An der Autobahn A8 zwischen Pforzheim West und Karlsbad (Kreis Karlsruhe) entsteht eine Grünbrücke. Sie soll wichtige Lebensräume miteinander verbinden und Tiere schützen. Doch bis sie fertig ist, muss die Autobahn mehrmals voll gesperrt werden.
Grünbrücke: Lebensräume der Wildtiere verbinden
Die Grünbrücke oder Wildbrücke entsteht in einem wichtigen Wildtierkorridor im Nordschwarzwald und soll die Lebensräume von Reh, Fuchs und Co. miteinander verbinden, so die Autobahn Gesellschaft. Denn eine Autobahn, auf der fast 100.000 Autos und Lkw jeden Tag fahren, sei ein unüberwindbares Hindernis für die Tiere.
Mit der Grünbrücke bei Remchingen-Nöttingen schaffen wir eine dauerhafte Querungsmöglichkeit für Wildtiere genau dort, wo ihre Wanderwege die A8 kreuzen.
Wildtiere sollen in Zukunft die neue Grünbrücke nutzen, um die Autobahn A8 bei Remchingen im Enzkreis zu queren. So sollen sich verschiedene Populationen der Tiere vermischen und sich die Biodiversität erweitern. Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) macht das die Tiere beispielsweise widerstandsfähiger für Krankheiten.
Weniger Unfälle: Warum die Grünbrücke an der A8 so wichtig ist
Die Grünbrücke soll auch fördern, dass sich Luchse in der Region wieder ansiedeln. Denn die Wildkatzen haben laut BUND ein besonders großes Streifgebiet und einen kleinen Genpool. Seit langem bemüht sich das Land darum, die Tiere im Schwarzwald anzusiedeln. Doch die größte Gefahr für Luchse sind die Autos, sagt der Naturschutzbund NABU. Nicht weit von der Baustelle bei Remchingen im Enzkreis entfernt, wurde im Jahr 2024 ein Luchs überfahren.
Die Brücke soll in erster Linie die Biodiversität fördern. Aber sie verhindert an der Stelle, an der sie gebaut wird, auch Wildunfälle. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) hat im letzten Jahr rund 20.600 Unfälle in Baden-Württemberg gezählt. 760 davon sind auf der Autobahn passiert. Das liege daran, dass ungefähr die Hälfte der Autobahn schon mit Zäunen ausgestattet sei und der schnelle Verkehr eine größere Barriere für die Tiere sei, erklärt Falko Brieger von der FVA. Trotzdem seien Wildunfälle ein großes Problem, so Brieger.
Die FVA setzt sich in mehreren Projekten für die Prävention von Wildunfällen ein. Sie sammelt die Zahlen von Polizei und Jagdbehörden und veröffentlicht sie auf ihrer Internetseite. Der Enzkreis ist Modellregion bei einem Projekt der FVA, die durch verschiedene Maßnahmen, wie zusätzliche Verkehrszeichen und verminderte Geschwindigkeit an besonders gefährlichen Stellen, versucht, Wildunfälle zu vermeiden.
So finden Wildtiere die Grünbrücke über die A8
Die Brücke soll eine Spannweite von 62 Metern haben und 86 Meter breit werden. Damit die Wildtiere sie als ihren Lebensraum begreifen, soll sie am Schluss mit Wiese und Bäumen bepflanzt werden. Außerdem werden an der Autobahn entlang rund vier Kilometer Zaun verbaut, um die Tiere zur Brücke zu leiten.
Der Zaun wird so gestaltet, dass die [Tiere] nicht drüberklettern können oder sich nicht drunter durchgraben können. Dann müssen sie im Prinzip über die Grünbrücke - und können da sicher die Autobahn queren.
Auf diese Sperrungen der A8 müssen sich Autofahrer einstellen
Das 15-Millionen-Euro-Projekt soll bis Mitte 2028 fertiggestellt sein. Bis dahin kommt es immer wieder zu Sperrungen der Autobahn A8. Die Baustelle ist zwar schon eingerichtet, es sind aber noch alle drei Spuren befahrbar.
Wir sind seit Anfang des Monats mit den Erdarbeiten dabei. Das dauert noch bis Ende des Monats. Im Anschluss werden dann die Fundamente gebaut.
Im Herbst ist geplant, dass die Autobahn für ein Wochenende gesperrt wird, um eine Trägerkonstruktion aufzubauen. Die Autobahn wird dann zwei bis drei Wochen lang in beide Fahrtrichtungen nur auf zwei Spuren befahrbar sein. Eine erneute Wochenendsperrung gibt es dann, wenn zum Ende der Baustelle die Konstruktion wieder abgebaut werden soll. Außerdem werden in der Bauzeit acht bis zehn nächtliche Sperrungen der Autobahn notwendig, so die Autobahn GmbH.