Ein Feld, irgendwo im Hunsrück. Zwischen trockenen Stoppeln schwenkt Sascha Theis seinen Metalldetektor über den Boden. Immer wieder piept das Gerät und brummt. "Das ist nur Eisen, kein Edelmetall", sagt der Hobbyforscher aus Bergen.
Dann: ein lang gezogener Pfeifton. "Das könnte was sein", sagt Theis. Er kniet sich auf den Boden und zieht eine kleine Spitzhacke aus seiner Hosentasche. Ganz vorsichtig versenkt er sie in den Boden. Zentimeter um Zentimeter trägt er die Erde ab und fördert schließlich eine kleine Scheibe zutage.
Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Münze. Als Theis an dem Metall reibt, sieht er aber ein Blumenmuster. Es stellt sich heraus: Er hat einen Knopf gefunden, der vermutlich von der Uniform eines französischen Soldaten stammt.
Sondengänger suchen den Kick
Eigentlich sucht Theis aber nach etwas anderem: nach Spuren einer römischen Siedlung, die er unter dem Acker vermutet. Ein Landwirt hatte ihn auf die ungewöhnlichen Steinbrocken aufmerksam gemacht, die auf dem Feld verstreut liegen. Und die könnten auf uralte Gebäude hinweisen.
Theis darf nach diesen Überresten graben. Denn er hat eine Genehmigung der Landesarchäologie und dokumentiert alle seine Funde. Doch das macht nicht jeder so. Ein großer Teil der Szene sei illegal unterwegs. "Viele suchen nur den Kick, das Adrenalin", sagt der Hunsrücker Heimatforscher: "Aber der Schaden, den sie anrichten, ist nie wieder gutzumachen."
Hobby wird immer beliebter
Bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe heißt es: Die Zahl der sogenannten Sondengänger in Rheinland-Pfalz habe stark zugenommen, gerade rund um die ehemaligen Römerstädte Koblenz, Mainz und Trier. "Während der Corona-Pandemie kam da eine regelrechte Welle auf uns zu", sagt Timo Lang, der Leiter der Landesarchäologie in Koblenz: "Die Anfragen nach Genehmigungen sind durch die Decke gegangen."
Das Problem: Schon jetzt bekommen die Archäologen mehr Funde zugeschickt als sie untersuchen können. Deshalb werden kaum noch Genehmigungen für Sondengänger ausgestellt. "Sonst sind am Ende alle unzufrieden.", sagt Lang: " Die Sondengänger müssen jahrelang darauf warten, dass wir ihnen die Funde zurückgeben. Und wir können die ganzen Funde gar nicht mehr erfassen."
Hügelgrab im Hunsrück geplündert
Die Folge ist aber, dass immer mehr Menschen ihrem Hobby illegal nachgehen - mit teils dramatischen Konsequenzen. Wie im Fall eines römischen Friedhofs bei Schlierschied im Hunsrück. Über 80 Hügelgräber lagen dort mehr als 2000 Jahren unberührt unter einem Wald, bis Unbekannte im vergangenen Jahr eines der Gräber plünderten.
Die Grabbeigaben sind seitdem verschwunden. Die archäologischen Zusammenhänge zerstört. "Wer werden vermutlich nie wissen, wer dort begraben war", sagt Timo Lang. Und das ist nur eine von vielen Raubgrabungen, die er in den letzten Jahren gesehen hat.
Schatzsucher kritisiert Archäologen
Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Eine ganz andere Sicht auf das Sondeln hat ein Mann, der lieber anonym mit uns sprechen will. Er geht seinem Hobby seit einigen Jahren illegal nach, weil er keine Genehmigung bekomme.
Vermutlich aus der Zeit der Römer Mann findet 700 historische Münzen mit Metalldetektor im Brohltal
Wenn Frank Radermacher mit seinem Metalldetektor unterwegs ist, entdeckt er oft vor allem eines: Müll. Doch vor Kurzem hatte er einen ganz besonderen Fund: 700 historische Münzen.
"Mit der Archäologie kann man nicht zusammenarbeiten. Und die Geschichte gehört doch uns allen", findet er. Auch ihm gehe es nicht ums Geld, sondern um die Suche nach den Funden - um das Abenteuer.
Bundesländer lassen App entwickeln
Davon kann die Archäologie bestenfalls profitieren. Viele spannende Funde, die sich in Ausstellungen finden, wurden von privaten Schatzsuchern gemacht - zum Beispiel erst kürzlich ein römischer Münzschatz in Luxemburg.
Sascha Theis glaubt, dass die meisten in der Szene vernünftig sind und mit der Archäologie zusammenarbeiten würden. "Man könnte das Problem mit den Raubgrabungen in den Griff bekommen", meint er: "wenn man mehr Leuten das Graben erlauben würde." Das Problem ist, dass dafür das Personal fehlt.
Helfen soll künftig eine App, die derzeit von mehreren Bundesländern - darunter Rheinland-Pfalz - entwickelt wird. Dort sollen Hobbyforscher mehr Informationen über ihre Funde selbst eintragen können. Das würde den Wissenschaftlern viel Arbeit bei der Dokumentation ersparen. Doch noch ist die App nicht freigeschaltet.
Funde deuten auf Römer hin
Zurück zum Feld im Hunsrück. Der ganz große Fund ist leider ausgeblieben. Auch, weil Theis vermutet, dass hier schon vor ihm jemand gegraben hat: "Hier waren mit Sicherheit schon Raubgräber unterwegs, sonst hätte ich mehr gefunden." Trotzdem ist er zufrieden mit der Ausbeute: der historische Knopf, mehrere Bruchstücke aus Blei und Bronze, handgeschmiedete Nägel.
Die Funde sehen für den Laien unscheinbar aus. Aber für Theis deuten sie klar auf die Römer, vielleicht sogar auf die Siedlung, die er seit Jahren sucht. In den nächsten Wochen will er wiederkommen und nachschauen, welche Schätze der Acker noch bereithält.