung der Systeme dynamisch - genauso wie die Bedrohungslage.

Die einzige echte Drohne, die die Besucher der Target World an diesem Tag zu sehen bekommen haben.
Die einzige echte Drohne, die die Besucher der Target World an diesem Tag zu sehen bekommen haben. Christian Altmayer

Geschäftsführer Carsten Simons rechnet deshalb damit, dass auch bei Privatkunden die Nachfrage steigen wird: "Auf der einen Seite gibt es den technologischen Fortschritt, auf der anderen Seite erleben wir die Bedrohung, das Ausspionieren."

Und je mehr Drohnen unterwegs sind, desto größer wird der Bedarf an Schutz. Für Sicherheitsfirmen ist das ein wachsender Markt.

Zemmer

Mehr Aufträge für Wehrtechnik Rüstungsboom hilft Eifeler Firma durch die Krise

Die Bundesregierung investiert massiv in die Verteidigung des Landes. Davon profitieren nicht nur Rüstungskonzerne, sondern auch Mittelständler wie die Firma SD-Blech in Zemmer.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RLP

Stuttgart

Verdächtige Beobachtung Nach Drohnen-Alarm in München: Flüge nach Stuttgart umgeleitet

Piloten haben in München etwas Verdächtiges beobachtet - möglicherweise eine Drohne. Passagiere mussten spontan auch an den Flughafen Stuttgart ausweichen.

Strickscheid

Schutz vor feindlichen Drohnen Abwehr von Drohnen: Firma aus der Eifel bietet Systeme an

Was ist überhaupt technisch möglich bei der Abwehr von Drohnen? Mitreden kann dabei die Firma Aaronia aus Strickscheid in der Eifel. Sie beliefert bereits große internationale Flughäfen.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RP

Rheinland-Pfalz

Innenminister Ebling spricht von "hybrider Kriegsführung" Drohnen über der Air Base Ramstein - es war offenbar russische Spionage

Hinter den illegalen Drohnenflügen über der Air Base Ramstein steckt wohl Russland. Innenminister Ebling (SPD) sagt, die Ausspähversuche seien Teil der hybriden Kriegsführung.

Der Nachmittag SWR1 Rheinland-Pfalz