Bei der Diskussion um die Nutzung des ehemaligen US-Areals Patrick-Henry-Village (PHV) in Heidelberg gibt es jetzt eine Lösung. In einer gemeinsamen Absichtserklärung haben Stadt, Bundesverteidigungsministerium und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben am Montag eine Einigung präsentiert.
Teilflächen für Bundeswehr auf PHV reserviert
Zentraler Punkt der Absichtserklärung: Das Patrick-Henry-Village soll nur zum Teil für militärische Zwecke genutzt werden. Konkret gehe es um zwei Flächen mit einer Größe von insgesamt etwa acht Hektar. Auf dem Gelände soll keine Kaserne entstehen - für diese "klassische militärische Liegenschaft" bräuchte es eine Fläche von rund 20 Hektar, sagte Ministerialdirigent Jörg Hingott, Stellvertreter des Hauptabteilungsleiters Aufwuchs im Bundesministerium der Verteidigung, gegenüber dem SWR.
OB Würzner: "Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen"
Vor der Einigung herrschte auf Seiten der Stadt große Unsicherheit über die Zukunft des Geländes. Ein Moratorium des Verteidigungsministeriums hatte den Verkauf des Areals lange verhindert. Für Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) sei es zunächst ein Schock gewesen, als im Raum stand, dass "der Bund aufgrund der neuen Verteidigungssituation auf seine Flächen zurückgreift, die er noch nicht entwickelt hat".
Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen. Wir arbeiten jetzt seit sieben Jahren an einer Entwicklung eines neuen Stadtquartiers.
"Es werden keine großen Panzer oder Fahrzeuge abgestellt. Das wäre für uns, für dieses Gebiet ganz schwierig geworden", so Würzner. Dann wäre eine Gebietsentwicklung eigentlich nicht mehr möglich gewesen.
Für die Bundeswehr sei auf den beiden Teilflächen eine Nutzung in den Bereichen Cybersicherheit und Verwaltung denkbar - wie zum Beispiel ein ärztliches Untersuchungszentrum oder eine Ausbildungseinrichtung. Die beiden Bereiche werden laut Stadt für fünf beziehungsweise zehn Jahre für die Bundeswehr reserviert. Danach könnten die Flächen oder Teile davon von der Stadt erworben werden.
Seit 2015 befindet sich das Ankunftszentrum für Geflüchtete auf PHV. Das soll auch künftig so bleiben. Der Betreiber der Einrichtung, das Land Baden-Württemberg will bis 2031 einen Neubau im nördlichen Teil errichten. In dem Ankunftszentrum könnten dann täglich bis zu 400 Neuankömmlinge registriert werden, Plätze gebe es für bis zu 2.000 Menschen.
Auf PHV sollen Wohnungen für etwa 10.000 Menschen entstehen
Der restliche Teil des Areals kann jetzt wie geplant durch die Stadt Heidelberg angekauft werden. Derzeit gehört es dem Bund, künftig soll hier ein neuer Stadtteil für gut 10.000 Menschen entstehen. Zudem sollen etwa 5.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Nach Angaben der Stadt werden die Ankaufsverhandlungen des Bundes im Herbst konkretisiert. Die Flächen sollen in einem Stufenplan gekauft werden.