Seit Mittwochmittag sind in Mannheim alle vier Zufahrten zur Kurt-Schumacher-Brücke in Richtung Ludwigshafen gesperrt. Die Stadt hatte am Morgen begonnen, die die Zufahrten schrittweise zu sperren. Die erste Zufahrt beim Stadtteil Jungbusch wurde bereits vor 8 Uhr geschlossen. Die Sperrung der Brücke soll laut der Stadt Ludwigshafen vier Jahre dauern.
- Was sagen Pendler?
- Weshalb wird die Brücke gesperrt?
- Wo führen die Ausweichrouten entlang?
- Erwartet Mannheim und Ludwigshafen ein Verkehrschaos?
- Wo kann es zu Staus kommen?
- Was ändert sich im ÖPNV?
Pendlerin: "Werde wohl künftig Straßenbahn fahren"
Eine Frau, die ihr Auto am Mittwochfrüh direkt vor die Absperrung im Jungbusch gesteuert hatte, sagte dem SWR etwas genervt, sie arbeite in Ludwigshafen und werde wohl künftig mit der Straßenbahn zu ihrem Arbeitsplatz fahren müssen. "Ich werde dadurch sehr viel Zeit verlieren, das wird ein sehr ineffzienter Arbeitsweg werden." Eine weitere Brückenzufahrt war am Morgen noch offen. Dort floss der Verkehr, es gab keine Staus.
Freie Fahrt auch auf dem Radweg der Brückenauffahrt: Dort waren am Morgen dutzendweise Radfahrerinnen und Radfahrer zu sehen, wie sie dort nach oben auf die Kurt-Schumacher-Brücke fuhren. Für Radfahrer und Fußgänger wird die Brücke frei bleiben.
Schäden am nördlichen Brückenkopf
Grund für die Sperrung sind laut der Stadt Ludwigshafen Schäden am nördlichen Brückenkopf. Es geht demnach um mehrere Fälle von "Spannungsriss-Korrosion". Deswegen wird die 1972 fertiggestellte Kurt-Schumacher-Brücke in beide Richtungen dicht gemacht. Zugleich soll dort nach dem Abriss der Hochstraße Nord, die an die Kurt-Schumacher-Brücke anschließt, eine ebenerdige neue Stadtstraße gebaut werden. Auf Ludwigshafener Seite sind die Zufahrten Richtung Mannheim bereits seit dem 1. August gesperrt.
Ab Mittwoch wird der Verkehr für die nächsten Jahre umgeleitet Vollsperrung der Kurt-Schumacher-Brücke: Was bedeutet das für Mannheim?
Die Kurt-Schumacher-Brücke zwischen Ludwigshafen und Mannheim wird ab dem 5. August voll gesperrt. Die Entscheidung kam plötzlich. Was bedeutet das für den Verkehr und die Innenstadt?
Alternativen: A6 oder Konrad-Adenauer-Brücke
Die naheliegende Alternative für Pendler, die mit dem Auto zwischen Mannheim und Ludwigshafen unterwegs sind, wird wegen der Kurt-Schumacher-Brückensperrung in erster Linie die Konrad-Adenauer-Brücke etwas weiter südlich sein. Den Autofahrern, vor allem aber auch dem Schwerlastverkehr wird empfohlen, ansonsten auf die A6 auszuweichen. Dort (bei Frankenthal) führt die Theodor-Heuss-Brücke über den Rhein.
Polizei rechnet wegen Brückensperrung "nicht mit größerem Chaos"
Die Polizei teilte dem SWR mit, "mit einem größeren Chaos" rechne man in Mannheim erst mal nicht. Daniel Ihrig vom Baustellenmanagement der Stadt Mannheim sagte dem SWR, erfahrungsgemäß werde es "in den ersten Tagen erst mal holprig".
Man werde die Verkehrsströme laufend im Blick haben und bei Problemen mit der Stadt beraten, wo nachgesteuert werden müsse. Beispielsweise mit zusätzlichen Umleitungsschildern.
Aktuell spielt uns auch in die Karten, dass in Baden-Württemberg noch Sommerferien sind, in Rheinland-Pfalz enden sie erst am Wochenende.
Brückensperrung: Wo kann es in Mannheim Stau geben?
Ihrig geht davon aus, dass es am Mittwochnachmittag in Mannheim am ehesten zu Staus auf dem Parkring und auf der Bismarckstraße kommen wird. Die beiden Straßen führen zur Konrad-Adenauer-Brücke. Das meiste regle sich nach ein paar Tagen von selbst, wenn sich die Verkehrsteilnehmer auf die Situation eingestellt haben.
Diese Erfahrung hat die Polizei speziell in Ludwigshafen gemacht, wo in den vergangenen sieben Jahren die Hochstraße Süd bei der Konrad-Adenauer-Brücke saniert wurde und nicht befahrbar war. In dieser Zeit bewegte sich der Verkehr vorwiegend über die Kurt-Schumacher-Brücke weiter nördlich. Jetzt tritt der umgekehrte Fall ein: Die Konrad-Adenauer-Brücke muss als Ausweichroute für die gesperrte Kurt-Schumacher-Brücke herhalten.
Navigation im Auto kann Verkehr entzerren
Viele Autofahrer nutzen zudem Navigations-Apps wie "Google maps", die bei Sperrungen oder Staus von sich aus sekundenschnell Ausweichrouten anbieten. Das, so die Polizei, entzerre den Verkehr normalerweise etwas. Möglich sei auch, dass wegen der befürchteten Staus viele Menschen wieder im Home Office arbeiten oder aufs Rad beziehungsweise Busse und Bahnen umsteigen.
Brücke gesperrt: Was ändert sich im öffentlichen Nahverkehr?
Laut einem Sprecher der Rhein-Neckar Verkehr GmbH (rnv) fahren bereits seit dem 1. Juni keine Straßenbahnen mehr auf der Kurt-Schumacher-Brücke. Die sind zwischen Mannheim und Ludwigshafen seitdem alle auf der Konrad-Adenauer-Brücke unterwegs. Größere Veränderungen im rnv-Linienverkehr werde es durch die Brückensperrung nicht geben, so der Sprecher. Ausnahme: Die Buslinien 75, 76 und 95 (Nachtbus) werden auf Ludwigshafener Seite umgeleitet.
Für Pendler werden ab dem 10. August zwei zusätzliche Linien in Betrieb sein, die es zeitweise auch schon früher gegeben hat: die Straßenbahn-Expresslinie "9X" von Bad Dürkheim bis zum Mannheimer Luisenpark und die Straßenbahnlinie 15, die zwischen dem Mannheimer Hauptbahnhof und dem Ludwigshafener Ebert-Park verkehrt.
Wie viele Fahrzeuge befahren die Rheinbrücken in normalen Zeiten?
Über beide Rheinbrücken fahren Daniel Ihrig zufolge in normalen Zeiten pro Tag etwa 120.000 Fahrzeuge. Allein auf der Kurt-Schumacher-Brücke seien es etwa 55.000 Fahrzeuge, darunter rund 5.500 Lkw.