Das rote Cabrio rollt über die Landstraße auf der Schwäbischen Alb. Am Steuer sitzt Wolfgang Doster. Statt Radio zu hören, spricht er mit der Künstlichen Intelligenz. Sie unterhalten sich über die Dinge, an denen er vorbeifährt: Welche Fische gibt es in der Fischzucht rechts von mir? Was kann man in Blaustein besichtigen? Die Antworten kommen sofort.
"Es macht mir vieles leichter, wenn ich irgendeine Frage habe, dann stelle ich die ChatGPT oder Google und dann bekomme ich die passende Antwort." Doster ist begeistert.
Für den Rentner ist KI längst ständiger Begleiter, nicht nur beim Autofahren. Er lässt sich von ihr auch vorschlagen, was er mit den Resten im Kühlschrank kochen kann. Oder färbt die schwarz-weiß Bilder aus seiner Kindheit bunt ein. Die Anwendungen sind vielfältig. "Ohne KI kann ich eigentlich nicht vernünftig leben. Für mich ist es ein Segen. Aber ich bin mit diesem Segen groß geworden. Mein Vater war Elektromeister." Technik habe er schon immer im Blut gehabt. Vor der Rente hat Doster als Computerspezialist gearbeitet. Jetzt tobt er sich mit Begeisterung mit den neuesten technischen Entwicklungen aus.
Digitalisierungsbeauftragte fordert mehr Freiraum für KI
Damit Menschen wie Doster KI künftig noch besser nutzen können, braucht es aus Sicht der Digitalisierungsbeauftragten der Landesregierung, Ronja Kemmer (CDU), mehr Freiraum für KI-Innovationen in der EU. "Auf der einen Seite muss man Spielregeln definieren. Aber man kann sie vor allem auch global nur dann definieren, wenn man technologisch vorne mit dabei ist und da haben wir auch schon einiges aufzuholen", sagte sie in der SWR-Sendung "Zur Sache! Baden-Württemberg".
LKA warnt: 2025 über 200 Millionen Euro Schaden durch gefälschte Videos
Trotz aller Chancen bleiben aber Risiken bei der Nutzung von KI. Das Landeskriminalamt (LKA) zum Beispiel warnt vor KI-Betrug mit sogenannten Deepfakes. Diese täuschend echt aussehenden Videos werden eingesetzt, um Menschen hereinzulegen, etwa mit angeblichen Anlagetipps: "Da hatten wir letztes Jahr einen Rekordschaden von 212 Millionen Euro, nur in Baden-Württemberg. Wir müssen von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgehen, sodass ich ganz vorsichtig etwa bei einer Milliarde Schaden bin", sagt Oliver Hoffmann von der Abteilung Wirtschaftskriminalität des LKA. "Man kann keinem Video im Internet mehr trauen."
Ein prominentes Beispiel: Betrüger missbrauchten den bekannten TV-Arzt Eckart von Hirschhausen. Mithilfe von KI wurden seine Stimme kopiert und seine Lippenbewegungen passend verändert. In den gefälschten Videos warb er scheinbar für Wundermittel zum Abnehmen und andere dubiose Produkte. Tatsächlich hatte Hirschhausen diese Sätze nie gesagt.
Pfarrerin hat ethische Bedenken bei KI
Pfarrerin Bärbel Danner steht der Künstlichen Intelligenz ebenfalls kritisch gegenüber. Sie lebt in Kloster Mariaberg (Landkreis Sigmaringen) und hat die Künstliche Intelligenz schon ausprobiert. Trotzdem kann sie sich nicht vorstellen, ihre Predigten künftig mithilfe der KI zu schreiben "Geben wir damit wirklich unsere Autonomie auf und delegieren unser Bewusstsein an Maschinen, die Denken nachahmen? Ich sehe es als einen erheblichen Verlust des Menschlichen." Besonders aus ethischer Sicht, wenn es etwa um den Kriegseinsatz von Künstlicher Intelligenz geht, macht sie sich große Sorgen. "Ich glaube, der katholische Papst hat es kapiert, dass er gesagt hat: Leute, die KI wird eine der größten ethischen Herausforderungen des 20. Jahrhunderts werden. Und ich glaube, da hat Leo recht."
Künstliche Intelligenz ist ein erheblicher Verlust des Menschlichen.
Danner sieht darin vor allem die Gefahr, dass Menschen ihre Eigenständigkeit an Maschinen abgeben. In ihren Augen droht ein Verlust des Menschlichen, wenn Gespräche und Beziehungen zunehmend durch Maschinen ersetzt werden.
Rentner: KI auszuprobieren macht Spaß
Trotz aller Warnungen und ethischer Bedenken lässt sich Wolfgang Doster von seiner Begeisterung nicht abbringen. Im Gegenteil: Der Rentner gibt sein Wissen inzwischen weiter. Im Familienzentrum Dornstadt (Alb-Donau-Kreis) zeigt er vor allem anderen Senioren, wie sie KI im Alltag nutzen können. Stolz präsentiert er ein Foto von sich mit Albert Einstein. Natürlich nicht echt, aber es sieht täuschend echt aus. Sein Wunsch: dass noch mehr Menschen in seinem Alter Künstliche Intelligenz nutzen. "Damit sie damit vertraut werden und Ängste verlieren. Es unterstützt einen, und es macht sogar Spaß, es auszuprobieren."