Neuauflage der grün-schwarzen Koalition

Koalitionsvertrag unterzeichnet - Regierung in Baden-Württemberg steht

Mehr als 160 Seiten ist das Vertragswerk dick, mehrere Wochen dauerte seine Entstehung. Jetzt prangen auch Unterschriften unter dem Koalitionsvertrag von Grünen und CDU.

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Stand

Die Neuauflage der grün-schwarzen Koalition in Baden-Württemberg steht: Verhandler von Grünen und CDU unterzeichneten am Montag in Stuttgart den Koalitionsvertrag für die nächsten fünf Jahre. Auch der designierte Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) und sein baldiger Stellvertreter Manuel Hagel (CDU) setzten ihre Unterschriften auf das Dokument. Die beiden Parteien regieren in Baden-Württemberg bereits seit 2016 gemeinsam.

Dritte Auflage von Grün-Schwarz

Grüne und CDU hatten sich in wochenlangen und teils zähen Verhandlungen auf ein gemeinsames Regierungsprogramm für die kommenden fünf Jahre geeinigt. Die beiden Parteien regieren bereits zum dritten Mal zusammen. Das Vertragswerk ist mehr als 160 Seiten dick und beinhaltet unter anderem ein kostenloses und verpflichtendes letztes Kindergartenjahr. Außerdem will Grün-Schwarz am Ziel festhalten, dass Baden-Württemberg bis 2040 klimaneutral werden soll - fünf Jahre früher als im Bund.

Besonders prominent haben Grüne und CDU im Industrieland Baden-Württemberg das Thema Wirtschaft platziert. Der Vertrag sieht unter anderem vor, dass Unternehmensgründungen künftig innerhalb von zwei Tagen möglich sein sollen. Schlüsseltechnologien sollen gezielt gefördert und die Bürokratie zurückgestutzt werden.

Bereits am Wochenende hatten Parteitage von Grünen und CDU dem Vertrag für die dritte Auflage von Grün-Schwarz in Baden-Württemberg zugestimmt. Am Mittwoch soll Özdemir (Grüne) zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden.

Das sind die Minister der neuen Landesregierung

Bei den Grünen soll Danyal Bayaz weiterhin Finanzminister bleiben. Auch Umweltministerin Thekla Walker wird ihr Amt weiterhin behalten. Im Wissenschaftsministerium bleibt ebenfalls die amtierende Ministerin Petra Olschowski. Das Sozialministerium ist künftig auch für Arbeit und Jugend zuständig und soll von Oliver Hildenbrand geleitet werden. Die bisherige Kultusministerin Theresa Schopper wechselt zum Bauministerium. Staatsminister und Chef der Staatskanzlei bleibt Jörg Krauss.

Bei der CDU wird Landeschef Manuel Hagel wie erwartet Innenminister und Vize-Ministerpräsident in der neuen grün-schwarzen Landesregierung. Das Wirtschaftsministerium wird in den Händen von Nicole Hoffmeister-Kraut bleiben. Sie ist auch zuständig für Handwerk und Tourismus. Die neue Verkehrsministerin soll die bisherige Bauministerin Nicole Razavi werden. Aus dem Justizministerium soll Marion Gentges zum Agrarministerium wechseln. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Moritz Oppelt wird Justiz- und Migrationsminister. Der neue Kultusminister wird der Bundespolitiker Andreas Jung.

Ministerpräsident
Cem Özdemir (60) tritt in große Fußstapfen. Der grüne Oberrealo und selbsternannte "anatolische Schwabe" folgt Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Auf den früheren Grünen-Bundesvorsitzenden und Ex-Bundeslandwirtschaftsminister und seine erneuerte grün-schwarze Koalition warten vor allem wegen der Wirtschaftskrise und des Geldmangels große Herausforderungen Christoph Schmidt Bild in Detailansicht öffnen
Innenminister
Manuel Hagel (38) wird Innenminister und Vize-Regierungschef. Der CDU-Landesvorsitzende wäre gern selbst Ministerpräsident geworden, doch die Wahl ging - wider Erwarten - knapp verloren. Ob er mit Özdemir eine ähnliche Achse bilden kann wie Kretschmann mit Hagels Vorgänger Thomas Strobl, wird sich zeigen. Hagel muss auch die lahmende Digitalisierung voranbringen. Bernd Weißbrod Bild in Detailansicht öffnen
Finanzminister
Danyal Bayaz (42) Vertrauter von Özdemir, bleibt Finanzminister. Dem Heidelberger und früheren Grünen-Bundestagsabgeordneten könnte die Rolle des Spielverderbers zuwachsen. Denn im neuen Koalitionsvertrag sind zwar teure Projekte angekündigt, aber wegen der Krise klaffen im Landeshaushalt große Lücken. Bernd Weißbrod Bild in Detailansicht öffnen
Kultusminister
Andreas Jung (50) ist der große Überraschungscoup der CDU. Über 20 Jahre saß der Klima- und Umweltexperte für den Wahlkreis Konstanz im Bundestag, doch jetzt wird er Kultusminister in BW. In das Thema Schule muss sich Jung noch einarbeiten. Seine Mission: die abgesunkene Bildungsqualität in BW verbessern. Bernd Weißbrod Bild in Detailansicht öffnen
Wirtschaftsministerin
Nicole Hoffmeister-Kraut (53) galt zuletzt als Wackelkandidatin, aber dann durfte sie doch Wirtschaftsministerin bleiben. Die CDU-Frau aus Balingen hat als Gesellschafterin des Waagen-Herstellers Bizerba einen guten Draht zu Unternehmern. Dennoch wurde sie bei Grünen und Teilen der CDU in der Wirtschaftskrise nicht als politischer Aktivposten wahrgenommen. Marijan Murat Bild in Detailansicht öffnen
Sozialminister
Oliver Hildenbrand (38) ist nicht nur das einzige neue Gesicht unter den grünen Ministern, er gilt nach dem Abgang von Verkehrsminister Winfried Hermann auch als einziger Vertreter des linken Grünen-Flügels im Kabinett Özdemir. Der studierte Psychologe wird neuer Sozial- und Gesundheitsminister und damit Nachfolger von Manfred Lucha. Zuletzt hatte er sich als Innenpolitiker für ein Antidiskriminierungsgesetz stark gemacht, war aber vor allem am Widerstand der CDU gescheitert. Marijan Murat Bild in Detailansicht öffnen
Justizministerium
Moritz Oppelt (37) ist ein weiterer Neuzugang der CDU im Kabinett. Der Chef der CDU Nordbaden gehört zum engsten Kreis um Hagel und wird neuer Justizminister. Oppelt ist Jurist und folgt auf Marion Gentges, die ins Landwirtschaftsministerin wechselt. Er hatte vor gut einem Jahr knapp den Wiedereinzug in den Bundestag verpasst. Bernd Weißbrod Bild in Detailansicht öffnen
Umweltministerin
Thekla Walker (57) will als Umweltministerin weiter dafür kämpfen, dass der Klimaschutz in der Wirtschaftskrise nicht unter die Räder kommt. Als Nachfolgerin des profilierten Ressortchefs Franz Untersteller hatte sie seit 2021 keinen leichten Stand. Die frühere Grünen-Landeschefin (2011-2016) muss hoffen, dass die geplanten Investitionen von einer Milliarde Euro für den Klimaschutz in den Kommunen auch finanzierbar sind. Marijan Murat Bild in Detailansicht öffnen
Landwirtschaftsministerin
Marion Gentges (54) muss sich umstellen. Als Nachfolgerin des langjährigen Agrarministers Peter Hauk kümmert sich die bisherige Justizministerin aus Südbaden künftig um die Landwirte. Ihre erste Wahl war das sicher nicht. Im neuen Ministerium ist sie auch für "Heimat" zuständig, diesen Begriff muss Gentges mit Leben füllen. Marijan Murat Bild in Detailansicht öffnen
Forschungsministerin
Petra Olschowski (60) war 2022 für die langjährige Forschungsministerin Theresia Bauer ins Kabinett eingewechselt worden. Die studierte Kunsthistorikerin hat in den nächsten Jahren Milliardenprojekte zu bewältigen: Neben der Fusion der Universitätskliniken Heidelberg und Mannheim muss Olschowski auch die umstrittene Sanierung der Stuttgarter Oper von politischer Seite managen. Marijan Murat Bild in Detailansicht öffnen
Verkehrsministerium
Nicole Razavi (60) hat ihren Traumjob bekommen. Die langjährige Anhängerin des Bahnprojekts Stuttgart 21 wechselt vom Bau- ins Verkehrsministerium. Sie sitzt seit 20 Jahren für den Wahlkreis Geislingen im Landtag und war als Abgeordnete Gegenspielerin des grünen Verkehrsminister Winfried Hermann. Bernd Weißbrod Bild in Detailansicht öffnen
Wohnungsbauministerin
Theresa Schopper (65) wechselt vom großen Kultus- ins kleine Wohnungsbauministerium. Kretschmann hatte die frühere bayerische Grünen-Vorsitzende 2016 zunächst in die Staatskanzlei BW geholt. Sie übernimmt nun das Bauressort von Nicole Razavi (CDU) und steht vor der großen Aufgabe, den Wohnungsmangel in den Griff zu bekommen. Marijan Murat Bild in Detailansicht öffnen

Neuer Landtag in BW im März gewählt

Bei der Landtagswahl am 8. März waren die Grünen mit 30,2 Prozent knapp stärkste Kraft geworden, dicht gefolgt von der CDU mit 29,7 Prozent. Im neuen Landtag verfügen jedoch beide Parteien über jeweils 56 Mandate - eine ungewöhnliche Pattsituation.

Baden-Württemberg

Özdemir übernimmt Kretschmann-Minister Bisherige Kultusministerin Schopper künftig für Wohnungsbau zuständig

Der designierte Ministerpräsident Özdemir stellt heute seine Ministerinnen und Minister vor. Er setzt vor allem auf Erfahrung statt Erneuerung.

Neue Landesregierung Parteitage von Grünen und CDU in BW stimmen Koalitionsvertrag zu

Nach der BW CDU haben auch die BW Grünen für eine Neuauflage einer gemeinsamen Landesregierung gestimmt. Auf Parteitagen segneten die Delegierten den Koalitionsvertrag ab. 

Stadion SWR1

Stuttgart

Überraschende Personalie CDU-Bundesvize Jung wird Kultusminister in Baden-Württemberg

Es ist eine handfeste Überraschung: Andreas Jung, profilierter Umwelt- und Klimaexperte der Unions-Fraktion im Bundestag, wird Bildungsminister in Stuttgart.

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Leonie Zöller
Leonie Zöller, Praktikantin bei SWR Aktuell BW Online

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