Die Gewerkschaft ver.di will sich in Baden-Württemberg gemeinsam mit Kommunen und politischen Entscheidungsträgern für den Erhalt der zwölf Galeria-Standorte im Land einsetzen. Hintergrund ist das vorläufige Insolvenzverfahren, das das Amtsgericht Düsseldorf für die Warenhauskette angeordnet hat.
ver.di fordert Unterstützung für Galeria-Beschäftigte
ver.di-Vertreter Wolfgang Krüger sagte in Stuttgart: "Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren immer zu ihrem Unternehmen gehalten. Sie erbrachten jeden Tag ihre Leistung und nahmen zudem über Jahre hinweg massive Einschnitte bei ihren Entgelten hin. Nun werden ihre Hoffnungen durch die erneut beantragte Insolvenz wiederholt enttäuscht." Man werde alles dafür tun, dass die Galeria-Standorte und möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben, so Krüger.
"Dazu werden wir uns an die betroffenen Kommunen und an die politischen Entscheidungsträger wenden, um Lösungswege auszutauschen." Die Warenhäuser hätten weiterhin eine wesentliche Bedeutung für die Innenstädte, für die man sich gemeinsam einsetzen müsse, erklärte Krüger. "Ganz oben steht nun: Die Galeria-Beschäftigten haben unser aller Solidarität verdient!"
Kaufhauskette in der Krise Gericht ordnet Insolvenzverfahren für Galeria an
Das Amtsgericht Düsseldorf hat das vorläufige Insolvenzverfahren für Galeria angeordnet. Die Zukunft der Kaufhauskette ungewiss. Es ist bereits der vierte Insolvenzantrag des Unte…
"Ein vollständiges Aus ist möglich, aber keineswegs zwangsläufig", sagte Handelsexperte Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er halte eine Fortführung mit deutlich weniger Standorten gerade für die Mitarbeiter für eine mögliche Lösung, "nicht jedoch eine dauerhafte Rettung des gesamten bisherigen Filialnetzes".
Voraussetzung für eine Fortführung sind laut Kortum "wirtschaftlich tragfähige Häuser, ein klares Sortimentsprofil und ausreichend Eigenkapital für Modernisierung und Umbauten". Nötig sei dafür "endlich" ein Eigentümer, der nicht nur kurzfristige finanzielle Interessen habe, sondern langfristig an das Geschäftsmodell Kaufhaus glaube. "Eine weitere Sanierung, die hauptsächlich wieder nur auf Forderungsverzicht und Kostensenkung setzt, dürfte kaum ausreichen." Selbst wenn die heutige Unternehmensstruktur scheitere, könnten einzelne attraktive Warenhäuser in guten Lagen eventuell unter anderen Eigentümern weiterbestehen.
Experte bemängelt schwaches Sortimentsprofil
Galeria ist nach Einschätzung von Kortum in eine erneute Insolvenz geraten, weil die bisherigen Sanierungen die grundlegenden Probleme des Geschäftsmodells nicht gelöst haben. Als solche sieht er zu große und teilweise wenig attraktive Verkaufsflächen, hohe laufende Kosten und ein zu schwaches Profil im Sortiment gegenüber Onlinehandel, Fachgeschäften und Discountern. "Schuldenschnitte, Insolvenzgeld und neue Kredite verschaffen kurzfristig Entlastung, ersetzen aber keine Investitionen in ein überzeugendes Angebot", so Kortum. Man könne Schulden streichen und Verträge kündigen, "aber keine Kundennachfrage herbeisanieren".
Galeria stellt zum vierten Mal Insolvenzantrag
Die bislang letzte Insolvenz liegt erst gut zweieinhalb Jahre zurück. Nach Informationen des "Handelsblatts" sind bei Galeria in den vergangenen Monaten die Umsätze massiv eingebrochen. Ein 160 Millionen Euro schwerer Kredit soll weitgehend aufgebraucht sein.
Nach Angaben des Amtsgerichts Düsseldorf handelt es sich bei Galeria aktuell um ein Regelinsolvenzverfahren. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Frank Kebekus bestellt. Er soll prüfen, ob Gründe für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorliegen und ob die Verfahrenskosten durch das Vermögen gedeckt sind.
Die Galeria S.à r.l. & Co. KG hatte am Freitag beim Gericht die Eröffnung eines Verfahrens beantragt. Für das Unternehmen ist es der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Ob Standorte schließen müssen, ist weiterhin offen. Ungeklärt ist nach wie vor auch, ob die Beschäftigten Insolvenzgeld erhalten.
Rund 1.500 Beschäftigte in Baden-Württemberg betroffen
Aktuell hat Galeria 83 Filialen. Das Düsseldorfer Unternehmen hat rund 12.000 Beschäftigte. Von der Insolvenz betroffen sind auch die rund 1.500 Beschäftigten in den verbliebenen zwölf Filialen in Baden-Württemberg. Sie müssen nun erneut in einem Insolvenzverfahren um ihre Zukunft bangen.