Es wird konkret: Vielen landwirtschaftlichen Betrieben geht das Futter aus und Tierbestände werden verkleinert - das heißt: Stalltiere werden getötet. Eine Folge der langen Dürre. Auch der Landesbauernverband Baden-Württemberg (LBV) hat in seiner Erntebilanz von starken Einbußen berichtet.
Homburger Hof: 60 Prozent Ernteverlust
Die Domäne Homburger Hof in Grosselfingen (Zollernalbkreis) hält rund 80 Salers-Rinder, eine besondere Rasse, und füttert sie ausschließlich mit selbst angebautem Futter, sagte Hofverwalter Christoph Weber dem SWR. Dieses Ziel kann er dieses Jahr nur schwer einhalten. Vor allem die Wiesen machen ihm zu schaffen.
Normalerweise kann er drei bis vier Mal im Jahr mähen und den Kühen frisches Gras füttern. Dieses Jahr hat er bisher nur einmal mähen können, im Frühjahr. Seither sind die Wiesen zu trocken. "Uns fehlen 60 Prozent der üblichen Ernte", sagt Weber. Deshalb geht der Landwirt schon an die Wintervorräte.
Das Heu und die Silage sollten eigentlich erst im November verfüttert werden und bis in den April reichen. Weber hat noch Futter vom letzten Jahr übrig, aber die Vorräte allein werden nicht reichen. Die Konsequenz: "Wir stocken den Bestand ab." Er wird in den kommenden Wochen einige Rinder schlachten lassen. Tiere, die er normalerweise noch behalten hätte, so Weber. Futter zukaufen sei für ihn gerade keine Option. "Die regionalen Erzeuger sind blank", weiß er. Futter aus anderen Teilen Deutschlands sei schon wegen der Transportkosten sehr teuer.
Auch Kühe mit Milchleistung werden verkauft
Als angestellter Landwirt haftet Weber nicht mit seinem privaten Vermögen. Finanziell wird der Homburger Hof von einem Unternehmer getragen. Anders als bei den meisten anderen Landwirten in der Region, die ihren Hof als Familienbetrieb führen. Für sie ist die aktuelle Situation auch finanziell eine Herausforderung.
Auch aus dem Kreis Sigmaringen wird von Problemen mit dem Futtermangel berichtet. Die Stimmung sei "am Boden". Milchviehbetriebe verkaufen Kühe, die eigentlich noch Milch geben. Auch junge Rinder gehen zum Schlachthof. Manche Nebenerwerbs-Landwirte denken darüber nach, ganz aufzuhören.
Schlachthof Überlingen: Fleischpreis fällt
Dass zurzeit mehr Landwirte als üblich ihre Tiere zum Schlachten bringen, merkt auch Matthias Minister, Geschäftsführer der Schlachthof-Initiative Überlingen (Bodenseekreis). "Die Anfragen haben zugenommen", bestätigt er dem SWR, "unsere Landwirte fragen schon an, ob sie ihre Tiere nicht früher als geplant zum Schlachten geben können".
Der Überlinger Schlachthof ist vergleichsweise klein. Pro Woche werden rund hundert Schweine und 30 Kühe geschlachtet. Anders als in großen Betrieben sind Wartelisten hier üblich. Trotzdem merkt Minister, dass sich der Markt verändert. Der Erzeugerpreis, also das Geld, das Landwirte für ihr Fleisch bekommen, sei in den vergangenen Wochen deutlich gefallen. Das betrifft vor allem Rindfleisch, weil Kühe durch die fehlende Grasernte besonders vom Futtermangel betroffen sind.
An Weihnachten könnte Rindfleisch teuer werden
Laut der Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlichen Raum Schwäbisch Gmünd ist der Schlachtpreis für ein Kilo Rindfleisch in Baden-Württemberg seit seinem Höchststand Ende Juli um rund 15 Prozent gesunken - auf 5,03 Euro pro Kilogramm. So einen Preissturz habe er in den vergangenen 15 Jahren nicht erlebt, sagt Schlachthofleiter Minister. Er vergleicht die Lage mit den frühen 2000ern, als sich in Deutschland die Rinderkrankheit BSE verbreitete und die Nachfrage nach Rindfleisch einbrach. Minister erwartet jedoch, dass sich die Situation bald dreht: "Die Tiere, die jetzt geschlachtet werden, fehlen später wieder", sagt er. Seine Prognose: An Weihnachten werde Rindfleisch knapp und der Preis deutlich steigen.
Folgen bis ins nächste Jahr
Landwirt Christoph Weber aus Grosselfingen hofft indessen darauf, dass er nach dem Regen der vergangenen Tage doch noch ein zweites Mal mähen kann. Anschließend will er die Schäden begrenzen: Weber geht davon aus, dass rund 20 Prozent seiner Wiesenfläche ausgetrocknet sind. Diese Flächen muss er noch in diesem Jahr nachsäen. Ob er das nötige Saatgut bekommt, ist offen. Die Folgen der langen Trockenheit werden Weber und viele seiner Kollegen mindestens bis ins nächste Jahr begleiten.