Klaus Hankes Leidenschaft hat zwei elegante sichelförmig gebogene Schwingen und einen gegabelten Schwanz. Sein Name: Apus apus. Der allgemein als Mauersegler bekannte Vogel bestimmt die Freizeit des 54-jährigen Klaus Hanke seit ungefähr drei Jahren. Da liest der Vogelfreund in der Lokalzeitung eine Meldung, die ihn hellhörig macht: Der Mauersegler verschwindet mehr und mehr aus Baden-Württemberg. Hankes spontane Reaktion: Er muss was tun!
Vogelfreund lockt Mauersegler mit Bluetooth-Box an
In der rechten Hand hält Klaus Hanke ein weißes Kästchen. Aus dem ertönt ein eindringliches "Sri-sri-sriiii". Der typische Ruf des Mauerseglers. Mit der Bluetooth-Box lockt Hanke die Tiere an. "Es sind arteigene Rufe", erklärt er. "Da reagieren die drauf und suchen da, wo sie sie hören, gezielt nach Nistplätzen."
Nistplätze bietet er den Mauerseglern auch an: Unter der Dachrinne seines Hauses in Aalen-Attenhofen hängen gleich mehrere Kästen nebeneinander. Zwei sind von Brutpaaren bewohnt, einen hat ein Wespenvolk bezogen - und mehrere stehen leer.
Doch auch an diesem Vormittag klappt der Lockruf-Trick: Nach gerade mal fünf Minuten konzentrierten Starrens in den Himmel, kommen plötzlich drei oder vier Vögel angeschossen, kreisen in irrem Tempo über das Haus und sind - zack - wieder weg.
Mauersegler schlafen in der Luft - und paaren sich dort auch
So richtig folgen kann man den Mauerseglern mit den Augen kaum. Wie sie tatsächlich aussehen, zeigt Klaus Hanke auf seinem Handy. In den beiden bewohnten Nistkästen hat er Kameras installiert. Auf dem Display kann man zwei Vögel erkennen, ein Elterntier und ein Junges, stellt der Vogelfreund mit geübtem Blick fest. Dunkelbraun sind sie, nur an der Kehle hell.
Beide Brutpaare haben jeweils drei Junge, erzählt Hanke mit zufriedenem Lächeln. Wobei er einem Paar ein Adoptivkind untergeschoben hat, das bei einer Vogel-Aufzuchtstation abgegeben wurde. Die Elterntiere haben damit offenbar kein Problem.
Was ihn an den Mauerseglern vor allem fasziniert, ist ihre "luftige" Lebensweise. Sie schlafen sogar in der Luft. "Sie steigen auf 3.000 Meter Höhe, gehen in einen Gleitflug über, schalten eine Gehirnhälfte ab und dösen ein", weiß Hanke. Mauersegler paaren sich sogar in der Luft und selbst das Nistmaterial sammeln sie beim Fliegen. Im Grunde landen die Luftikusse nur zum Brüten.
Hinter dem Haus liegen mehrere selbstgebaute Nistkästen. Der Amateur-Ornithologe, der im wahren Leben Kurbelwellen herstellt, weist auf zwei Besonderheiten hin: Das Flugloch ist nicht rund, wie üblich, sondern flach. Das verhindert, dass Stare den Kasten beziehen. Die sind ungefähr gleich groß wie Mauersegler, haben aber längere Beine und passen nicht durch das flache Flugloch.
Nistkästen mit flachem Flugloch und Nistmulde
Außerdem hat Klaus Hanke im hinteren Teil der Kästen eine sogenannte "Nistmulde" ausgeschabt. "Wenn die Vögel den Kasten besetzen, fangen sie ziemlich schnell mit Eierlegen an", erklärt er. Oft sei dann noch gar kein Nest vorhanden. Wenn die Eier deshalb wegrollen, bebrüten die Vögel sie nicht mehr. Der besorgte Vogelfreund legt ihnen sogar eine Erstausstattung Nistmaterial in die Mulde: Heu und ein paar Federn.
Um die 20 Mietwohnungen für Mauersegler hat Klaus Hanke im Aalener Stadtteil Wasseralfingen und weiteren Teilorten installiert: an Schulen, Kitas und Rathäusern. Wenn seine Leiter zu kurz ist, hilft auch mal die Freiwillige Feuerwehr bei der Montage. Die Ansiedlungsinitiative ist erfolgreich: An einer Schule brüten derzeit drei Paare. Die kommen im nächsten Jahr wieder, davon ist Hanke überzeugt.
Denn Mauersegler kehren nach dem Überwintern in Afrika immer wieder an ihren bewährten Brutplatz zurück. Da sie getrennt überwintern, kommen sie auch getrennt wieder. Wer zuerst kommt, wartet auf den Partner und verteidigt die Brutstätte. Das kann auch mal dramatisch enden - wie bei Klaus Hankes erstem Brutpaar. "Einer ist zu spät zurückgekommen. Bis dahin hatte sich der andere einen neuen Partner gesucht", erinnert er sich. Als der alte auftauchte, wurde er von dem neuen Paar attackiert und aus dem Nistkasten geworfen. Am Ende war der Spätheimkehrer tot.