Erstklässler einer Grundschule in Karlsruhe sollten gemeinsam den Kothaufen eines Mitschülers in einer Toilette beseitigen - als gemeinschaftliche Strafe. Das Regierungspräsidium Karlsruhe bestätigte den Vorfall und kritisierte die Lehrkraft.
Väter berichten: Jungs mussten Kot aufsammeln
Nach einem Bericht der "Badischen Neuesten Nachrichten" musste jeder der sechs bis sieben Jahre alten Jungen einen Teil des Stuhlgangs mit einem Stück Klopapier aufnehmen und in die Toilettenschüssel werfen. Eine Art Strafe für alle, nachdem sich der eigentliche Verursacher nicht meldete, als die Lehrkraft danach fragte. Das berichtete die Zeitung unter Berufung auf zwei Väter der Grundschüler.
Lehrkraft soll Grundschüler gezwungen haben
Laut einer Sprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe ereignete sich der Vorfall beim Besuch einer Grundschulklasse in einem Waldklassenzimmer. Beim Verlassen sei festgestellt worden, dass eine Toilette verunreinigt worden war.
Die begleitende Lehrkraft habe dann - zusammen mit den männlichen Schülern - mit Toilettenpapier die Verschmutzung beseitigt.
Dienstaufsichtsbeschwerde nach Kollektivstrafe
Die zuständige Schulaufsicht hat dieses Vorgehen kritisiert und das auch gegenüber der Schule deutlich gemacht. Beim Regierungspräsidium ging außerdem eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die betroffene Lehrkraft ein.
Diese Beschwerde werde nun geprüft, teilte die Behörde mit. Sie kann als unbegründet verworfen werden. Das Ganze könne aber auch in eine Abmahnung oder einen Verweis münden, falls eine "dienstliche Pflichtverletzung" festgestellt wird.
Schülerbeirat: Erlebnisse können Kinder lange belasten
Der Landesschülerbeirat (LSBR) spricht von einem "widerwärtigen" Vorgehen, denn solche Erlebnisse könnten Kinder nachhaltig belasten.
Ereignisse wie diese hinterlassen bei Schülerinnen und Schülern schon in jungen Jahren tiefe Spuren.
Solche Vorfälle erschütterten das Vertrauen in die Schule als sicheren Ort. Sie ließen bei Kindern das Gefühl entstehen, mit ihren Bedürfnissen, persönlichen Grenzen und ihrer Würde nicht gesehen und ernst genommen zu werden. Der Schülerbeirat fordert mehr Pädagogik-Schulungen und Fortbildungen für Lehrkräfte.