Nachfolge von Cornelia Petzold-Schick

Oberbürgermeisterwahl: Wer wird neues Stadtoberhaupt von Bruchsal? 

Zeitenwende in Bruchsal: Nach 16 Jahren macht Oberbürgermeisterin Petzold-Schick Platz für ihre Nachfolge. Am Sonntag wird ein neues Stadtoberhaupt gewählt.

Teilen

Stand

Von Autor/in Emma Philipp, Louisa Guy-Sanchez

In Bruchsal (Kreis Karlsruhe) wird am Sonntag ein neues Stadtoberhaupt gewählt. Für die Oberbürgermeisterwahl am 13. Juli treten fünf Kandidatinnen und Kandidaten an. Die amtierende Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick (Grüne) stellt sich nicht mehr zur Wahl. Die Kandidatinnen und Kandidaten sind:

Helge Viehweg (SPD), 46  

Helge Viehweg ist 46 Jahre alt und seit 2013 Bürgermeister in Straubenhardt im Enzkreis. Zwar ist er SPD-Mitglied, bei der Wahl in Bruchsal tritt er aber überparteilich an. "Parteipolitik hat im Rathaus nichts zu suchen", sagt Viehweg. Bei einem Wahlerfolg möchte er mit seinem Ehemann, den drei gemeinsamen Kindern und allen Haustieren von Straubenhardt nach Bruchsal ziehen.

Viehweg hat für den Fall eines Wahlerfolgs im Juli einige Ziele für Bruchsal im Blick: Er will die Bürgerinnen und Bürger mehr in die Politik einbeziehen. Die Innenstadt solle lebendiger werden, wozu auch die Gewerbeförderung gehöre. Bruchsal soll Windenergie bekommen, aber keinesfalls Freibäder verlieren. Zudem ist ihm wichtig, die kulturelle Landschaft in Bruchsal mehr zu fördern und die Lebensqualität in der Stadt weiter auszubauen. "Dabei sind mir Gerechtigkeit und Solidarität unter den Menschen stets wichtig", so Viehweg. 

Helge Viehweg (SPD) lag nach dem ersten Wahlgang bei der OB-Wahl in Bruchsal auf Platz 2.
Helge Viehweg (SPD) lag nach dem ersten Wahlgang auf Platz 2. Pressestelle privat

Tobias Dammert (AfD), 41 

Der 41-jährige Tobias Dammert aus Heidelsheim tritt für die AfD bei der Wahl zum Oberbürgermeister in Bruchsal an. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler arbeitet in dem Handwerksbetrieb seiner Familie - spezialisiert auf Heizung, Lüftung und Klima. Sportlich aktiv, läuft er gern, spielt Badminton und fährt Ski. Falls Dammert Oberbürgermeister wird, hat er einige Ziele für die Stadt: Für ihn stehen die Grundaufgaben der Kommune fest - Infrastruktur, Schulen, Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit. Als offizieller AfD-Kandidat vertritt er "einen konservativen Kurs, insbesondere in der Migrations- und Energiepolitik", so Dammert. Er ist gegen den Ausbau der Windenergie rund um Bruchsal und für eine Eindämmung der Migration. 

Fünf Kandidatinnen und Kandidatenstehen zur Wahl für den Posten des Oberbürgermeisters in Bruchsal
Fünf Kandidatinnen und Kandidatenstehen zur Wahl für den Posten des Oberbürgermeisters in Bruchsal: Tobias Dammert ist der AFD-Kandidat Pressestelle privat

Sven Weigt (CDU), 53 

Der 53-jährige Sven Weigt ist Mitglied der CDU, tritt nach eigenen Angaben bei der Wahl zum Oberbürgermeister von Bruchsal aber ebenfalls überparteilich an. Der Freizeit-Triathlet und ehemalige Handballer lebt mit seiner Frau, den drei Kindern und dem Familienhund Scotty in Karlsdorf-Neuthard. Dort ist er aktuell Bürgermeister.

Falls Weigt der neue Oberbürgermeister von Bruchsal wird, hat er einiges mit der Stadt vor: Die städtischen Finanzen sollen stabilisiert und die Infrastruktur, darunter Schulen und Straßen, modernisiert werden. "Ich selbst bin ein großer Vereinsliebhaber", sagt Weigt. Die Förderung von Vereinen und das gesellschaftliche Miteinander liegen ihm sehr am Herzen. In der Energiepolitik setzt er auf eine Kombination aus Windkraft und Photovoltaik. Auch das traditionsreiche Gasthaus "Zum Bären" möchte er sinnvoll weiterentwickeln.  

Sven Weigt (CDU) wird neuer Oberbürgermeister in Bruchsal.
Sven Weigt (CDU) wird neuer Oberbürgermeister in Bruchsal. Pressestelle privat

Endercan Bolat (parteilos), 54 

Eher ungewöhnlich ist die Kandidatur eines türkischstämmigen Migranten bei einer Oberbürgermeisterwahl. Für den 54 Jahre alten Endercan Bolat ist es eine Herzensangelegenheit. Er tritt an, um das Verhältnis zwischen Migranten und deutschen Bürgern zu verbessern. Ein Zeichen setzen, selbst wenn er nicht gewählt werde, das sei wichtig, betont Bolat. Der Großvater von drei Enkeln lebt seit 50 Jahren in Bruchsal. Im Alter von zwei Jahren kam er mit seinen Eltern aus Anatolien nach Karlsruhe. In Untergrombach und in Bruchsal hat der gelernte Holzfachwerker fast sein ganzes Leben verbracht. Bolat hat die Unterstützung vieler Migranten, aber auch einiger Deutscher in Bruchsal.

Sein Wahlkampf war ebenso ungewöhnlich wie seine Kandidatur. Mit dem Fahrrad sei er nach Bruchsal geradelt und habe dort Menschen auf der Straße angesprochen. Ganz gezielt sei er auch auf andere Migranten, beispielweise in den Bruchsaler Dönerläden, zugegangen und habe dort um Unterstützung geworben. Bolat will nicht nur die Situation von Migranten verbessern. Er hat auch die Flüchtlinge in der Stadt im Blick. Sie sollten viel schneller eine Arbeitserlaubnis erhalten, um nicht untätig auf der Straße zu sitzen. Das sei für die Menschen wichtig, aber auch für die Wahrnehmung der deutschen Mitbürger. Vielleicht würde man die Flüchtlinge dann anders sehen, meint der OB Kandidat. 

 Vanessa Schulz (die PARTEI), 43 

Vanessa Schulz (43), Mitglied bei DIE PARTEI, kandidiert als unabhängige Oberbürgermeisterkandidatin für die Stadt Bruchsal. Ihr Ziel ist es, "Politik menschlicher und transparenter zu gestalten." Die 43-Jährige lebt in Pfinztal (Kreis Karlsruhe), stammt aber ursprünglich aus dem Raum Osnabrück. Sie hat sich in die "badische Toskana", wie sie ihre neue Heimat selbst nennt, verliebt. Wenn sie gewählt wird, möchte Schulz gemeinsam mit ihren Katzen Jamie und Jarla nach Bruchsal ziehen.

Auch sonst hat die Hobby-Fahrradfahrerin einiges vor - für und nach der Wahl: Sie möchte die Bruchsaler Fußgängerzone renovieren, sie will neue Bänke aufstellen und Bäume pflanzen - Schatten muss her. Sie will die Finanzen der Stadt in den Griff bekommen und dafür gemeinsam mit den Bürgerinnen neue Strategien entwickeln. Schulz will sich außerdem dafür einsetzen, dass mehr Gelder vom Bund in Bruchsal ankommen. Vanessa Schulz kennt ihren Kontrahenten Sven Weigt übrigens aus der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe im Jahr 2020. Beide freuen sich auf einen neuen und fairen Wahlkampf miteinander. 

Fünf Kandidatinnen und Kandidaten stehen zur Wahl für den Posten des Oberbürgermeisters in Bruchsal
Fünf Kandidatinnen und Kandidatenstehen zur Wahl für den Posten des Oberbürgermeisters in Bruchsal: Vanessa Schulz tritt für Die Partei an Pressestelle privat

Ablauf der Oberbürgermeisterwahl in Bruchsal 

Am 13. Juli dürfen in Bruchsal alle wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger ihren neuen Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterin wählen. Von den rund 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sind 34.944 wahlberechtigt. Falls ein zweiter Wahlgang erforderlich wird, ist dafür der Sonntag, 27. Juli 2025, vorgesehen. 

Cornelia Petzold-Schick, Grüne Oberbürgermeisterin von Bruchsal
Cornelia Petzold-Schick, Grüne Oberbürgermeisterin von Bruchsal picture alliance/dpa/Stadt Bruchsal | Simone Staron

OB Cornelia Petzold-Schick (Grüne) tritt nicht mehr an 

Nach 16 Jahren als Oberbürgermeisterin verzichtet Cornelia Petzold-Schick (Grüne) auf eine dritte Amtszeit. Als Hauptgrund nannte sie gesundheitliche Probleme. Sie möchte künftig kürzertreten und bleibt noch bis Ende September im Amt. 

Bruchsal

Ein Wechsel an der Stadtspitze Cornelia Petzold-Schick hört als Oberbürgermeisterin in Bruchsal auf

Es war ein Paukenschlag: Nach zwei Amtsperioden als OB von Bruchsal will Cornelia Petzold-Schick aufhören. Sie werde im Juli nicht mehr antreten, erklärte sie am Donnerstag.

Bruchsal

Finanzkrise weitet sich aus Kommunen am Abgrund: Auch Bruchsal verhängt Haushaltssperre

Bruchsal hat eine Haushaltssperre verhängt. Damit reagiert die Stadt auf ihre dramatisch verschlechterte Finanzlage. Hintergrund ist ein massiver Rückgang der Gewerbesteuern.

Bruchsal

Justiz- und Finanzministerium stimmen für Einstellung der Planung Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete kommt doch nicht nach Bruchsal

Auf dem Areal der Alten Landesfeuerwehrschule in Bruchsal wird doch keine Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete entstehen. Justiz- und Finanzministerium stellen Pläne ein.