Hinter Dischingen-Dunstelkingen im Kreis Heidenheim kommt nur noch Bayern. In der östlichsten Gemeinde Baden-Württembergs wird schon seit 360 Jahren Bier gebraut. Mit Sohn Maximilian steht inzwischen die fünfte Generation der Familie Hald am Braukessel.
Für Vater und Sohn ist es eine Herausforderung, die Familienbrauerei durch eine Zeit zu führen, in der sich das Trinkverhalten der Menschen ändert: Alkoholfreie Getränke boomen, Tradition allein reicht nicht mehr aus, um die Zukunft eines Familienbetriebs zu sichern. Das Gute in Dunstelkingen: "Wir machen ja nicht bloß Bier, wir machen ja wesentlich mehr alkoholfreie Getränke als Bier", sagt Christoph Hald in der Landesschau Baden-Württemberg. Limo und Säfte zum Beispiel, Eistee oder Saftschorle.
Weniger Bier wird getrunken, kleinere Brauereien schließen
Kleinere Brauereien schließen, Traditionshäuser stehen vor der Insolvenz - nicht so in Dunstelkingen. Aber auch die Härtsfelder Familienbrauerei Hald spürt den Trend, dass insgesamt weniger Bier getrunken wird. "Ein normaler Bauarbeiter, der hat früher seine paar Halbe auf dem Bau getrunken. Sie brauchen heute auf einer Baustelle kein Bier mehr", meint Braumeister Christoph Hald. "Die Leute haben einen anderen Druck, die haben ein anderes Bewusstsein, die brauchen den Führerschein und man merkt es. Man muss halt neue Wege gehen."
Insgesamt habe sich etwas geändert: "Nicht jeder isst heute jeden Tag Blut- oder Leberwurst wie früher und der Alkohol ist heute nicht mehr so wichtig. Und: die alkoholfreien Biere sind ja mittlerweile auch trinkbar", sagt Christoph Hald.
Alkoholfreies Bier aus Dunstelkingen - ein Zufall
Dass die Härtsfelder Brauerei überhaupt alkoholfreies Bier braut, ist Zufall, erzählt Maximilian. Es gab den Auftrag eines großen Industriebetriebes, ein alkoholfreies Radler zu brauen. "Der Auftrag ist nicht zustande gekommen, aber wir hatten es natürlich schon entwickelt. Also hatten wir schon was in der Hand und haben es dann eben für uns genutzt."
Die Dunstelkinger Brauer produzieren ihr alkoholfreies Bier so: "Wir lassen den Alkohol erst gar nicht entstehen. Das bedeutet, wir stoppen die Gärung", erklärt Vater Christoph. "Übertrieben gesagt: heute brauen, morgen abfüllen - und deswegen ist das Bier dann auch ein bisschen süßer und schwerer."
Bei der Blindverkostung erkennen die Brauer das alkoholfreie Bier nicht
Gut, es ist nicht ihr eigenes Bier, aber bei der Blindverkostung im Landesschau-Studio scheitern die beiden Braumeister: Sie erkennen das alkoholfreie Bier nicht. Aber dahin, erklärt Maximilian Hald, gehe auch der Trend, "dass ein alkoholfreies Bier nicht mehr stark unterschieden werden kann von einem Bier mit Alkohol."
In der Brauerei in Dunstelkingen wird ständig Neues entwickelt
Gerade wird in Dunstelkingen ein neues alkoholfreies Bier entwickelt: ein unfiltriertes Bier, für das ein neuer Hopfen eingesetzt wird. "Das war jetzt der erste Sud, den man gemacht hat und da nehmen wir den Braumeister oder die Bierbrauer dazu, weil wir zwei sind ja auch bloß subjektiv und da braucht man mehrere Meinungen. Das ganze Team entscheidet am Schluss, was gemacht wird und wie es weitergemacht wird."
"Thema Bier muss wieder zum Erlebnis werden"
Am aktuellen Trend, dass weniger Bier getrunken wird, muss sich auch die Härtsfelder Traditionsbrauerei Hald neu orientieren. Maximilian hat gute Ideen, sagt der Vater: "Das Thema Bier muss wieder mehr zum Erlebnis werden. Das darf nicht nur ein Getränk sein, das berauschend ist. Man muss einfach das Bier und die Brauerei und die ganzen Prozesse als Erlebnis wieder in den Kopf reinbekommen."