Reutlingen und Tuttlingen stellen Blumenschmuck um

Städte reagieren auf Trockenheit: Immer mehr hitzetaugliche Pflanzen in Innenstädten

Die Trockenheit zwingt Städte zum Umdenken: In Reutlingen prägen hitzetaugliche Pflanzen wie Lavendel zunehmend das Stadtbild, Tuttlingen kühlt seine Innenstadt mit Wasseranlagen.

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Von Autor/in Sonja Legisa

Die verstärkt längeren Hitzephasen wirken sich auch auf die Gestaltung von Grünflächen in den Städten aus - in Reutlingen und Tuttlingen werden Blumenbeete und -kästen möglichst mit Pflanzen bestückt, die Trockenheit und Hitze gut vertragen. Statt üppig bewässerter Grünflächen prägen immer häufiger robuste mediterrane Arten das Stadtbild. Auch bei den Bäumen setzt man auf sparsames Bewässern.

In Reutlingen etwa zählt bei der Auswahl der Pflanzen längst nicht mehr nur die Schönheit der Blüten. Laut Lucas Baum vom Amt für Grünflächen in Reutlingen wählt die Stadt Pflanzen nun vor allem nach Hitzeverträglichkeit und geringem Wasserbedarf aus. Besonders bei Stauden zeigt sich der Wandel: Statt durstiger Begonien oder Petunien kommen robuste Arten wie Lavendel und Salbei in die Beete. Der Blumenschmuck wird gezielter platziert. Vorrang haben belebte Orte wie der Bürgerpark oder der Bereich rund um das Rathaus. So reduziert sich der Pflegeaufwand, gleichzeitig bleiben attraktive Grünflächen im Stadtbild sichtbar.

Auf dem Bild sind Staudenpflanzen in Reutlingen zu sehen, die trockenresistenz sind und den Wassermangel sowie die Trockenheit gut vertragen.
Diese hitzeverträglichen Stauden wie zum Beispiel Mohn stehen oft an Straßenrändern. Sie werden nicht gegossen. Stadt Reutlingen

Gießen ist trotzdem nötig

Ganz ohne Bewässerung geht es allerdings nicht. Vor allem Pflanzen in Blumenkästen würden laut Lucas Baum ohne regelmäßiges Gießen schnell eingehen. Junge Bäume bekommen statt einmal pro Woche nun zweimal Wasser, jeweils rund 200 Liter pro Baum. Um Trinkwasser zu sparen, nutzt die Stadt zusätzlich Regenwasser. Eine Zisterne unter der Skateanlage im Bürgerpark sammelt Niederschläge - das Wasser verwenden die Stadtgärtner zum Gießen.

Ein Stadtgärtner gießt einen mit Schotter versetzen Boden in der Kaiserstraße in Reutlingen. Dort entstehen Baumquartiere nach dem "Stockholmer Modell".
So sieht die Grube nach dem "Schwammprinzip" in Reutlingen aus. Der grobe Schotter in 10 bis 15 Zentimeter Tiefe sorgt dafür, dass der Boden länger Wasser speichern kann. Stadt Reutlingen

Schwammprinzip für Stadtbäume

Um Wasser zu sparen, setzt Reutlingen auf ein besonderes Verfahren. In der Kaiserstraße pflanzen Arbeiter Bäume nach dem "Stockholmer Modell". Sie mischen groben Schotter unter die Erde. So entsteht ein Boden mit vielen Poren: Bei Starkregen nimmt er viel Wasser auf und gibt es in Trockenphasen wieder ab - wie ein Schwamm.

Die Stadt Tuttlingen setzt beim Hitzeschutz neben Pflanzen auch stark auf Gestaltung mit Wasser. Am Drei-Kronen-Quartier kühlen Wasserlauf, Wasserbecken und Bäume die Umgebung. Das Wasser stammt aus einer Regenwasserzisterne. Laut Stadtverwaltung sinken die Temperaturen in der Innenstadt so spürbar. Auch am Bahnhof verfolge die Stadt dieses Ziel: Großzügige Flächen für Pflanzen zusammen mit einem geschwungenen Dach sollen die Umgebung beschatten und abkühlen. 

Blick auf das Drei-Kronen-Quartier in Tuttlingen mit flachem Wasserbecken, schmalem Wasserlauf, Sitzbereichen und Bäumen zwischen Wohn- und Geschäftsbauten, die zusammen für ein kühleres Stadtklima sorgen.
Wasserlauf, Becken und Bäume im Drei-Kronen-Quartier in Tuttlingen: Die Anlage wird mit Regenwasser gespeist und sorgt laut Stadt mitten in der Innenstadt für ein spürbar kühleres Mikroklima. Stadtverwaltung Tuttlingen

In Tuttlingen werden nur Sportplätze beregnet

Bewässert werden nur Sportplätze, damit sie dauerhaft bespielbar bleiben. Parks und andere Grünflächen werden nicht künstlich gegossen. Bei neuen Anlagen setzt die Stadt verstärkt auf Präriestauden und andere klimaangepasste Pflanzen. Gegossen wird frühmorgens mit Wasser aus Zisternen und einem Tiefbrunnen.

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Sonja Legisa
Sonja Legisa ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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