Ein 28 Jahre alter Bauarbeiter ist am Freitag in einem Prozess wegen Brandstiftung am Mannheimer Amtsgericht zu eineinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Der aus Albanien stammende Mann hatte zuvor im Prozess ein umfassendes Geständnis abgelegt, eine Dolmetscherin half beim Übersetzen. Er sagte, er habe aus Wut und Verzweiflung eines Nachts im März dieses Jahres einen Bagger seines Arbeitgebers in Mannheim-Schönau in Brand gesteckt, weil sein Chef ihn nicht ausreichend für seine Arbeit bezahlt habe.
Bauarbeiter vor Gericht: Mutmaßlich um vollen Lohn geprellt
Der Mann mit kurzen dunklen Haaren und Dreitagebart war in Handschellen in den Gerichtssaal geführt worden. Er sitzt seit seiner Festnahme einen Tag nach der Tat in Untersuchungshaft. Der Mann erklärte, er habe bis zu zwölf Stunden täglich auf mehreren Baustellen in Mannheim gearbeitet, sei aber jeweils nur für neun Stunden bezahlt worden. Außerdem habe ihm sein Chef angeblich versprochene ordnungsgemäße Arbeitsdokumente monatelang vorenthalten. Er habe als Bauarbeiter also schwarz hier gearbeitet.
Prozess um Brandstiftung: "Wollte mich nicht mehr so behandeln lassen"
Bezogen auf den Chef der Baufirma erklärte der Mann vor Gericht: "Er hat mich immer nur angelogen, ich wurde nur benutzt - und dann kam ich an diesen Punkt. Ich wollte mich nicht mehr so behandeln lassen." Er habe sich Benzin besorgt, sei damit nachts um 3 Uhr zu der ihm bekannten Baustelle in Mannheim-Schönau gelaufen und habe dort einen Bagger seines Arbeitgebers angezündet. Ein Dixi-Klohäuschen daneben ging ebenfalls in Flammen auf. Er gab zu, dass er in jener Nacht vorhatte, weitere Fahrzeuge seines Chefs in Brand zu stecken.
Als der Vorsitzende Richter ihm vor dem Urteilsspruch "das letzte Wort" erteilte, sagte der Mann, er habe "eine große Dummheit begangen" und es tue ihm sehr leid.
Umfassendes Geständnis strafmildernd
Der Vorsitzende Richter sagte in der Urteilsbegründung, für den Angeklagten spreche sein umfassendes Geständnis, dass er nicht vorbestraft und bei der Polizei nach seiner Festnahme kooperativ gewesen sei. Gegen ihn spreche aber, dass er schlicht Selbstjusitz verübt habe, "was nicht zu dulden ist", so der Richter. Zudem sei bei dem Brand ein erheblicher Schaden von rund 50.000 Euro entstanden. Die Anklage hatte zuvor eine Schadenssumme von 80.000 Euro genannt, die aber im Prozessverlauf nach unten korrigiert wurde.
Richter: Haftbefehl bleibt in Vollzug
Der Staatsanwalt hatte eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung gefordert. Die Verteidigung hatte auf eineinhalb Jahre auf Bewährung plädiert. Der Richter verkündete am Ende eine eineinhalbjährige Haft ohne Bewährung. Begründung: Der Mann habe sich illegal in Deutschland aufgehalten und habe illegal hier gearbeitet. Bei einer Bewährungsstrafe sei zu befürchten, dass er hier erneut einen illegalen Job suchen werde. Seine "Sozialprognose" sei nicht gut. Der Haftbefehl bleibe damit "in Vollzug".
Albanien ist nicht Teil der EU, Staatsangehörige aus Albanien dürfen zwar in Deutschland arbeiten. Dafür benötigen sie jedoch in der Regel ein Visum und eine Arbeitserlaubnis. Einreisen ohne Visum und sofortiges Arbeiten sind nicht erlaubt.
Die Staatsanwaltschaft sagte dem SWR, sie werde das Urteil prüfen. Der Anwalt des verurteilten Mannes will eigenen Angaben zufolge das noch nicht rechtskräftige Urteil akzeptieren.