Wechselhafte Wetterlage

Erst Trockenheit, dann Regen: Warum die Straßen jetzt glatt sein können

In Baden-Württemberg könnte es zu Glätte auf den Straßen kommen. Der Grund: das wechselhafte Wetter. Und das setzt sich auch am Wochenende fort.

Teilen

Stand

Von Autor/in Laura Schmittinger

Viele Menschen im Land sind aktuell gestresst von der Wetterlage: Erst ist es trocken, dann gibt es Regen. Und der bringt keine Kühle, sondern Schwüle. Das könnte auch zu Stress auf den Straßen führen: Denn auch ohne Minusgrade kann es glatt werden. Dann spricht man von der "Sommerglätte".

Warnung vor "Sommerglätte"?

Im Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen etwa warnt die Polizei derzeit vor der "Sommerglätte", wie der WRD berichtet. "Sommerglätte" tritt demnach vor alle m nach längeren Trocken- und Hitzeperioden auf. Während dieser Zeit können sich Pollen, Staub, Reifenabrieb und andere Rückstände auf der Fahrbahn sammeln. Regnet es dann auf diese Mischung, kann ein rutschiger Schmierfilm entstehen. Am gefährlichsten sind also die ersten Regenschauer nach einer Hitzewelle - also die Verhältnisse, die das Wetter in Baden-Württemberg in den vergangenen Wochen geprägt haben.

SWR-Wetterexperte Gernot Schütz sind zwar noch keine solchen Fälle in Baden-Württemberg bekannt, er sieht aber keinen Grund, warum es das Phänomen hier nicht geben sollte: Pollen und Staub habe es ja auch hier gegeben, wenn es dann ein bisschen regne - das Grundprinzip sei ja dasselbe. Im Kreis Soest hatte es dem Bericht nach mehrere Unfälle gegeben, bei denen die Polizei "Sommerglätte" als Ursache vermutet.

Ob es in Baden-Württemberg deshalb ebenfalls zu Unfällen kam, lässt sich laut Franz Henke, Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe, statistisch nicht erfassen. In der Datenbank ließe sich nur nach "Nässe" filtern - die Unfälle in dieser Kategorie könnten also auch Starkregen als Ursache haben. Das Phänomen der Sommerglätte sei ihm neu.

Gefahr durch "Bauernglätte" zur Erntezeit

Auch Julian Häußler, dem Pressesprecher des ADAC Württemberg, ist die "Sommerglätte" unbekannt. Er verweist auf ein ähnliches Phänomen: die "Bauernglätte". Diese tritt normalerweise im Herbst auf - zur Erntezeit. Da viele Landwirte aufgrund der anhaltenden Trockenheit bereits mit der Ernte angefangen haben, sollen Autofahrende jetzt schon - vor allem in ländlichen Regionen - aufpassen.

Sinzheim

Trockenheit und Hitze hinterlassen Spuren "Blitz-Ernte" bei Weinlese im Rebland: "Man hat es schon bei der Blüte erahnen können"

Wie in vielen Weinbaugebieten in Baden-Württemberg startet auch im Baden-Badener Rebland die Weinlese früher als sonst. In kürzester Zeit muss geerntet werden.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Die "Bauernglätte" entsteht laut Häußler dabei ähnlich wie die "Sommerglätte": Wenn zur Erntezeit viele Traktoren und Mähdrescher unterwegs sind, verlieren diese oft Erde oder andere Materialien auf der Straße. "Wenn man gerade in ländlichen Gebieten unterwegs ist, sieht man wie frische Fahrspuren vom Feld auf die Landstraßen führen", erklärt der Sprecher. Aus diesen Spuren könne dann auch so ein Schmierfilm entstehen - eine gefährliche Angelegenheit, vor allem für Motorradfahrende. Die Haftung von zwei Rädern sei einfach weniger hoch als bei Autos, erklärt Häußler, auch wenn Autofahrende ebenfalls aufpassen müssen, vor allem in Kurven.

Schmierfilm "heimtückischer" als Aquaplaning

Ein Schmierfilm auf der Straße habe einen ähnlichen Effekt wie Aquaplaning: Die Reifen greifen nicht mehr wirklich auf der Straße. Ein Schmierfilm sei jedoch heimtückischer, sagt Häußler, Aquaplaning erkenne man oft schon vorher an der Wassermenge auf der Straße.

Egal warum es glatt und schmierig auf der Fahrbahn ist, wichtig sei vor allem die Geschwindigkeit anzupassen und vor allem an Stellen mit Kurven oder schlechter Sicht langsamer zu fahren. Außerdem müsse man daran denken, genügend Abstand zu halten - bei glatter Straße seien die Bremswege länger. Wie beim Aquaplaning gelte auch hier: "Wenn die Reifen den Kontakt zur Straße verlieren, dann nicht wild hin und her lenken, vor allem in der Kurve. Stattdessen: Ruhe bewahren, Lenkrad festhalten, Geschwindigkeit wegnehmen", mahnt Häußler.

Mittelfristige Wetterprognosen aktuell kaum möglich

Viele haben sich nach der Hitze eine kühle Woche erhofft - trotz des Regens ist es vielerorts schwül. Ob das Wetter angenehmer werde, lässt sich laut SWR-Wetterexperte Gernot Schütz gerade kaum vorhersagen.

Im Moment seien die Prognosen sehr unsicher: "Wenn es heute danach aussieht, als würde es nächste Woche heiß, kann die Prognose morgen schon kühl und nach Regen aussehen." Der Grund für die schwierige Vorhersagbarkeit und das wechselhafte Wetter: Derzeit sei es zwar in Baden-Württemberg kühl, aber am Mittelmeer sei die Luft noch heiß. "Die heiße Luft schwappt dann über die Alpen nach Norden und wieder zurück", so Schütz.

Freundlich und größtenteils trocken: Die Wetteraussichten fürs Wochenende

Laut Schütz bleibt das Wetter in den kommenden Tagen wechselhaft. Am Wochenende soll es am Samstagnachmittag bereits freundlicher werden. Am Sonntag soll es dann größtenteils trocken bleiben.Die Temperaturen am Wochenende liegen zwischen 22 und 27 Grad, in den höheren Lagen gibt es um die 21 Grad. Und wie sieht das Wetter in der kommenden Woche aus? Da seien noch "große Fragezeichen", sagt Schütz.

Baden-Württemberg

Bericht der Landesanstalt für Umwelt Heißer, trockener, gefährlicher: Neue Daten zeigen drastische Klimafolgen in BW

Sinkende Grundwasserspiegel, geschwächte Wälder: Baden-Württemberg ist von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen. Das Umweltministerium warnt vor weiteren Belastungen.

SWR1 - Das Sommerradio für Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Deutschland

Der Klimawandel und seine Folgen im Südwesten Dauernde Hitze, fehlender Regen: Wie die Natur darunter leidet - und was helfen könnte

Der Sommer 2026 ist geprägt von Trockenheit, großer Hitze und Niedrigwasser. Das kann langfristige Folgen für die Natur haben. Doch Lösungsansätze für die Probleme gibt es auch.

Baden-Württemberg, Oberrheinregion, Deutschland, Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen

Hitzewelle in Baden-Württemberg Klimawandel: Heiße Tage in BW haben sich seit 1961 verdoppelt - Mehr Hitzetote

In Baden-Württemberg hat sich die Zahl der Hitzetage mehr als verdoppelt. Gleichzeitig verzeichnete das RKI in diesem Sommer überproportional viele hitzebedingte Todesfälle.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Laura Schmittinger
Laura Schmittinger aus der SWR-Aktuell Redaktion

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!