Lkw werden durch Unterkochen geleitet

Kochertalbrücke am Ende: Marode Brücke bei Oberkochen muss deutlich früher ersetzt werden

Die Kochertalbrücke könnte im Extremfall ohne Vorwarnung versagen. Vor Kurzem war bekannt geworden, dass die 60 Jahre alte Brücke wegen Spannungsrissen schneller erneuert werden muss als geplant.

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Von Autor/in Peter Schmid

Neue Berechnungen zeigen: Die rund 60 Jahre alte Brücke an der B19 zwischen Aalen-Unterkochen und Oberkochen im Ostalbkreis ist stärker geschädigt als gedacht und muss deutlich früher ersetzt werden. Im Extremfall könnte sie laut Regierungspräsidium Stuttgart sogar "ohne Vorwarnung versagen". Das wird sich bald spürbar auf den Verkehr, die Menschen vor Ort und die Unternehmen in Ostwürttemberg auswirken. Der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) will eine Task-Force einrichten.

Brücke am Limit: Materialprobleme an der Kochertalbrücke

Ausgangspunkt ist eine nüchterne Feststellung des Regierungspräsidiums Stuttgart: Die 1965 gebaute Kochertalbrücke hat ihre Reserven praktisch aufgebraucht. In ihr steckt "spannungsrisskorrosionsempfindlicher Spannstahl", schreibt die Behörde weiter. Ein Material, das in insgesamt 28 Brücken im Regierungsbezirk Stuttgart verbaut wurde und bei dem Risse und Korrosion nicht zuverlässig vorhersehbar sind.

Die Kochertalbrücke bei Oberkochen (Ostalbkreis) ist marode und muss durch einen Neubau ersetzt werden.  Ab Herbst werden Lkw in Fahrtrichtung Aalen-Heidenheim durch Unterkochen umgeleitet.
Die Kochertalbrücke bei Oberkochen (Ostalbkreis) ist marode und muss durch einen Neubau ersetzt werden. Frank Polifke

Eine Sanierung lohnt sich weder technisch noch wirtschaftlich. Bis der Neubau steht, muss die bestehende Brücke aber weiter funktionieren - und gleichzeitig geschützt werden.

Sperrung und Umleitung für Lkw im Herbst

Deshalb wird ab Herbst die Kochertalbrücke für Lkw teilweise gesperrt: In Fahrtrichtung Aalen/Heidenheim dürfen dann nur noch Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen Gesamtgewicht über die Brücke fahren, also auch Pkw. Angedacht ist laut Regierungspräsidium, den Lkw-Verkehr aus Richtung Aalen an der B19-Anschlussstelle Unterkochen auszuleiten und über die Heidenheimer Straße Richtung Anschlussstelle Oberkochen weiterzuführen. In Gegenrichtung dürfen Lkw über 7,5 Tonnen auch weiterhin fahren.

Um Schäden an der Kochertalbrücke frühzeitig zu erkennen, werden laut dem Regierungspräsidium Stuttgart sogenannte CFK‑Lamellen, also verstärkende Kohlefaserstreifen, angebracht. Diese dehnen sich bei Belastung mit dem Beton mit. Diese Dehnung kann dann mit Hilfe von Sensoren gemessen werden.

Der Spannstahl, der in der Kochertalbrücke verbaut ist, ist empfindlich für Spannungsrisse und Korrosion.
Der Spannstahl, der in der Kochertalbrücke verbaut ist, ist empfindlich für Spannungsrisse und Korrosion. Frank Polifke

Während der Stadtbezirk Aalen-Unterkochen vor allem auf die mögliche unmittelbare Verkehrs- und Lärmbelastung schaut, blickt die Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg (IHK) auf das große Ganze. Mit der Beschränkung für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen, den Umleitungen und einem absehbar langen Neubau drohen aus Sicht der IHK längere Wege, höhere Transportkosten und mehr organisatorischer Aufwand für die Betriebe.

Marode Kochertalbrücke: IHK fordert "Turbo-Ausbau"

Die Kammer warnt in einer Mitteilung, dass sich eine länger andauernde Einschränkung der Leistungsfähigkeit dieser Verbindung "unmittelbar auf Lieferketten, Produktionsabläufe, Erreichbarkeit und die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsraums" auswirken würde.

Sie fordert von Bund und Land, den Ersatzneubau der Kochertalbrücke mit höchster Priorität zu behandeln, einen "Turbo-Neubau". Alle Möglichkeiten zur Verkürzung der Bauzeit müssten ausgeschöpft werden. Laut Regierungspräsidium Stuttgart werden die Planungen zum Ersatzneubau "mit Hochdruck" vorangetrieben. Ministerpräsident Cem Özdemir will sogar eigens dafür eine Task-Force einrichten, damit der Neubau schneller voran geht. Das hat er laut der "Schwäbischen Post" bei einem Besuch des Unternehmens Hensoldt in Oberkochen angekündigt.

Die geschützte Haselmaus lebt rund um die Kochertalbrücke.
Die geschützte Haselmaus lebt rund um die Kochertalbrücke. IMAGO / imagebroker

Rücksicht auf Haselmaus und andere geschützte Tiere

Frühere Vorhaben, die Brücke zu erneuern, wurden unter anderem durch Naturschutzauflagen und den Schutz streng geschützter Arten, etwa der Haselmaus, ausgebremst. Die kleine, etwa sechs bis neun Zentimeter große Haselmaus, die in den Waldrändern, Wiesen und Hecken rund um die Brücke lebt, ist laut EU-Recht streng geschützt. Gutachter haben zur Artenschutzuntersuchung Schuhkartongroße Kästen in Haselsträucher nahe der B19 gehängt - mit klarem Ergebnis: In unmittelbarer Nähe der maroden Brücke zwischen Oberkochen und Aalen-Unterkochen kommt die seltene Haselmaus tatsächlich vor.

Ostalbkreis

Wo sie lebt, darf erstmal nicht gebaut werden Neubau der B19-Kochertalbrücke bei Aalen: Wegen Haselmaus gefährdet?

Die viel befahrene B19-Kochertalbrücke ist marode und muss durch einen Neubau ersetzt werden. Die seltene Haselmaus könnte jetzt die Pläne gefährden: Sie ist in der EU geschützt.

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Die Haselmaus ist aber nicht die einzige geschützte Art, die beim Neubau der Kochertalbrücke berücksichtigt werden muss. Laut Regierungspräsidium Stuttgart sind dort auch Zauneidechsen und Biber beheimatet. Für den geplanten Neubau ist das alles andere als eine Randnotiz. Wo geschützte Tiere nachgewiesen werden, darf nicht einfach gebaut werden; es greifen umfangreiche Prüf- und Schutzpflichten, inklusive möglicher Bauzeitenbeschränkungen, Umsiedlungs- oder Ausgleichsmaßnahmen.

Wann die neue Kochertalbrücke bei Oberkochen im Ostalbkreis fertig wird, ist noch nicht klar. Auch nicht, wie der Neubau aussehen soll. Momentan befinde man sich in der Ausschreibungsphase, teilt das Regierungspräsidium mit.

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Peter Schmid
SWR-Aktuell Redakteur Peter Schmid

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