Die Flüsse in Baden-Württemberg haben aktuell sehr wenig Wasser, und in den kommenden Tagen ist laut dem Deutschen Wetterdienst kaum Regen in Sicht. Dadurch wird sich auch die Niedrigwasserlage an Neckar, Nagold und Donau voraussichtlich noch verschärfen. Ufer trocknen aus, Kiesbänke ragen weit aus dem Flussbett. Besonders kritisch: Mit sinkendem Pegel steigt oft die Wassertemperatur – ein zusätzlicher Stressfaktor für Pflanzen und Tiere.
Boote können nicht fahren
Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg meldet vor allem an der Donau niedrige Wasserstände. Am Pegel Hundersingen (Kreis Sigmaringen) floss Ende Juni nur noch rund ein Sechstel der sonst üblichen Wassermenge durch das Flussbett. Am 29. Juni wurde dort ein Wasserstand von 34 Zentimetern gemessen. Auch an der Nagold macht sich die Trockenheit bemerkbar: In Calw ist der Fluss so flach, dass Paddlerinnen und Paddler derzeit keine Boote zu Wasser lassen können.
Niedrigwasser in kleinen Gewässern spitzt sich zu
Kleinere Gewässer treffen die niedrigen Pegel besonders hart. Die Wasserstände der Erms in Bad Urach und der Elta in Tuttlingen liegen nur noch bei 20 bis 25 Zentimetern. Für Fische, Insekten und Wasserpflanzen können solche Bedingungen lebensbedrohlich werden. Mehrere Landkreise haben deshalb die Wasserentnahme aus Gewässern inzwischen untersagt. Das gilt unter anderem für die Landkreise Reutlingen, Sigmaringen, Zollernalb, Tuttlingen und Calw.
Gleichzeitig fehlt Wasser in Tümpeln und Gräben, die sonst wichtige Rückzugsräume bieten. Das macht sich vor allem bei Amphibien bemerkbar, die zum Laichen auf kleine, temporäre Gewässer angewiesen sind.
Das Regierungspräsidium Tübingen geht davon aus, dass Amphibien in diesem trockenen Frühsommer kaum geeignete Laichgewässer finden. Weil viele flache Pfützen und Tümpel gar nicht erst entstanden sind oder jetzt frühzeitig austrocknen, fehlt Amphibien der Nachwuchsraum. Besonders betroffen seien Kreuzkröte, Gelbbauchunke und Laubfrosch – Arten, die ohnehin immer weniger Laichgewässer finden.
Lösungen für bedrohte Amphibien
Um gegenzusteuern, setzt das Regierungspräsidium auf gezielte Projekte in der Region. Im Zollernalbkreis sollen mehr als ein Dutzend kleinere Gewässer saniert oder neu geschaffen werden. Insgesamt sind dafür über 150.000 Euro eingeplant. Ziel ist es, wieder genügend sicheren Lebensraum bereitzustellen, so die Behörde.
Auch in den Landkreisen Reutlingen und Tübingen werden spezielle Laichgewässer gebaut. Dort gibt es inzwischen zwei künstlich angelegte, flache Asphalt-Becken. Installierte Pumpen regulieren den Wasserstand so, dass die Bedingungen für Amphibien möglichst optimal bleiben.
Solche Lebensräume sind nicht nur für Amphibien wichtig. Auch Libellen, Vögel, Säugetiere und seltene Pflanzen sind auf nasse oder wechselfeuchte Standorte angewiesen.