Vor 82 Jahren, am 20. Juli 1944, haben Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Mitstreiter versucht, Hitler zu töten und damit der Diktatur der Nationalsozialisten ein Ende zu setzen. Wehrmachtsverbände sollten innerhalb von eineinhalb Tagen die Staatsgewalt übernehmen, so der Plan. Der Anschlag missglückte, Hitler entkam. Mehr als 200 Menschen wurden infolge des Attentats hingerichtet - auch der aus Hohenlohe stammende Oberst Fritz Jaeger. Seine Rolle ist heute kaum noch bekannt. Autor Harald Zigan aus Kirchberg an der Jagst (Kreis Schwäbisch Hall) will mit einer Biographie an den Widerstandskämpfer erinnern.
Ein Hohenloher soll Goebbels festnehmen
Um 12:42 Uhr an jenem 20. Juli 1944 lässt Claus Schenk Graf von Stauffenberg im "Führerhauptquartier" in Ostpreussen eine Bombe detonieren. Sie soll Hitler töten. In Berlin wartet unterdessen der in Kirchberg an der Jagst geborene Oberst Fritz Jaeger auf einen Befehl von General Friedrich Olbricht.
Sie alle gehören zum Widerstand und sind in die Pläne eingeweiht. Jaeger soll Propagandaminister Joseph Goebbels festnehmen und den Rundfunk und das Reichssicherheitshauptamt, die zentrale Schaltstelle des NS-Terrors, besetzen. Doch dazu wird es nicht kommen.
Seine Soldaten erfahren, dass Hitler das Attentat überlebt hat und verweigern den Gehorsam. Einen Monat später wird Jaeger erhängt, sein Leichnam verschwindet. Sein Sohn, Krafft Jaeger, ebenfalls Soldat und in die Umsturzpläne eingeweiht, wird verhaftet. Das Vermögen der Familie ziehen die Nazis ein.
Die Erinnerung verblasst
In den Jahren nach dem Krieg sammelt Krafft Jaeger viele Dokumente zu seiner Familiengeschichte, nicht nur über seinen Vater. Die mehr als 30-bändige Sammlung vermacht er kurz vor seinem Tod der Geburtsstadt seines Vaters, Kirchberg an der Jagst.
Harald Zigan, inzwischen Rentner, hat dort lange als Lokaljournalist gearbeitet und immer wieder von Jaeger gehört, sich aber gewundert, warum so wenig über ihn bekannt ist.
Er taucht in der Fachliteratur nur am Rande auf - in Anmerkungen und Fußnoten. Wobei es über Stauffenberg und andere, die führenden Offiziere des Putschversuchs, reichhaltigste Fachliteratur gibt.
Mehr als 200 Widerstandskämpfer hingerichtet
Vor zwei Jahren bekommt Zigan vom Kirchberger Arbeitskreis Stadtgeschichte den Auftrag, eine Biographie über Jaeger zu schreiben. Mehrere Wochen liest er sich durch die mehrbändige Familienchronik. Er findet Hinweise, wie aus dem Jungen aus Kirchberg ein Soldat wurde - zunächst von den Ideen der Nationalsozialisten begeistert, dann aber merkt, dass die antisemitische Haltung nicht mit seinen christlichen Überzeugungen zusammenpasst.
Dennoch geht Jaeger 1934 zum Militär. Dort macht er Karriere, steigt bis zum Major auf. Er ist am Einmarsch in Polen und in Frankreich beteiligt und überlebt knapp die Kämpfe um Stalingrad.
Er hat gewusst, was an der Front vor sich geht, er wusste um die Ermordung von Juden und das hat ihn überzeugt, Hitler muss weg.
Durch einen Freund zum Widerstand gekommen
Über einen Freund bekommt Jaeger Kontakt zur militärischen Widerstandsbewegung um Stauffenberg.
Historiker der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg schätzen, dass als Vergeltung des Stauffenberg-Attentats mehrere hundert Menschen verhaftet und mehr als 200 hingerichtet wurden. Auch die Familienangehörige mussten mit den Folgen leben. Fritz Jaegers Sohn kam ins KZ Sachsenhausen, das er überlebte.
Mich hat fasziniert, wie Fritz Jaeger im Bewusstsein, dass es ihn das Leben kostet, einen unglaublichen Mut gezeigt hat bei der Umsetzung seines Auftrags.
In seinem Geburtsort Kirchberg an der Jagst wollen sie die Erinnerung an den mutigen Widerstandskämpfer aufrechterhalten. Im Rathaus, wo Jaeger 1895 geboren wurde, erinnert eine Tafel an ihn.