Im Neckar bei Starzach-Sulzau (Kreis Tübingen) zieht Sportfischer und Pächter Frank Schmitt seit Tagen tote Fische aus dem Wasser: Viele Aale und Forellen sind wegen der Dauerhitze gestorben. Das ist kein Einzelfall.
Aufgeheiztes Wasser wird zur tödlichen Falle für Aale
Sowas hat Frank Schmitt in 16 Jahren noch nicht gesehen - so lange ist der Fischer schon Pächter des Neckarabschnitts bei Sulzau: Immer wieder zieht er tote Aale aus dem flachen und mit Algenteppichen übersäten Neckar. Durch die Hitze wachsen mehr Algen - dadurch ist weniger Sauerstoff im Wasser. Mit fatalen Folgen für Aale.
"Die Tiere graben sich im Gewässergrund ein", erklärt Schmitt. Wegen der Hitze würden sie sich kaum bewegen und von Algen überwuchert werden. "Dann geht denen letztendlich die Luft aus." Wie 80, 90 Zentimeter lange Schläuche treiben die verendeten Tiere dann auf dem Neckar. Deshalb haben die Pächter - die Sportfischer vom Schloss Weitenburg - das Angeln laut Schmitt schon vor vier Wochen eingestellt, um den Fischen zusätzlichen Stress durch Fang und Zurücksetzen zu ersparen.
Alles, was über 20 Grad hinausgeht, ist ein großes Problem für die Fische.
Auch Forellen sterben im Neckar bei Starzach
Der Flusspegel im Neckar sinke permanent. Die Temperaturen im Wasser seien noch nie so lange so hoch gewesen - über 24 Grad. Optimal wären 16 bis 17 Grad. Und noch etwas macht den Aalen zu schaffen: Bei hohen Wassertemperaturen kann sich die für die Tiere typische Infektionskrankheit "Rotseuche" ausbreiten. Die Erreger tragen Aale häufig in sich - warme Wassertemperaturen lassen die Krankheit ausbrechen und die Tiere sterben.
Auch anderen Fischen setzen die ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen zu: Bei den jetzigen Temperaturen würden Forellen etwa oft nichts fressen, sagt Schmitt. Bei seinen täglichen Kontrollgängen am Neckar hat er inzwischen auch eine tote Forelle entdeckt. Er glaubt, dass noch mehr solcher Kadaver unsichtbar unter Algen treiben könnten. "Die Ausmaße kann man so noch gar nicht genau feststellen", sagt er.
Algen, Niedrigwasser, Stress - ein tödlicher Mix
Klar ist: Dieses Hitzejahr ist anders als andere Jahre zuvor, sagt Uwe Dußling, fischereifachlicher Sachverständiger im Regierungspräsidium Tübingen. Er spricht von "flächendeckend niedrigsten Abflüsse, verbunden mit sehr, sehr hohen Temperaturen". In vielen Gewässern sei eine Situation eingetreten, wo die Fische ums Überleben kämpfen. Für sie bedeuten Trockenheit, Hitze, wenig Sauerstoff und zusätzlich aufgewühlter Flussgrund Dauerstress.
Im Zuständigkeitsbereich des Regierungspräsidiums Tübingen habe es neben dem Fall in Starzach in diesem Jahr auch weiteres Fischsterben gegeben: So seien etwa Gewässer ausgetrocknet, und einige Fische hätten es nicht mehr rechtzeitig geschafft, die betreffenden Bereiche zu verlassen, so der Fischexperte.
Akute Hilfe wohl kaum möglich
Akut eingreifen können Behörden und Nutzer kaum, so Dußling. Er warnt vor gut gemeinten Aktionen wie dem Umsetzen von Fischen. Damit mache man in der Regel mehr kaputt als dass es hilft. In vielen Fällen bleibe "nur zu hoffen, dass sich die Situation von selber bessert", meint er.
Auch Schmitt sieht wenig Spielraum. Eine aufwändige Frischwasserzufuhr, wie man sie etwa bei umgekippten Seen einsetzt, um die Wasserqualität zu verbessern, würden bei Flüssen keinen Sinn ergeben.
Schmitt: "Der Naturschutz endet an der Oberfläche des Wassers"
Viele Folgen des Fischsterbens bleiben unsichtbar, beobachtet Schmitt. "Alles, was unter Wasser ist, sehen die Leute nicht". Ihn selbst schockieren die toten Fische an seinem Stammplatz: "Ich kann damit leben, dass ich jetzt nicht fischen kann. Aber wenn ich dann sehe, wie die Entwicklung ist, das macht schon ein bisschen nachdenklich."
Auch Uwe Dußling vom Regierungspräsidium Tübingen ist besorgt. Er spricht von einer "Extremsituation, die wir so die letzten Jahrzehnte nicht kennen und die in unmittelbarem Zusammenhang steht mit dem Klimawandel". Er hofft, dass sich ein so heißer Sommer so schnell nicht wieder wiederholt.