Die bislang letzte Insolvenz liegt erst gut zweieinhalb Jahre zurück. Nun ist die Warenhauskette Galeria schon wieder in finanzielle Not geraten. Nach Informationen des Handelsblatts sind bei Galeria in den vergangenen Monaten die Umsätze massiv eingebrochen. Ein 160 Millionen Euro schwerer Kredit soll weitgehend aufgebraucht sein.
Also hat die Warenhauskette Galeria beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen. In Baden-Württemberg sind zwölf Filialen betroffen, in Rheinland-Pfalz fünf.
Schon vor dem erneuten Insolvenzantrag standen zuletzt bundesweit 33 Filialen auf der Kippe. Zu diesen gehören auch fünf in Baden-Württemberg, unter anderem in Freiburg und Mannheim, in Rheinland-Pfalz sind es vier, darunter die Filialen in Koblenz und Mainz. Durch den Insolvenzantrag könnte sich diese Liste der gefährdeten Filialen nun nochmal deutlich verlängern. Das heißt, auch den übrigen Standorten könnte eine Schließung drohen.
Galeria zum vierten Mal insolvent
Die Unsicherheit ist groß. Noch ist offen, ob die Beschäftigten Insolvenzgeld erhalten und welche Standorte von einer möglichen Schließung betroffen sein könnten. Klar ist nur, es ist bereits das vierte Insolvenzverfahren innerhalb von sechs Jahren. Das ist ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang für ein so bekanntes Handelsunternehmen. Für die Innenstädte stellt sich damit ebenfalls eine zentrale Frage: Was passiert mit den großen Warenhäusern, wenn Galeria nicht wieder auf die Beine kommt? Leerstehende Gebäude in Toplagen würden vielerorts das Stadtbild verändern.
Der aktuelle Insolvenzantrag soll nach Unternehmensangaben vor allem eines leisten: einen rechtlichen Rahmen schaffen, um die aktuelle Lage zu ordnen, den Konzern zu stabilisieren und eine Perspektive für die Zukunft zu finden. Konkrete Pläne zur Zukunft der Filialen und wie es mit den Arbeitsplätzen weitergeht, nennt Galeria noch nicht.
Handelsexperte sieht wenig Zukunft für Galeria
Für den Handelsexperten Jörg Funder von der Hochschule Worms war die erneute Insolvenz absehbar. Im Gespräch mit dem SWR sagte Funder, die aktuellen Investoren hätten keine glaubhafte Strategie für die Warenhauskette gehabt. Und Funder geht noch weiter: "Für einen Warenhauskonzern, so wie er heute geführt ist, sehe ich mittlerweile keine Fortführungsprognose und keinen Wettbewerbsvorteil, insbesondere mehr im bestehenden Einzelhandelsumfeld." Und er wird noch deutlicher: "Ich glaube, es wird das Ende des Warenhauskonzerns sein."
Gewerkschaft ver.di sieht Managementfehler als Ursache
Die Gewerkschaft ver.di beklagt die erneute Ungewissheit für die Beschäftigten und sieht "haarsträubende Managementfehler", die zu dieser Entwicklung geführt hätten. In den letzten Jahren seien durch die Gesellschafter keine nachhaltigen Investitionen geflossen. Schnelle Aufklärung sei nötig, wie es für die 12.000 Beschäftigten weitergehe, forderte die Gewerkschaft.