Drei mutmaßliche Mitglieder einer Schleuserbande haben am Dienstag in einem Prozess am Heidelberger Landgericht wegen gewerbs- und bandenmäßigens Einschleusens von Ausländern und Zuhälterei Haftstrafen erhalten. Die zwei Männer und eine Frau sind nach Ansicht des Gerichts Helfer einer internationalen Gruppierung, die mehr als 60 südamerikanische Frauen nach Deutschland gebracht haben soll - mit dem Ziel, sie als Prostituierte anzubieten. Ein 24-Jähriger muss für fünf Jahre und sechs Monate Jahre ins Gefängnis. Eine 29-Jährige erhielt eine einjährige Bewährungsstrafe und eine 26-Jährige zwei Jahre Haft, die zur Bewährung ausgesetzt sind.
Neun Frauen in Heidelberg und Umgebung auf Erotikplattformen angeboten
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die am Dienstag Verurteilten neun Frauen aus Brasilien und Kolumbien in Heidelberg und Umgebung auf einer Online-Erotikplattform als Prostituierte angeboten haben. Anders als zu Beginn des Prozesses vermutet, sollen die Frauen nicht unter falschen Vorwänden nach Deutschland gelockt worden sein. Die Bande soll zwar Kosten und Flüge nach Deutschland gezahlt haben, trotzdem mussten die Frauen ihre Reisepässe abgeben. Ihnen soll auch Gewalt angedroht worden sein, so geht es aus Chatverläufen hervor.
Die Verurteilten hatten unterschiedliche Aufgaben
Zwischen den drei Angeklagten gab es nach Ansicht der Kammer eine klare Aufgabenteilung. Der 24-Jährige soll nicht nur Helfer, sondern auch organisatorisch in der Bande aktiv gewesen sein. Er schaltete unter anderem Werbung, um Freier für die Frauen zu gewinnen. Auch soll er Geld von Prostituierten abgeholt haben.
Die 26-Jährige war mit dem 24-Jährigen zusammen. Durch ihn, so argumentierte ihr Verteidiger in seinem Plädoyer, sei sie überhaupt erst in die Kriminalität geraten. Sie war als "Schreiberin" aktiv und vermittelte auf Whatsapp Termine zwischen Prostituierten und Freiern, "wie ein Call-Center", so beschrieb es der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Der 29-Jährige wurde als Fahrer und Geldeintreiber eingesetzt, allerdings in geringerem Maße als der 24-Jährige. Er bekam wohl kein Geld für sein Arbeit, sondern Cannabis.
Wie viel Geld die Angeklagten mit ihren illegalen Geschäften gemacht haben, blieb unklar. "Wenig kann es nicht gewesen sein", sagte der Vorsitzende Richter, wenn der 24-Jährige "nach seiner letzten Haftstrafe in einem Mercedes rumfahren" könne. Der Mann ist laut Gericht mehrfach vorbestraft "wegen nicht unerheblicher Straftaten".
Mutmaßlichen Bandenmitglieder sind geständig
Die drei Verurteilten haben im Prozess die Taten eingeräumt, was sich laut Gericht strafmildernd ausgewirkt hat. Eine vorzeitige Einigung über das Strafmaß zwischen Gericht, Staatsanwalt und Verteidigern scheiterte, wohl auch wegen der hohen Forderungen des Staatsanwalts. Für den 24-jährigen mutmaßlichen Haupttäter forderte er sechseinhalb Jahre Haft, für seine Ex-Partnerin vier Jahre Gefängnis. Der Anwalt der 26-Jährigen argumentierte unter anderem mit ihrem umfassenden Geständnis und damit, dass die alleinerziehende Mutter noch nicht vorbestraft sei. Seine Mandantin weinte dabei.
Weiterer Prozess läuft noch
Mehrere andere Mitglieder dieser Bande stehen und standen bereits in weiteren Verfahren vor Gericht. Gerade läuft ein Prozess gegen ein weiteres mutmaßliches Bandenmitglied, bei dem ein Urteil bis Ende Oktober erwartet wird. Drei weitere Mitglieder wurden bereits verurteilt, teils zu mehrjährigen Haftstrafen. Die Urteile sind allerdings noch nicht rechtskräftig. Auch das jüngste Urteil von Dienstag gegen die beiden Männer und die Frau ist noch nicht rechtskräftig.