Seit Freitagmittag ist die fast einen Kilometer lange Adenauerbrücke in Esslingen nicht mehr befahrbar. Wie die Stadt am Donnerstag mitteilte, ist die Brücke aus Sicherheitsgründen für den Pkw- und Lkw-Verkehr bis zum Neubau gesperrt. Bei Kontrollen wurden Risse im Beton und Korrosionsschäden festgestellt. Für die kommenden Jahre müssen Fahrerinnen und Fahrer für die Strecke Umleitungen nehmen. Nur Radfahrer und Fußgänger können die komplette Brücke weiterhin wie gehabt passieren.
OB Klopfer: Sperrung der Brücke alternativlos
Die Adenauerbrücke ist eine der zentralen Verkehrsadern in Esslingen. Rund 30.000 Fahrzeuge überqueren hier täglich den Neckar. Man wisse, dass die Sperrung der Brücke ein massiver Einschnitt sei, aus Sicherheitsgründen sei die Maßnahme aber alternativlos, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD). Zum jetzigen Zeitpunkt bestehe nach Einschätzung der Experten aber keine akute Einsturzgefahr.
Der Neubau der Brücke, der eigentlich erst ab 2030 angedacht war, müsse nun vielleicht vorgezogen werden. Der Bau alleine kann jedoch bis zu zehn Jahre dauern, sagte Klopfer dem SWR. So lange müsse man auf die anderen Brücken im Stadtgebiet zurückgreifen. Die Kosten für den Neubau liegen laut Klopfer bei mehr als 100 Millionen Euro. Ein genauer Plan soll dem Gemeinderat im Oktober vorgestellt werden. Klopfer betont: "Ich bin sehr froh, dass wir in den vergangenen Jahren konsequent in unsere anderen Brücken investiert haben und wir auf andere zuverlässige Neckarquerungen in unserem Stadtgebiet zurückgreifen können."
Risse im Beton im Frühjahr erkannt
In den vergangenen Jahren wurde der Zustand der über 50 Jahre alten Brücke regelmäßig und gründlich untersucht, so die Stadt. Dabei habe ein Gutachterbüro Anfang des Jahres weitere Risse im Beton festgestellt. Als erste Sofortmaßnahme zur Entlastung wurde demnach vorsorglich ein Teilstück einer der beiden nach Norden führenden Fahrspuren gesperrt.
Notwendig sei die umfassende Sperrung jetzt, weil bei neuesten Untersuchungen erhebliche Korrosionsschäden festgestellt wurden. Diese können die Tragfähigkeit der Brücke beeinträchtigen - gerade wenn schwere Lkw die Brücke befahren.
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Problematisch seien vor allem die Korrosionsschäden in den sogannten Spanngliedern, die die Brücke tragen und für Stabilität sorgen, so die Stadt. Der beim Bau der Brücke in den 1970er-Jahren verwendete Stahl sei anfällig für Spannungsrisskorrosion. Das habe man inzwischen bei vielen Brückenbauwerken aus der damaligen Zeit feststellt, so die Stadt. Auch bei der seit Mittwoch gesperrten Kurt-Schumacher-Brücke, die zwischen Ludwigshafen und Mannheim verläuft. Spannungsrisskorrosion war demnach auch die maßgebliche Ursache für den Einsturz der Carolabrücke in Dresden im Jahr 2024.
So soll der Verkehr ab Freitag fließen
Die Sperrung der Adenauerbrücke hat weitreichende Folgen für den Verkehr. Stadtauswärts können Lkw- und Pkw-Fahrer die Brücke von der Kurt-Schumacher-Straße in Richtung B10/Berkheim/Sirnau weiterhin befahren. Dieser Teil der Brücke ist laut Stadt etwas älter und von den Mängeln nicht betroffen. Aus dieser Fahrtrichtung soll auch die Neckarinsel erreichbar bleiben.
Wer aus südlicher Richtung, also aus Richtung Berkheim, nach Esslingen möchte, kann bis zur Auffahrt auf die B10 in Richtung Stuttgart fahren. Von der Neckarinsel aus kann man dann sowohl in Richtung B10/Berkheim/Sirnau als auch in Richtung Kurt-Schumacher-Straße ausfahren. Um die Kurt- Schumacher-Straße und die dortige Hauptfeuerwache nicht zu überlasten, wird die Adenauerbrücke stadteinwärts zwischen der B10 und der Zufahrt zur Neckarinsel für den allgemeinen Verkehr allerdings voll gesperrt.
Diesen Brückenabschnitt dürfen dann nur Einsatzfahrzeugen und der Busverkehr befahren. Für den öffentlichen Nahverkehr wurden derzeit keine Linienänderungen beschlossen, so die Stadt. Zum Ende der Sommerferien hin müsse man die Verkehrslenkung dann sicherlich noch mal neu betrachten und ausrichten, so Oberbürgermeister Klopfer.