Im Karlsruher Rheinhafen soll ab Montag der Abriss der Thermoselect-Müllverbrennungsanlage beginnen. Nach Informationen der EnBW beginnen zunächst Entkernungsarbeiten im Inneren des Gebäudes.
Karlsruher Vorzeigeprojekt der 90er-Jahre wird abgerissen
Mit der Anlage im Karlsruher Rheinhafen sollten die Müllprobleme der 1990er-Jahre besonders umweltfreundlich gelöst werden. Doch statt eines großen Geschäfts entstanden riesige Verluste.
Rund 400 Millionen Euro Verlust hatte das Thermoselect-Projekt gemacht, ehe es 2004 von der EnBW als Nachfolgerin der Badenwerk beendet wurde. Allein der Bau hatte 144 Millionen Euro gekostet.
Vom großen Geschäftsmodell zum großen Flop
Die Anlage mit der Thermoselect-Technologie galt als Vorzeigemodell für moderne Müllentsorgung: Sie sollte Müll nicht nur verbrennen, sondern auch Gas, Strom und Fernwärme produzieren. Am Ende der Verbrennung sollte ein Granulat als Rest übrig bleiben, das zum Beispiel im Straßenbau hätte verwendet werden können.
Für 250.000 Tonnen Müll pro Jahr war Thermoselect geplant. Das Badenwerk und viele regionale Politiker erhofften sich nicht nur ein Prestigeprojekt, sondern auch ein Milliardengeschäft.
Idee zu Thermoselect kam aus Italien
Die Idee für die neue Recycling-Technik stammte von einem Ingenieur, der am Lago Maggiore in Italien eine kleine Musteranlage gebaut hatte. Die weltweit erste reguläre Anlage wurde schließlich in Karlsruhe errichtet.
Auch äußerlich sollte Thermoselect etwas Besonderes ausstrahlen: Damit das Gebäude nicht wie ein Industriebau aussieht, hatte eigens ein Designer eine Halle mit Stahl- und Glaselementen entworfen.
Technik von Thermoselect lief nur mit Störungen
Verzögerungen gab es bereits in der Bauphase. 1999 ging die Anlage dann in Betrieb, doch Thermoselect hat in der Praxis nie wirklich funktioniert. Die Technik war von Anfang an störanfällig und lief nur im Probebetrieb. Die erhofften Abgaswerte konnten nicht dauerhaft eingehalten werden. Der Rückgang der Müllmenge machte die Anlage unwirtschaftlich.
Der jetzt geplante Abriss der Industrieruine soll rund ein Jahr dauern.