Die Uniklinik Freiburg warnt davor, die Verletzungsgefahr von E-Scootern zu unterschätzen. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Todesopfer bei E-Scooter-Unfällen nach oben geschnellt. Laut Statistischem Bundesamt stieg sie im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent. Mehr als die Hälfte der Verunglückten war unter 25 Jahre alt.
Mit der Zahl der E-Scooter steigt auch die Gefahr. Diese Entwicklung beobachtet auch das Polizeipräsidium Freiburg. Es zählte vergangenes Jahr in seinem Zuständigkeitsbereich deutlich mehr E-Scooter-Unfälle. Und einen Todesfall. Ein 13-Jähriger hatte sich im Kreis Waldshut bei einem Sturz mit dem E-Scooter tödlich verletzt. Auch die Uniklinik Freiburg warnt vor einer unterschätzen Gefahr.
Uniklinik Freiburg: E-Scooter sind kein Spielzeug
Ferdinand Wagner, der stellvertretende Leiter des Notfallzentrums an der Uniklinik Freiburg, sieht nach E-Scooter-Stürzen immer wieder auch schlimmere Kopfverletzungen. Er betont im Gespräch mit dem SWR, dass E-Scooter ein Verkehrsmittel und eben kein Spielzeug seien. "Entsprechend sollte man einen Helm tragen", empfiehlt er. Und ergänzt: "nicht betrunken fahren und auch nicht mit mehreren Personen auf einem Gerät."
Auch Knochenbrüche sieht der Oberarzt für Chirurgie nach E-Scooter-Unfällen häufig. Erst vor Kurzem habe ein jüngerer Patient sich den Oberschenkelschaft gebrochen. Das brauche bei einem jungen Patienten schon relativ viel Gewalt, meint Wagner. Das zeige, "dass man da mit einem vermeintlich kleinen Gerät unterwegs ist, aber doch einer erhöhten Verletzungsgefahr ausgesetzt ist."
E-Scooter sind besonders bei jungen Leuten beliebt
83,7 Prozent der im Jahr 2025 Verunglückten waren laut Statistischem Bundesamt jünger als 45 Jahre. 53,6 Prozent waren unter 25. Jugendliche dürfen eigentlich erst ab 14 E-Scooter fahren. Aber immer wieder benutzen auch Jüngere die Fahrzeuge. So verunglückten vergangenes Jahr bundesweit auch 847 Kinder mit E-Scootern. Drei starben.
E-Scooter hätten das Trampolin als häufigste Ursache für schwere Freizeitverletzungen bei Kindern und Jugendlichen abgelöst, heißt es von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie. Deshalb ist es Ferdinand Wagner besonders wichtig, über die Gefahren aufzuklären und jungen Menschen so zu helfen, ein Sicherheitsbewusstsein für die Fahrzeuge zu entwickeln.
Ich möchte klar sagen, dass ich das nicht moralisierend meine, sondern damit präventiv wirken möchte.
Gefährlicher Trend: E-Scooter werden schneller gemacht
Besonders gefährlich ist laut Polizeipräsidium Freiburg, dass E-Scooter auch technisch frisiert, also schneller gemacht würden. "Das ist momentan der Trend", sagt Polizeisprecher Michael Schorr. Erlaubt ist eine Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde. Aber mittlerweile lieferten die Hersteller Apps, wo sich gegen Gebühr auch erhöhte Geschwindigkeiten freischalten ließen, sagt Schorr.
Erst kürzlich hat die Polizei im Kreis Lörrach einen jugendlichen E-Scooter-Fahrer gestoppt. Er war mit bis zu 75 Stundenkilometern vor dem Polizeiauto hergefahren. "Er selber hatte nur wenig Unrechtsbewusstsein, weil in seinen Augen nichts passiert war," so Polizeisprecher Schorr. Dabei ist ein derart schneller E-Scooter in Deutschland gar nicht zulassungsfähig.
Polizei: E-Scooter-Fahrer gefährden vor allem sich selbst
Im Gebiet des Polizeipräsidiums Freiburg waren an zweidrittel der E-Scooter-Unfälle keine weiteren Verkehrsteilnehmer beteiligt, erklärt Schorr. Bei hoher Geschwindigkeit, ohne Helm und Schutzkleidung, brächten sie vor allem sich selbst in Gefahr, meint der Polizeisprecher. Viele der jungen E-Scooter-Fahrenden hätten zudem keinen Führerschein und würden die Verkehrsregeln nicht kennen.
Der E-Scooter-Fahrer ist selbst am gefährdetsten.
Was tun gegen die Unfall- und Verletzungsgefahr durch E-Scooter?
Für E-Scooter werden neue Regeln diskutiert. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat fordert beispielsweise, das Mindestalter von 14 auf 15 Jahre zu erhöhen. Oder einen E-Scooter-Befähigungsnachweis einzuführen. Wer keinen Führerschein hat, müsste nachweisen, dass er oder sie die Straßenverkehrsordnung und das Fahrzeug kennt.
Mehr Verkehrskontrollen könnten verhindern, dass zu zweit auf den Rollern gefahren wird, zu schnell, auf dem Gehweg oder unter Alkoholeinfluss. Außerdem empfehlen Experten, auf dem Scooter immer einen Helm zu tragen.
Diskutiert werden auch technische Verbesserungen an den E-Scootern, etwa größere Räder. Die Bundesregierung hat jüngst eine Blinkerpflicht beschlossen. Und eine Gesetzesänderung für Geschädigte, die von einem E-Scooter angefahren werden oder auf dem Gehweg über einen stolpern. Sie sollen leichter an Schadensersatz kommen. So muss bei Leihfahrzeugen der Betreiber der E-Scooter-Flotte zahlen, wenn der tatsächliche Verursacher nicht gefunden wird.