Tierschützer hatten Anzeige erstattet

Nach Vorfällen auf Bietigheimer Pferdemarkt: Veterinäramt leitet Verfahren gegen Tierhalter ein

Ponys, die in Panik geraten oder geschlagen werden - diese Aufnahmen hatte PETA nach dem Bietigheimer Pferdemarkt veröffentlicht. Das Landratsamt zieht in zwei Fällen Konsequenzen.

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Von Autor/in Stefanie Reinhardt

Nach Vorwürfen der Tierrechtsorganisation PETA zu Verstößen gegen den Tierschutz auf dem Pferdemarkt in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) hat das Veterinäramt nun reagiert. Es leitete Verfahren gegen zwei Tierhalter ein, teilte das Landratsamt in Ludwigsburg am Mittwoch mit. PETA hatte Aufnahmen vom Pferdemarkt Anfang September im Internet veröffentlicht: Ein angebundenes Pony gerät in Panik. Einem anderen wird offenbar mit der Hand auf die Nüstern geschlagen. Inzwischen hat das Veterinäramt die Aufnahmen geprüft. Wie es nun mitteilte, hat sich der Verdacht bestätigt. In zwei voneinander unabhängigen Fällen haben die Tierärzte Verstöße gegen den Tierschutz festgestellt.

Veterinäramt: Tierhalter hätten anders reagieren müssen

Der Leiter des Veterinäramts, Ulrich Koepsel, teilte mit, dass auf den Aufnahmen Schläge mit der Hand auf die Nüstern eines Ponys zu erkennen seien. Dieses Verhalten bewerte das Veterinäramt als tierschutzwidrig. "In beiden Fällen hätte anders reagiert werden müssen", sagte Koepsel. "Diese Verhaltensweisen werden von uns nicht toleriert." Gegen die verantwortlichen Tierhalter werden Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten eingeleitet, teilte er mit. Die Tierhalter erwarte ein Bußgeld.

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Landrat Dietmar Allgaier (CDU) stellte klar: "Tierschutzwidriges Verhalten hat auf dem Pferdemarkt keinen Platz. Wo Verstöße festgestellt werden, handeln wir konsequent." Allerdings handele es sich um Einzelfälle. Die Auswertung der Videos habe ergeben, dass "die überwiegende Zahl der dokumentierten Situationen keine bußgeldrelevanten Tatbestände darstellen". Bei einzelnen Pferden seien Hinweise auf Stress erkennbar gewesen. Die Tierhalter hätten jedoch angemessen auf die Tiere eingewirkt. "Beides gehört zu einer sachlichen und verantwortungsvollen Bewertung der Vorfälle", so der Landrat.

Landrat: Pferdemarkt steht nicht infrage

Das Verhalten einzelner lasse keine Rückschlüsse auf die gesamte Veranstaltung zu. Der tierschutzgerechte Umgang mit den Tieren liege in der Verantwortung jedes einzelnen Tierhalters. Das Veterinäramt sehe keine Auswirkungen auf den Pferdemarkt im nächsten Jahr.

PETA begrüßt Schritte, fordert aber weitere Konsequenzen

Die Tierrechtsorganisation PETA teilte dem SWR mit, sie begrüße, dass die Schläge gegen die Ponys nicht verharmlost werden und Konsequenzen durch die Veterinärbehörde nach sich ziehen. Aus Sicht von PETA sind die festgestellten Verstöße jedoch "nur die Spitze des Eisbergs". Eine Sprecherin der Organisation teilte mit: "Unserer Erfahrung nach bedeuten solche Pferdemärkte für die Tiere stundenlangen Stress durch Lärm, Menschenmassen und die ungewohnte Umgebung." Deshalb halte PETA an ihrer Forderung fest, dass der Bietigheimer Pferdemarkt nicht weiter mit Tieren stattfinden solle.

Das sieht man beim Pferdezuchtverband Baden-Württemberg anders. Auch dort hat man die Videoaufnahmen von PETA gesehen. Der Geschäftsführer des Verbandes, Norbert Freistedt, teilte auf SWR-Anfrage mit: "Generell glaube ich, dass es überwiegend schöne Bilder auf dem Pferdemarkt gegeben hat und deswegen eine Diskussion um die Abschaffung nicht geführt werden sollte. Wenn einzelne Pferdebesitzer durch Fehlverhalten auffallen, sollte man gezielt an der Stelle ansetzen."

Pferdezuchtverband hält Zuspitzung für kontraproduktiv

Laut Freistedt gehört es zur Kommunikation zwischen Mensch und Pferd dazu, physisch auf den Körper des Tieres einzuwirken. Dazu gehöre auch der Kopf. "Gezielt mit der Hand auf die Nüstern zu schlagen, ist aber sicher nicht die geeignete Methode und gehört nicht in das Repertoire der vernünftigen Pferd-Mensch-Kommunikation", sagte er. Deshalb müsse aus seiner Sicht auch auf die Vorfälle eingegangen werden. "Für die beteiligten Pferde und Personen sollte für die Zukunft geprüft werden, ob die Teilnahme an solchen Veranstaltungen möglich ist." Eine Generalisierung und Zuspitzung halte er für kontraproduktiv.

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