Das starke Abschneiden der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen und am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern hat für viele Menschen den Ausschlag gegeben, am Montagabend in der Mannheimer Innenstadt gegen Rechtsextremismus und für Demokratie zu demonstrieren. Nach Veranstalterangaben haben etwa 5.000 Menschen an der Kundgebung auf dem Marktplatz teilgenommen, die Polizei sprach von rund 4.500 Menschen. Zu der Kundgebung mit dem Titel "Aufstehen.Zusammenhalten.Demokratie!" hatte eine gleichnamige Initiative aufgerufen.
Aufruf: "Nicht auf Couch sitzen, sondern sich engagieren"
Auf Pappschildern und Transparenten der Teilnehmer stand zu lesen: "Bunte Argumente statt braune Parolen", "Kein Platz für Hass!" und: "Nazis – nein danke!". Gerhard Fontagnier, Mitorganisator der Kundgebung und Mannheimer Grünen-Stadtrat, sagte auf der Rednerbühne, vor dem Hintergrund der AfD-Wahlerfolge sei es jetzt wichtig, "Position zu beziehen, nicht auf der Couch zu sitzen, sondern sich für die Gesellschaft zu engagieren und zusammenzuhalten". Dieser Forderung schlossen sich weitere Rednerinnen und Redner an - darunter die vom "Offenen antifaschistischen Treffen Mannheim" und vom Queeren Zentrum.
Menschen mit Migrationshintergrund: "Lasst uns sichtbarer werden!"
Zahra Alibabanezhad Salem vom Mannheimer Antidiskriminierungsbüro sagte aus der Perspektive von Menschen mit Migrationshintergrund: "Wir leben in Mannheim, wir sind Teil dieser Gesellschaft und nicht nur irgendein Stadtbild, oder nur Arbeitskräfte und Steuerzahler". Beifall bekommt sie unter anderem für ihre Aufforderung: "Lasst uns sichtbarer werden!"
Teilnehmer der Kundgebung in Mannheim wollen "Paroli bieten"
Kundgebungsteilnehmer Carsten Bachert trägt Sonnenbrille, eine kurze Hose und ein schlichtes graues T-Shirt. Warum er hier ist? Er möchte, sagte er dem SWR, "Farbe bekennen zur Demokratie." Sein Vater habe am eigenen Leib erlebt, wie es war, als sich keiner wehrte. Der Vater sei von den Nazis nach Russland geschickt worden. Es sei, so Bachert, "an der Zeit, Paroli zu bieten". Und: "Ich möchte nicht, dass Leute denken, die AfD schafft den Dreck und die Probleme weg, und dann kann man zur Normalität zurückkehren".
Die Teilnehmer Franziska (25) und Ali (18) haben bunte Schilder dabei - auf einem steht unter anderem zu lesen "Wer blau wählt, wählt dumm". Franziska sagte dem SWR, sie sei gekommen, damit ihr Kind später mal keine Angst haben müsse, auf die Straße zu gehen. Vielfalt sei "nichts Schlechtes". "Die Welt soll bunt bleiben“, ergänzt Ali. Eine weitere Teilnehmerin der Kundgebung erklärte, es sei ihr wichtig, zu zeigen, dass sie als "Teil einer stillen Mehrheit gegen die AfD nicht schweigt".
Kundgebung in Mannheim: "Demokratisches Zusammenleben in Gefahr"
Die Initiative "Aufstehen.Zusammenhalten.Demokratie!" hatte zuvor unter anderem in den sozialen Netzwerken beklagt, dass sich "ein Großteil der Politik seit Jahren von den wirklichen Problemen der Menschen entfernt" habe. Doch Wut und Enttäuschung allein reichten nicht. Der "Ernstfall für unsere Demokratie ist eingetreten (...), unser demokratisches Zusammenleben ist in großer Gefahr". Jetzt, so die Initiative, gehe es in "Vereinen, Initiativen und direkt in der Nachbarschaft" darum, sich zu widersetzen und zusammenzuhalten. Wer sich "abgehängt fühlt oder die Miete nicht zahlen kann", dürfe nicht in die Arme von Extremisten getrieben werden. Außerdem gehe es darum, ein AfD-Verbot zu prüfen.