Die verstärkt längeren Hitzephasen wirken sich auch auf die Gestaltung von Grünflächen in den Städten aus - in Reutlingen und Tuttlingen werden Blumenbeete und -kästen möglichst mit Pflanzen bestückt, die Trockenheit und Hitze gut vertragen. Statt üppig bewässerter Grünflächen prägen immer häufiger robuste mediterrane Arten das Stadtbild. Auch bei den Bäumen setzt man auf sparsames Bewässern.
In Reutlingen etwa zählt bei der Auswahl der Pflanzen längst nicht mehr nur die Schönheit der Blüten. Laut Lucas Baum vom Amt für Grünflächen in Reutlingen wählt die Stadt Pflanzen nun vor allem nach Hitzeverträglichkeit und geringem Wasserbedarf aus. Besonders bei Stauden zeigt sich der Wandel: Statt durstiger Begonien oder Petunien kommen robuste Arten wie Lavendel und Salbei in die Beete. Der Blumenschmuck wird gezielter platziert. Vorrang haben belebte Orte wie der Bürgerpark oder der Bereich rund um das Rathaus. So reduziert sich der Pflegeaufwand, gleichzeitig bleiben attraktive Grünflächen im Stadtbild sichtbar.
Gießen ist trotzdem nötig
Ganz ohne Bewässerung geht es allerdings nicht. Vor allem Pflanzen in Blumenkästen würden laut Lucas Baum ohne regelmäßiges Gießen schnell eingehen. Junge Bäume bekommen statt einmal pro Woche nun zweimal Wasser, jeweils rund 200 Liter pro Baum. Um Trinkwasser zu sparen, nutzt die Stadt zusätzlich Regenwasser. Eine Zisterne unter der Skateanlage im Bürgerpark sammelt Niederschläge - das Wasser verwenden die Stadtgärtner zum Gießen.
Schwammprinzip für Stadtbäume
Um Wasser zu sparen, setzt Reutlingen auf ein besonderes Verfahren. In der Kaiserstraße pflanzen Arbeiter Bäume nach dem "Stockholmer Modell". Sie mischen groben Schotter unter die Erde. So entsteht ein Boden mit vielen Poren: Bei Starkregen nimmt er viel Wasser auf und gibt es in Trockenphasen wieder ab - wie ein Schwamm.
Die Stadt Tuttlingen setzt beim Hitzeschutz neben Pflanzen auch stark auf Gestaltung mit Wasser. Am Drei-Kronen-Quartier kühlen Wasserlauf, Wasserbecken und Bäume die Umgebung. Das Wasser stammt aus einer Regenwasserzisterne. Laut Stadtverwaltung sinken die Temperaturen in der Innenstadt so spürbar. Auch am Bahnhof verfolge die Stadt dieses Ziel: Großzügige Flächen für Pflanzen zusammen mit einem geschwungenen Dach sollen die Umgebung beschatten und abkühlen.
In Tuttlingen werden nur Sportplätze beregnet
Bewässert werden nur Sportplätze, damit sie dauerhaft bespielbar bleiben. Parks und andere Grünflächen werden nicht künstlich gegossen. Bei neuen Anlagen setzt die Stadt verstärkt auf Präriestauden und andere klimaangepasste Pflanzen. Gegossen wird frühmorgens mit Wasser aus Zisternen und einem Tiefbrunnen.