Als Stefan Heckert aufwacht, ist es kurz vor zwei Uhr nachts. Durchs gekippte Fenster sieht er eine schwarze Rauchsäule, die aus der Tiefgarage quillt. Sein erster Gedanke: "Ich muss die Feuerwehr anrufen." Kurze Zeit später steht er vor dem Haus in der Innenstadt von Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg), hilft andere Anwohner zu wecken und in Sicherheit zu bringen.
"Hauptsache die Familie ist in Sicherheit"
47 Menschen müssen in der Nacht ihre Wohnungen verlassen. Unter ihnen ist auch Maria Milonidou. Sie greift nach den Jacken und den Reisepässen. Schlüssel, Handy, Schmuck - all das sei in dem Moment nicht wichtig gewesen, sagt sie. Hauptsache: sie, ihr Mann und die Kinder sind in Sicherheit. Außerdem ihre Eltern und die Geschwister, die auch in dem Haus wohnen.
Es ist bitterkalt auf der Straße in dieser Brandnacht. Doch das Rote Kreuz verteilt Decken, Kaffee und andere Getränke. In einem Bus können sich die Anwohnerinnen und Anwohner aufwärmen. Die nahe Stadtbücherei wird aufgeschlossen, dort gibt es Toiletten. Später geht es per Bus in die Stadthalle, auch Seelsorger kommen. Maria Milonidou sagt: "Die haben sich um alles gekümmert. Das war so wichtig für mich. Ich hatte Angst, ich wusste nicht, wie es weitergeht. Selbst eine Windel habe ich bekommen. Danke an alle Helfer, die Stadt, an Deutschland."
"Alles schwarz und Ruß in der Luft: Das wirkt infernalisch."
Am Tag nach dem Brand steht Stefan Heckert vor dem Eingang der Tiefgarage. Dort unten sehe es "verheerend" aus. "Eine ehemals weiß gestrichene Tiefgarage komplett schwarz, das wirkt sehr infernalisch." Er hatte die Kriminalpolizei durch die Tiefgarage geführt, sich dabei selbst einen Eindruck machen können. "Dort sind noch Rußpartikel in der Luft. Da muss man mit Atemschutz und Schutzkleidung rein." Den Geruch beschreibt er als "beißend, eklig - wie wenn Kunststoff und Gummi verbrennen".
In der Tiefgarage steht das Auto von Stefan Heckert, außerdem das seiner Frau und die Autos der Kinder. Ob und wie sehr sie vom Brand beschädigt wurden, kann Stefan Heckert nicht sagen. "Absoluter Horror, ganz schlimm." Er fühle sich "auf einmal abgeschnitten". Auch die Autos von Maria Milonidou und ihrer Familie stehen in der Tiefgarage. Diese kann noch nicht betreten werden. Die Kriminalpolizei ermittelt. Gutachter müssen erst den Schaden aufnehmen.
Duschen im Schwimmbad oder bei Nachbarn
Maria Milonidou steht noch vor einer weiteren Herausforderung. Der Brand hat die Wasserleitungen zerstört. Die Reparatur kann drei Wochen dauern. Deswegen haben sie und die anderen Betroffenen Freikarten fürs Schwimmbad bekommen. Dort können sie duschen. Zudem wurde ein Toiletten-Container vor dem Haus aufgebaut. Die Hilfsbereitschaft sei groß, sagt die junge Mutter. Nachbarn, die sie vorher kaum kannte, bieten an, dass sie bei ihnen nun duschen oder das Geschirr abwaschen könne.