E-Scooter stehen an jeder Ecke, gelten als flexibel und modern - doch wenn etwas schiefgeht, sind oft andere die Leidtragenden. Einer von ihnen ist der Ulmer Imbissbetreiber Maurizio Reccia. Sein Unfall zeigt, wie schnell ein E-Scooter ein Leben aus der Bahn werfen kann - und warum der Gesetzgeber jetzt nachbessern will.
Wie ein E-Scooter Maurizio Reccias Leben aus der Bahn wirft
Es ist Ende Mai, als ein Unfall für Maurizio Reccia alles verändert. Der Ulmer Imbissbetreiber ist mit seiner Vespa unterwegs, als ein jugendlicher E-Scooter-Fahrer ihn an einer Kreuzung umstößt. Danach ist nichts mehr wie vorher: Meniskus kaputt, der Schienbeinkopf gebrochen, Kreuzbandriss. Verletzungen, die nicht nur Schmerzen bedeuten, sondern lange Ausfälle.
Wenn man sechs Wochen ausfällt, es geht gleich in fünfstellige Summen. Man fühlt sich so sauer - ungerecht. Ich finde, dass da unbedingt was mit den E-Rollern passieren muss.
Die Kreuzung ist videoüberwacht. Doch die Auswertung der Bilder bringt wenig: "Wir haben Bildmaterial von der Videokamera, aber da sind keine Nummernschilder zu erkennen", sagt Maurizio Reccia. Der Jugendliche verschwindet nach dem Zusammenstoß. Für Maurizio bleibt ein kaputtes Bein und eine ungewisse Zukunft: Sechs Wochen kann Maurizio gar nicht arbeiten. Auch heute kann er seinen Essensstand auf dem Wochenmarkt noch immer nicht wieder voll betreiben.
"Wenn man sechs Wochen ausfällt, geht es gleich in fünfstellige Summen", sagt Reccia. "Man fühlt sich so sauer - ungerecht. Ich finde, dass da unbedingt was mit den E-Rollern passieren muss."
Immer mehr tödliche Unfälle 14-Jähriger nach Sturz mit E-Scooter in Gaildorf gestorben
Nach einem Sturz mit einem E-Scooter in Gaildorf ist ein 14-Jähriger an seinen Verletzungen gestorben. Laut baden-württembergischem Innenministerium häufen sich E-Scooter-Unfälle.
E-Scooter: Praktisch - aber nicht ungefährlich
Maurizio Reccias Schicksal steht stellvertretend für eine Entwicklung in deutschen Städten: E-Scooter sind längst Teil des Alltags. Sie werden in großen Zahlen genutzt. Egal ob für die letzte Strecke zur Arbeit, für Freizeitfahrten, von Jugendlichen, Touristen, Berufspendlern.
Mit der starken Nutzung steigen auch die Risiken: oft zu hohe Geschwindigkeit, Fahrten ohne Helm, teils unter Alkoholeinfluss, häufig auf Gehwegen und zwischen Fußgängern. Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen - und immer wieder fahren Verursacher einfach weiter.
Für Unfallopfer wie Maurizio Reccia bedeutet das: schwere Verletzungen, Verdienstausfall, lange Reha und dazu die Unsicherheit, ob der Verursacher überhaupt gefunden wird und jemand für seinen Ausfall aufkommt. Er ist selbstständig. Wenn er krank ist, steht der Anhänger. Normalerweise verkauft Reccia zweimal die Woche seine Dennete auf dem Ulmer Wochenmarkt, dazu kommt das Catering.
Neues E-Scooter-Gesetz: mehr Schutz für Unfallopfer
Genau hier setzt ein neues Gesetz an, das noch durch den Bundesrat muss. Ab 2027 sollen Opfer von E-Scooter-Unfällen deutlich einfacher Schadensersatz bekommen können.
"Jetzt noch mussten Sie ein Verschulden nachweisen und in Zukunft wird das so sein, dass sie nur noch eine Beteiligung nachweisen müssen", sagt Thomas Weinhardt, Rechtsanwalt für Verkehrs- und Verkehrsstrafrecht. Damit werden E-Scooter anderen Fahrzeugen wie Autos rechtlich gleichgestellt. Wenn der Fahrer nicht festgestellt werden kann, haftet der Halter. "Und so können Sie Schadensersatzansprüche geltend machen", so Weinhardt.
Unfall mit E-Scooter? "Immer das Kennzeichen abfotografieren"
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft bewertet diese Entwicklung positiv: "Die Einführung der Gefährdungshaftung schließt Haftungslücken bei Unfällen mit E-Scootern und stärkt den Opferschutz. Das ist aus Sicht der Versicherungswirtschaft gut. Auch im Entschädigungsprozess schafft die neue Regelung mehr Klarheit", schreibt der Verband auf SWR-Anfrage.
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Doch auch künftig bleibt eine zentrale Hürde: Im Falle eines Unfalls muss der Unfallgegner oder zumindest das Fahrzeug bekannt sein. Deshalb rät der Anwalt: "Immer das Kennzeichen abfotografieren, notieren, und dann haben sie den Halter."
Für Maurizio Reccia bedeutet das: Er muss damit leben, dass sein Unfallgegner wohl nicht gefunden wird. Der Jugendliche ist nach dem Zusammenstoß schnell abgehauen. Für ihn bleibt ein langer Weg zurück in den Alltag.