Ausgestattet mit Metallsonden und Spaten, streifen sie über das freie Feld oder durch die Wälder: Sondengänger. "Es gibt eine größer werdende Szene, die illegal nach Kulturdenkmälern sucht", warnt Jonathan Scheschkewitz vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg - auch mit Blick auf ein vom Landeskriminalamt und der Staatsanwaltschaft Stuttgart vor ein paar Wochen zerschlagenes Hehlernetzwerk. Es soll illegal erlangtes archäologisches Kulturgut verkauft haben und Kunde solcher Sondengänger gewesen sein.
Im Land seien mehrere tausend Personen in diesem Bereich illegal tätig, schätzte der Archäologe. Seit der Corona-Pandemie habe das Problem zugenommen. "Archäologische Funde müssen den Denkmalbehörden gemeldet und vorgelegt werden. Wer Funde unterschlägt oder illegal handelt, kann sich strafbar machen."
Alte Burganlagen im Wald bevorzugt
Besonders Burganlagen würden geplündert, da diese meist im Wald lägen und man dort ungestört suchen könne. Das könne große Schäden anrichten, weil dort der Boden nicht durch den Pflug bewegt worden sei und viele der Objekte exakt dort liegen, wo sie verloren, abgelegt, gelandet, oder aufgeschlagen sind. Insofern verliere man sämtliche dieser Informationen, wenn solche Funde unsachgemäß aus dem Boden geholt werden, erklärt Jonathan Scheschkewitz vom Landesdenkmalamt. Beispielsweise erlaube die Lage von Armbrustbolzen und anderen Geschossen, mögliche Angriffe auf eine Burg zu rekonstruieren. Der Fund römischer Münzen stellt meist für die Sondengänger keinen größeren Wert dar, aber im Kontext mit einer römischen Fundstelle hilft sie den Fachleuten bei der Datierung und gibt Informationen über Münzumläufe. Für die Archäologen sei deshalb auch immer wichtig, in welchem Zusammenhang der Fundort mit der Umgebung stehe.
Suche nach Militaria aus dem Zweiten Weltkrieg
"Unter den illegalen Sondengängern gibt es auch eine Gruppe, die sich besonders für Militaria-Sachen aus dem Zweiten Weltkrieg interessieren", sagte Scheschkewitz. Die suchten gezielt nach Dingen wie Orden, Stahlhelmen oder auch Munition. Das Landeskriminalamt verzeichnet eigenen Angaben zufolge mit dem Aufkommen der Corona-Pandemie ein verstärktes Aufkommen von Fällen "illegaler Raubgrabungen". Genauere Zahlen liegen aber nicht vor.
Razzia gegen Hehler
Im Fall der Razzia gegen das Hehlernetzwerk vor ein paar Wochen wird gegen mehr als fünf Personen ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. Im Wesentlichen werden der Tatvorwurf der Unterschlagung und des Inverkehrbringens rechtswidrig ausgegrabenen Kulturgutes geprüft. Im April wurden Wohn- und Geschäftsräume in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Rheinland-Pfalz sowie Niederösterreich durchsucht. Es waren Hunderte Ermittler im Einsatz. Auf die Spur der mutmaßlichen Täter kamen die Ermittler des im Juni 2025. Bei zwei Männern sei damals eine Vielzahl archäologischer Objekte sichergestellt worden, darunter hätten sich nach einer ersten Einschätzung auch bedeutsame Kulturschätze befunden.