Auf seinen Schafweiden im Landkreis Heidenheim erlebt Schäfer Holger Banzhaf einen Extremsommer. Hitze und ausbleibender Regen setzen ihm und seiner Herde zu - und zwingen ihn, seine Arbeit teilweise umzustellen.
Vor Ort zeigt der Schäfer auf eine trostlos wirkende Wacholderheide bei Gerstetten: Der Boden ist staubtrocken, am Hang wächst kaum noch Gras, was noch steht ist gelb und vertrocknet. Schon um 10 Uhr vormittags drängen sich Dutzende Schafe und Lämmer unter einer großen Eiche eng im Schatten.
Bei 25 Grad sei es noch okay, berichtet Holger Banzhaf. Aber bei mehr als 30 Grad macht die Hitze den Tieren zu schaffen: "Wir bieten Schatten und Wasser." Das größere Problem ist allerdings das Futter: Im Mai und Juni sei auf den Flächen fast nichts nachgewachsen. Der 57-Jährige rechnet nur noch mit wenigen Tagen Futterreserve. "Wenn es in den nächsten zehn Tagen nicht regnet, wird es knapp."
Erste Muttertiere mit ihren Lämmern stehen bereits im Stall und fressen dort Winterfutter, weil die Futtergrundlage draußen nicht reicht. Wenn es in den kommenden Tagen nicht ausgiebig regnet, müsse er sich "etwas einfallen lassen". Was das genau heißen würde, weiß er noch nicht. Womöglich muss er Futter zukaufen. Das wäre das allererste Mal für ihn - in 45 Jahren als Schäfer.
Schäferkollege Moritz Niess, ebenfalls aus Gerstetten, geht es ähnlich. "Zwei Wochen reicht das Futter noch", sagt er. Falls es nicht regnet, weiß er noch nicht, wie es danach weitergeht. Früher habe man bis in die heißen Sommermonate hinein Reserven gehabt. Weil die im Frühjahr abgehüteten Flächen nachgewachsen seien. "Aber das war in diesem Jahr nicht der Fall. Da ist nichts mehr gekommen."
Schafe hüten wegen der Hitze nur morgens und abends
Mit jeweils rund 700 Schafen beweiden die beiden Schäfer die Albhochflächen. Normalerweise würde er viele Tiere tagsüber hüten, sagt Holger Banzhaf. Doch bei der derzeitigen Hitze läuft das anders: "Wenn es mittags so heiß ist, fressen die auch gar nicht. Die fressen morgens und abends ein paar Stunden."
Banzhaf hat seine Zeiten angepasst: "Wir schauen, dass wir vormittags so von neun bis zwölf Uhr hüten. Dann kommt meistens die Mittagshitze." Dann hüte er wieder ab dem späten Nachmittag bis zur Einbruch der Dunkelheit. Mittags stehe die Herde im Schatten - auf Flächen mit großen Bäumen.
Trockenheit: Täglich Tausende Liter Wasser herbeischaffen
Ein anderer Punkt macht den Schäfer in diesem Sommer besonders zu schaffen: das Wasser. "Für die große Herde brauchen wir fast jeden Tag 6.000 bis 7.000 Liter Wasser." Er ist daher jeden Tag stundenlang unterwegs, um Wasser herbeizuschaffen. Feste Tränken gibt es auf den Wacholderheiden meist nicht, Wasserleitungen auch nicht.
Wenn das Gras frisch und grün ist, nehmen die Tiere laut Banzhaf bis zu 80 Prozent der Feuchtigkeit über das Futter auf. Jetzt sei das Gras "nur noch wie in der Steppe, trocken und fast wie Heu". Die Folge: Der Wasserbedarf steigt massiv. Früher habe er nur rund alle drei Tage Wasser holen müssen. Trockene Sommer kennt Holger Banzhaf aus den vergangenen Jahren, aber nicht in dieser Intensität. Früher sei das Gras nach dem Regen wieder gewachsen, in diesem Jahr nicht. So schlimm sei es in seinem ganzen Leben noch nicht gewesen.
Extremer Sommer belastet auch die Schäfer
Trotz dickem Fell seien die Schafe durch ihre Wolle etwas geschützt, erklärt der Schäfer. Die Wolle isoliere, ein frisch geschorenes Tier könne eher Sonnenbrand bekommen. Bei großer Hitze suchten die Tiere aktiv Schutz , etwa, indem sie eng zusammenstehen und den empfindlichen Kopf unter ein anderes Schaf schieben und ihn so schützen.
Auch für den Schäfer selbst ist der Sommer körperlich anstrengend: "Mich schlaucht die Hitze, muss ich ehrlich sagen", sagt Banzhaf. Sein Tag beginnt mit der Versorgung der Tiere im Stall, danach geht es zur Herde auf die Weide. "Vor halb zehn, zehn sind wir abends meistens nicht daheim und haben Feierabend", erzählt der 57-Jährige, der "von Kindesbeinen an" Schafe hütet. "Ich bin echt froh, wenn der extreme Sommer vorbei ist."