Beim fünften bundesweiten Waldputztag wird der Müll im Wald aufgesammelt. Die zentrale Veranstaltung fand in diesem Jahr in Grosselfingen (Zollernalbkreis) statt. Dort sind das Forstamt Zollernalbkreis, Studierende der Hochschule Rottenburg, der Landeswaldverband und das Unternehmen Arbotrade unterwegs. Auch Freiwillige helfen wie jedes Jahr mit. Aus einer Initiative in Baden-Württemberg ist in fünf Jahren eine bundesweite Aktion geworden.
Müll im Wald: Ein flächendeckendes Problem
Trotz solcher Aktionen bleibt das Problem oft unsichtbar, sagt Uli Potell, Geschäftsführer des Landeswaldverbands Baden-Württemberg. Viele Aufräumaktionen bleiben lokal und erhalten kaum Beachtung. "Wenn irgendwo eine Dorfputzete stattfindet, berichtet vielleicht die Lokalzeitung – das große Ganze bleibt aber unsichtbar", so Potell. Müll im Wald ist kein Einzelfall, sondern deutschlandweit verbreitet. Beim Waldputztag wird nicht nur Abfall eingesammelt, es geht auch darum, das Engagement der Teilnehmenden sichtbar zu machen und das Thema wieder stärker auf die politische Agenda zu bringen.
Plastik, Mikroplastik und ein langsames Ökosystem
Was viele nicht wissen: Im Wald verschwindet Müll nicht einfach. Plastik zum Beispiel zersetzt sich hier kaum, weil es kühl, feucht und schattig ist und UV-Licht fehlt. Statt sich aufzulösen, zerfällt es nur in kleine Partikel, sogenanntes Mikroplastik, das im Boden bleibt, ins Wasser gespült werden kann und im schlimmsten Fall sogar ins Trinkwasser gelangt. "Jeder Mensch nimmt jede Woche fünf Gramm Mikroplastik auf, das ist ungefähr eine Kreditkarte", sagt Sebastian Hein. Er forscht an der Forsthochschule Rottenburg zu Plastik im Wald. Und ist bei der Waldputzaktion in Grosselfingen dabei. Auch Tiere leiden: Sie können sich verletzen, in Abfall verfangen oder Plastik fressen, das sie nicht verdauen können. Selbst Bio-Müll ist nicht harmlos, er kann Krankheiten verbreiten.
Eine ganz dünne Plastiktüte braucht mehrere zehn Jahre, bis sie wirklich vollständig, für uns zumindest, unsichtbar ist. Aber dann fängt sie erst mit dem Mikroplastik an, mit dem Nanoplastik. Und viele andere Dinge brauchen mehrere Jahrhunderte.
Vom Bonbonpapier bis zum Autowrack
Der Großteil des Mülls, der im Wald landet, sind Dinge, die jeder jeden Tag benutzt, so Potell. Verpackungen von Lebensmitteln, Flaschen, Dosen und besonders viele Zigarettenstummel. Letztere enthalten Giftstoffe und bauen sich nur sehr langsam ab. Manchmal stoßen Helfende aber auch auf ungewöhnliche Funde. Potell berichtet von einem alten Autowrack, das bei einer Sammelaktion entdeckt wurde. In einem anderen Fall lagen hunderte Tennisbälle in einem Waldgebiet, vermutlich über einen Fluss dorthin gespült. Solche Funde zeigen: Es geht nicht nur um achtlos weggeworfenen Müll, sondern teilweise auch um illegale Entsorgung. Trotzdem betont Potell: Die meisten Menschen verhalten sich verantwortungsvoll. Das Problem gehe von einer vergleichsweise kleinen Gruppe aus, aber eben mit großen Auswirkungen.