Seit 2022 ist Uwe Skrzypek-Muth (parteilos) Oberbürgermeister von Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg). Davor hat der 55-Jährige jahrzehntelang bei Autokonzernen wie Daimler, BMW und Audi gearbeitet. Als OB ist er für acht Jahre gewählt. Zur Halbzeit seiner ersten Amtszeit sagt er: "Wir haben die große Motivation, zwei Dinge zeitgleich hinzubekommen: einerseits die Zukunft dieser Stadt zu gestalten und parallel dazu den Haushalt zu konsolidieren."
OB störte sich an "diffus geteilter Verantwortung"
Zukunft zu gestalten, heißt in der Regel Geld zu investieren. Doch woher das Geld nehmen in Zeiten, in denen immer mehr Städte eine Haushaltssperre haben und OB Skrzypek-Muth über die eigene Stadt sagt: "Wir haben ein durchschnittliches Gewerbesteueraufkommen von in guten Jahren 13 Millionen Euro. Davon müssen wir 24 Kindergärten unterhalten und 16 Schulen, eine Jugendmusikschule, ein Hallenbad und Freibad... - das geht eigentlich nicht."
Uwe Skrzypek-Muth fängt bei der Verwaltung an. Sein Ziel: klare Verantwortlichkeiten - so kennt er es aus der privaten Wirtschaft. Anders in der öffentlichen Verwaltung: "Wann immer wir in einer Dienstbesprechung waren und ich gefragt habe, wer hier verantwortlich ist und fünf Amtsleiter gleichzeitig den Arm gehoben haben, dann war klar, eigentlich ist hier niemand verantwortlich."
Seine Konsequenz: Die Stadt hat eigene Stadtwerke gegründet - mit einem Betriebsleiter, also einer Person als Ansprechpartner und "nicht eine irgendwie diffus geteilte Verantwortung". Gleiches gilt für den neu gegründeten Eigenbetrieb Gartenschau. Auch die Stadtbau GmbH hat einen Geschäftsführer.
Teil des OB-Jobs: Bittere Wahrheiten akzeptieren
Eine der Haupteinnahmequellen für Städte und Gemeinden sind Gewerbesteuern. Das weiß man auch in Vaihingen an der Enz. Doch OB Skrzypek-Muth sagt: "Viele, viele Jahre haben wir davon geträumt, dass der Trumpf, dass der Bosch, dass der Porsche irgendwie den Weg nach Vaihingen findet. Diesen Traum können wir endgültig begraben. Es wird nicht passieren."
Der Stuttgarter kennt Vaihingen nur durchs Verkehrsschild.
Umso wichtiger sei der Tourismus. Doch die historische Innenstadt mit ihren Fachwerkhäusern und dem über allem thronenden Schloss Kaltenstein seien, so OB Skrzypek-Muth, keine Selbstläufer: "Der Stuttgarter kennt Vaihingen nur durchs Verkehrsschild. Dass wir dieses mittelalterliche Schloss da oben haben, ist immer wieder der Hinweis für Leute, die auf der B10 vorbeifahren, da müsste ich mal halten. Aber es tut niemand. Aber wir bräuchten diese Frequenz in unserer schönen kleinen Innenstadt, damit die Läden auch eine Zukunft haben. Das muss uns gelingen."
Gartenschau 2029: Aus Klärbecken soll Theater werden
Im Jahr 2029 findet in Vaihingen die Gartenschau statt. Aus Industriebrachen und "lost places" sollen Kultur-, Gastro- und Freizeitorte entstehen. Baustart war im August 2026. Ein Bagger reißt derzeit ein heruntergekommenes Gebäude ab. OB Skrzypek-Muth sagt: "Wir räumen auf." Etwas weiter liegt die ehemalige Kläranlage. Aus den stillgelegten Klärbecken sollte etwas Besonderes werden. Jetzt steht fest: In eines wird eine Kulturbühne in der Art eines Amphitheaters gebaut, in das andere eine Boulderanlage, für Menschen, die gern in ihrer Freizeit klettern.
Das Motto der am Fluss Enz gelegenen Gartenschau: Vaihingen ENZückt. OB Skrzypek-Muth formuliert es so: "Wir wollen, dass Vaihingen in den Köpfen der Menschen positiv verknüpft ist. Also ein Sehnsuchtsort wird." Man müsse mehr in Richtung Wochenendtourismus und Dienstleistung gehen - da habe Vaihingen ein großes Potenzial.
OB Skrzypek-Muth will "ermöglichen statt verhindern"
Ist Uwe Skrzypek-Muth in der Vaihinger Innenstadt unterwegs, kommt er selten direkt zum Ziel. Immer wieder wird er angesprochen, Hände werden geschüttelt, gewunken, kurz geredet. Viele sind per Du mit dem Oberbürgermeister. Er will die Stadt voranbringen, ihm gehe es um "Ermöglichung", die Menschen mitnehmen, begeistern.
Die Summe der Verhinderungsgründe interessiert mich nur bedingt. Mich interessiert, wie wir ins Handeln kommen.
Ein Beispiel: das Solarkataster. Die Altstadt steht unter Denkmalschutz. Genehmigungen für Dach-Solaranlagen waren - wenn überhaupt - nur unter größerem bürokratischen Aufwand möglich. OB Skrzypek-Muth und sein Rathaus-Team suchten das Gespräch mit dem Landesamt für Denkmalpflege. Das Ergebnis: eine Internetseite, auf der Bürger sehen, welche Dächer aus Denkmalschutzgründen für PV-Anlagen tabu sind und wo andererseits Fotovoltaik ohne weitere Abstimmung mit dem Landesamt möglich ist.
Kritik und Anerkennung vom Gemeinderat
Als Oberbürgermeister ist Uwe Skrzypek-Muth Chef der Verwaltung. Die politischen Entscheidungen fällt aber der Gemeinderat. Zum Beispiel, als es darum ging, wie es mit dem ehemaligen Krankenhausareal weitergeht, das der Landkreis verkaufen wollte. Für den OB war klar, die Stadt benötigt weiter das Ärztehaus mit den Haus- und Facharztpraxen und die entsprechende ärztliche Grundversorgung. Er setzte sich dafür ein, dass die Stadt das Gelände kauft. Vollzug war im Sommer 2026. Kosten: 5,65 Millionen Euro. "Das war relativ schwierig", erinnert sich Eberhard Zucker, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, der größten Fraktion im Gemeinderat.
Die Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Skrzypek-Muth sei anfänglich "sehr herausfordernd" gewesen, "da Herr Skrzypek nicht aus der Verwaltung kommt". In der Zwischenzeit habe man sich aber auf ein "Agreement" geeinigt, dass man "sachlich miteinander arbeitet", so der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Eberhard Zucker, weiter.
Kämmerer: OB Uwe Skrzypek-Muth ist der sachliche Typ
Kämmerer Alexander Kern beschreibt seinen Chef als "sachlichen Typ": Dieser analysiere die Dinge, sei politisch nicht vernetzt wie andere in seinem Amt. "Das kommt mir auch zu Gute in unserer gemeinsamen Zusammenarbeit, dass er wirklich Sachpolitiker ist, nicht jetzt an Parteilinien gebunden ist und wir dann eben gemeinsam das Beste für die Stadt erreichen wollen. Nichts gegen Parteien, das hat alles seine Berechtigung, aber für mich, der jetzt wirklich mit Zahlen, Daten, Fakten operiert, da haben wir einfach eine gemeinsame Ebene."
Und was sagen die Bürgerinnen und Bürger zum Politikstil des früheren Automanagers? Immer wieder fällt das Wort Aufbruchstimmung. Es tue sich etwas. Es gebe wieder mehr Leben in der Stadt.