Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen in Sorge

Stadt will Mietzuschuss streichen: Sozialer Second-Hand-Laden in Heidelberg steht vor dem Aus

Die Stadt Heidelberg hat dem Second-Hand-Laden des Frauenrings dieses Jahr den Mietzuschuss gekürzt. Für nächstes Jahr hat sie angekündigt, den Zuschuss komplett zu streichen.

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Von Autor/in Sabrina Mann

In Heidelberg betreibt der Frauenring seit fast 80 Jahren eine gemeinnützige Verkaufshilfe, einen Second-Hand-Laden. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen erwirtschaften dort jedes Jahr einen Gewinn, der dann an soziale Projekte geht. Letztes Jahr konnten so insgesamt 20.000 Euro an das Frauenhaus, den Frauennotruf, die Bahnhofsmission und den Kinderschutzbund gespendet werden. Jetzt fürchten die 35 Mitarbeiterinnen um ihren Second-Hand-Laden, in dem sie sich alle ehrenamtlich und die meisten schon seit vielen Jahren engagieren.

Stadt Heidelberg will Mietzuschuss streichen

Bisher bekam der Laden, der zentral in der Heidelberger Altstadt gelegen ist, einen Mietzuschuss von der Stadt Heidelberg. Der soll nächstes Jahr aber gestrichen werden, aufgrund knapper Kassen und erheblichem finanziellen Druck, heißt es in einem schriftlichen Statement.

Es ist ein tolles Team, wir arbeiten sehr gut miteinander und wir haben immer alle diesen Anspruch, etwas für Leute, für Menschen zu tun, denen es nicht so gut geht wie uns.

Bisher zahlte der Frauenring nach eigenen Angaben für die städtischen Räumlichkeiten eine eher symbolische Kaltmiete von jährlich 4.320 Euro. Seit diesem Jahr verlange die Stadt 10.000 Euro mehr, hieß es. Würde der Mietzuschuss nächstes Jahr komplett gestrichen, wie gegenüber der Projektleiterin Christa Hassenpflug angekündigt, wären das noch mal 17.500 Euro - also fast 32.000 Euro Miete insgesamt. Dann müsste der Laden schließen.

Frauen schauen sich die Kleidungsstücke im sozialen Second-Hand-Kaufhaus in Heidelberg an.
Bisher zahlten die Betreiber des Ladens eine eher symbolische Kaltmiete von jährlich 4.320 Euro.

Dann würden wir nur noch für die Miete arbeiten und das lässt sich natürlich gegenüber den Mitarbeitenden, das sind ja alles ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, und den Spenderinnen, die uns die Ware liefern, nicht mehr rechtfertigen. Weil die dann sagen, ja für was spenden wir dann, dann spenden wir für die Stadt Heidelberg.

Erlös geht an gemeinnützige Projekte

Viele Kunden kommen regelmäßig, manche schon seit Jahren. Die Lage ist zentral, die Auswahl groß und die Preise sind niedrig, im Gegensatz zu vielen kommerziellen Second-Hand-Läden. Man kann also günstig einkaufen und der Erlös geht an gemeinnützige Projekte, hinzu kommt ein weiterer wichtiger sozialer Aspekt: Kunden können Ware in Kommission abgeben, die dann im Second-Hand-Laden verkauft wird. Viele sind dafür dankbar.

Manchmal bin ich an der Kasse und wenn ich dann höre, wie glücklich die sind, dass sie hier diese paar Euros für ihre Kleider bekommen. Dann ist man happy, dass man hier diese ehrenamtliche Arbeit macht.

Hoffen auf Unterstützung aus der Politik

Das Sozialdezernat hat den Betreiberinnen die Mieterhöhung schon vor Monaten angekündigt. Allerdings muss der Heidelberger Gemeinderat erst noch zustimmen. Um das zu verhindern, haben die Betreiberinnen alle Fraktionen eingeladen, sich selbst ein Bild vor Ort zu machen. Auch wenn bisher nicht alle reagiert haben, hoffen die 35 Ehrenamtlichen jetzt auf Unterstützung aus der Politik, um das Aus vielleicht doch noch zu verhindern.

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