Während die gemalten Bilder anderer Kinder höchstens einen Ehrenplatz am Kühlschrank bekommen, plant die achtjährige Grundschülerin Milia Holl im Rathaus von Lonsee (Alb-Donau-Kreis) eine eigene Ausstellung. Gerade kuratiert sie 36 Gemälde für ihre erste Schau - von kunterbunten Adlern und Flamingos bis zum Marmeladenbrot zum Frühstück.
Milias Reise: Vom Keller zur eigenen Kunstausstellung
Die achtjährige Milia läuft zwischen zwei hohen Bäumen hindurch. Die braunen Blätter auf dem Waldboden rascheln bei jedem Schritt. Neben ihr ihre Eltern: Papa Lukas und Mama Jasmin. Ein normaler Waldspaziergang wird für Milia immer häufiger zu einer Suche nach Motiven für ihr nächstes Bild. Sie bleibt stehen und blickt in Richtung des wolkenverhangenen Himmels: "Das würde ich nicht so malen. Der Himmel sollte schon blau sein mit Wolken", sagt die Grundschülerin bestimmt und zeigt in Richtung Baumkronen. "Und hier sollte dann so die Sonne durchscheinen durch die Bäume."
Im Keller fing alles an: Dort entdeckt Milia die alten, eingetrockneten Farben ihrer Mutter. Tuben, kleine Dosen, ein Pinsel, der auf seine zweite Chance gewartet hat. Seitdem will sie diesen Pinsel am liebsten gar nicht mehr loslassen.
Mama Jasmin schaut zu, wie die Tochter im eingerichteten Atelier hellgrüne Striche auf die Leinwand zieht. "Man kriegt dann schon extrem Lust mitzumachen, aber ich darf immer nur den Pinsel halten gerade", sagt sie und lacht.
Ganz ohne Hilfe geht's dann aber doch nicht: "Das räumliche Sehen hat sie noch nicht so wirklich", gibt die 34-Jährige zu. Deshalb hilft sie Milia mit wenigen Bleistiftstrichen, zeigt ihr zum Beispiel, wo der Horizont verläuft. Beim Malen sitzt sie oft stundenlang neben Milia und erklärt ihr dabei die ein oder andere Technik. Manchmal sind die beiden auch gleichzeitig auf zwei Leinwänden kreativ.
Milia malt alles, was ihr in den Sinn kommt: einen kunterbunten Adler, einen Flamingo mit kräftigen rosafarbenen Federn oder ein Marmeladenbrot - ihr Lieblingsfrühstück.
Wir hatten ein paar Zweifler, [...] deshalb hab ich auch angefangen, das zu filmen.
Achtjährige auf Instagram: Zweifler und Fangemeinde
Talent in diesem Alter bleibt nicht unbemerkt, das hat Milias Mutter schon früh gemerkt. "Wir hatten ein paar Zweifler, [...] deshalb hab ich auch angefangen das zu filmen", sagt sie. "Die Ausführungen macht sie auf jeden Fall immer selber", versichert die stolze Mama.
Eine kleine Fangemeinde von rund 380 Followern folgt Milia auf Instagram und kann dort miterleben, wie die Bilder entstehen. "Unfassbar, wie toll sie das macht", kommentiert eine Userin, eine andere schreibt: "Ich bin immer wieder fasziniert, wie schön du malen kannst."
Unfassbar, wie toll sie das macht.
Milia mischt auf ihrer kleinen Palette einen Klecks Weiß mit Grün. Mit einem dickeren Pinsel klopft sie die hellgrüne Farbe auf die Leinwand. Nach und nach entstehen Büsche und Bäume. Mit einem anderen Pinsel malt sie später die schwarzen Silhouetten der Bäume vom Spaziergang.
"Das meiste ist grün, aber da kommt jetzt auch noch bisschen dunklere Farbe hin, also die Schattierungen, dass das ein bisschen echter aussieht", erklärt die Achtjährige und tupft weiter. "Wenn die Sonne hier hinscheint, dann ist es ja da drüben so ein bisschen dunkler und hier heller", erklärt sie und zeigt mit ihren Fingern auf ihr Kunstwerk. Acht Stunden arbeitet sie an diesem Waldbild. Es wird Bild Nummer 36 für ihre Ausstellung am Freitag.
Jochen Ogger (CDU), Bürgermeister von Lonsee, hat Milias Arbeiten zuerst im Netz gesehen: "Ich war wirklich beeindruckt. Mit acht Jahren solche Fertigkeiten zu haben, ist glaube ich nicht normal", sagt er. Daraufhin spricht er Milias Eltern an, ob die Grundschülerin ihre Bilder im Rathaus ausstellen möchte. "Sie ist aus meiner Sicht ein tolles Talent hier in Lonsee", lobt Ogger. "Ich war richtig geschockt, als Herr Ogger mir das angeboten hat", sagt Milia dem SWR und fügt an: "Ich bin stolz und auch dankbar."
Ich war richtig geschockt, als Herr Ogger mir das angeboten hat.
Milia weiß ziemlich genau, wie besonders es ist, als Achtjährige eine eigene Ausstellung zu bekommen: "Nein, ich glaub', ich kenn noch keine andere [achtjährige Künstlerin]", sagt sie und lacht.
Mit dem Geld möchte ich meiner Klasse ein Eis spendieren.
Übrigens: Milias Bilder sind beliebt. Einige hat sie schon verkauft. "Es muss niemand was kaufen. Ich freue mich aber, wenn jemand was kauft", sagt sie mit Blick auf die Ausstellung. Mit dem Erlös möchte sie Reitsachen kaufen - und ihrer Klasse ein Eis ausgeben.