Das baden-württembergische Start-up NVision hat schon einen Erfolg in der Krebs-Früherkennung bei der MRT-Bildgebung erzielt. Nun wollen die Ulmer mit den ganz großen Tech-Giganten wie Google oder IBM in der ersten Computer-Liga mitspielen: Investoren hat NVision von seinen Molekülen, die Rechenleistungen in Licht "einbinden" und dann durch Chips jagen, schon überzeugt: Im Frühjahr 2026 bekamen die Ulmer Quantenphysiker in einer Finanzierungsrunde 55 Millionen Dollar.
Von Quantencomputern versprechen sich Forscher nicht weniger als einen Boost für neue und bestehende Industriezweige in Deutschland, wie NVision-Mitgründer und CEO Stella Brosh erklärt. Außerdem könnten dadurch auch neue Industrien entstehen, meint Brosh.
Quantencomputer stärken Standort Deutschland
Überall da, wo Prozesse simuliert werden, sind Quantencomputer herkömmlichen Computern um ein Vielfaches überlegen: Etwa, wenn Medikamente entwickelt, Batterien oder Lieferketten geplant werden.
Mit Quantencomputern werden wir die besten Medikamente, die stärksten Materialien, die ausgefeiltesten Batterien, optimale Logistik entwickeln können. Quantencomputer stärken bestehende Industrien und befördern neue hier in Deutschland.
Komplizierte Rechnungen in Sekunden
Quantencomputer brauchen für solch hochkomplexe Berechnungen nur Sekunden, wo andere Computer Tage brauchen. Deswegen ist ein weltweiter Wettbewerb entbrannt, wer den ersten Quantencomputer aus dem Labor-Stadium in echte Anwendungen bringt. Geschätzt gibt es weltweit lediglich 300 Quantencomputer.
In Ulm entwickelt das Start-up NVision - eine Ausgründung der Universität Ulm - einen Quantencomputer, mit dem sie das weltweite Rennen um den ersten voll funktionsfähigen Quantencomputer gewinnen wollen.
Mal eben Krebsdiagnostik umkrempeln
Ursprünglich wollten die Ulmer "nur" die Krebsdiagnostik revolutionieren: Mit einem Gerät, das im MRT mithilfe von Quantentechnologie Tumorzellen 10.000fach besser sichtbar macht. So wird Krebs sofort und in frühestem Stadium erkennbar. Dies kann Leben retten. Das Gerät wird weltweit an Uniklinken ausgeliefert. Auch für Herzpatienten oder bei Erkrankungen des Gehirns oder Nervensystems kann so eine Vergrößerung entscheidend sein.
Eher zufällig machten die Ulmer bei ihrer Forschung eine Entdeckung: Sie fanden ein Molekül, dessen Eigenschaften sie völlig begeisterte. Was dieses Molekül mit Quanteneigenschaft so einzigartig machen würde: Es würde Materie und Licht verbinden können und wäre damit auf standardisierten Chips einsetzbar.
Dieses Molekül war fantastisch. Wir verstanden, dass dieses Molekül perfekt sein könnte für Quantencomputing. Es war Mitternacht und wir fragten uns: Kann das funktionieren, können wir uns sicher sein?
Ein Leuchten im Mikroskop
Das Team von NVision musste dieses Molekül selbst herstellen können. Die folgenden vierzig Monate bestanden für die Physiker, Chemikerinnen, Quantenoptiker aus Testen, Scheitern, Neustart. Vor einem halben Jahr kam dann der Durchbruch: Das Team nennt ihn den "Himmel-voller-Sterne-Augenblick". Im Mikroskop leuchtete es, genauso, wie es die Forscher wollten. "Was wir im Mikroskop sahen, leuchtete genauso, wie wir es wollten, mit den optischen Verbindungen, die wir brauchten", sagt Ilai Schwartz, Quantenopiker und CTO von NVision. "Und seitdem geht es durch die Decke."
Winzige Chips wie kleine Fabelwesen
Ihre Entwicklung ist noch nicht am Ende. Jetzt muss noch das Molekül in einen lichtleitenden Chip integriert werden können. NVision nennt sie PIQC (Photonic Integrated Quantum Circuit) - ausgesprochen Pixie, wie die kleinen Fabelwesen in der englischen Folklore.
Damit will NVision einen funktionsfähigen, stabil rechnenden Quantencomputer bauen können. Anders als alle anderen - und vor allem: in Serienfertigung. Die Voraussetzungen, dass das gelingt, sind in Ulm ideal, sagt NVision CEO Sella Brosh. In Baden-Württemberg wären die besten Talente und Einrichtungen vorhanden. Es gebe Quantenphysiker, Chemiker, Optiker, Materialwissenschaftler, Chiphersteller sowie Soft- und Hardware-Architikten. Das sei einzigartig.
Wir haben bei uns alles, um einen Quantencomputer bauen zu können: Quantenphysiker, Chemiker, Optiker, Materialwissenschaftler, Chiphersteller, Soft- und Hardware-Architekten. Die sind alle hier in Baden-Württemberg - und das ist einzigartig.
An der Universität Ulm ist rund um den Lehrstuhl des Quanteninformatikers Martin Plenio ein Forschungsschwerpunkt zu Quantenphysik entstanden. Die Uni-Ausgründung NVision hat 150 Mitarbeitende. In fünf Jahren will das Unternehmen den ersten serienmäßigen Quantencomputer auf photonischer Basis, also mit Licht-Teilchen, auf den Markt bringen.