Die meisten Unfälle, an denen Kinder beteiligt sind, passieren zwischen 7 und 8 Uhr morgens - also dann, wenn Kinder normalerweise auf dem Weg zur Schule sind. Das berichtet die Landesverkehrswacht (LVW) BW. Um die Sicherheit auf dem Schulweg zu erhöhen, sind Schulstraßen und -zonen mögliche Mittel. Bisher gibt es laut dem baden-württembergischen Verkehrsministerium 22 Schulstraßen und zwei permanente Schulzonen (Stand Juli 2026). Am Dienstag ist in Esslingen-Berkheim eine weitere dazugekommen. Rund um die dortige Schillerschule wird getestet, ob durch die zeitweise gesperrte Straße vor der Schule der Weg für die Kinder sicherer wird.
In Schulstraßen werden in der Regel mehrere Straßenabschnitte werktags zu Beginn und zum Ende des Unterrichts für einen begrenzten Zeitraum für Autos gesperrt, um die Sicherheit für Schulkinder während der Hol- und Bringzeiten zu erhöhen. Innerhalb einer Schulzone sind Autos dann generell verboten.
Verbände fordern mehr Schulstraßen und -zonen in BW
Laut aktuellen Zahlen des baden-württembergischen Innenministeriums gibt es seit 2021 immer mehr Unfälle auf Schulwegen. 2025 passierten 415 Unfälle auf dem Weg zur Schule, bei denen Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren verletzt wurden. Das sind knapp 10 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Ein Bündnis aus Kinder- und Verkehrsverbänden fordert von den Kommunen, mehr temporäre oder dauerhafte Schulstraßen im Land einzurichten. Abgesehen von den bereits bestehenden Schulstraßen sind laut Verkehrsministerium aktuell 181 Schulstraßen beziehungsweise Schulzonen in Prüfung.
BW-Verkehrsministerium: Elterntaxis sorgen für gefährliche Situationen
Hotspots für Unfälle auf Schulwegen seien vor allem Kreuzungen, Einmündungen und das Überqueren der Straße, so ein Sprecher der LVW BW. Für gefährliche Situationen auf dem Schulweg sorgen laut dem baden-württembergischen Verkehrsministerium und Lehrkräften unter anderem auch sogenannte Elterntaxis - also Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bis zum Schultor bringen. Als Unfallquelle werden sie aber von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung nicht explizit erfasst, so die LVW.
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Wer entscheidet, ob eine Schulstraße eingeführt wird oder nicht?
Die Entscheidung, ob und wo eine Schulstraße eingeführt wird, muss jede Stadt und Kommune selbst treffen. Das BW-Verkehrsministerium verweist auf SWR-Anfrage auf einen Erlass aus dem August 2025, der landesweit die Einführung von Schulstraßen und Schulzonen erleichtert habe. Zur Frage, warum diese Instrumente im Land noch nicht etablierter sind, teilt das BW-Verkehrsministerium mit, dass es für Schulstraßen und -zonen noch keine eigenständigen Beschilderungen gebe. Daher hätten sich viele Kommunen bei der Umsetzung solcher Straßen bisher noch zurückgehalten.
Zudem gebe es im Prozess mehrere Schritte, die Zeit kosten: Erst müssten geeignete Standorte gefunden werden, danach müsse man mit Anwohnern, Schulen und der Öffentlichkeit kommunizieren. Zudem würden - je nach örtlichen Gegebenheiten - Anpassungen in der Verkehrsführung vorgenommen. Das Verkehrsministerium geht aber davon aus, dass in den nächsten Monaten immer mehr Kommunen Schulzonen oder -straßen einführen. Das hänge mit dem Erlass aus dem August 2025 zusammen, der jetzt langsam Wirkung zeige.