Der Weinbau im Südwesten steckt in einer historischen Sackgasse. Während Millionen Liter Wein aus Württemberg und Rheinhessen zu Industriealkohol verarbeitet werden müssen, weigert sich eine Gruppe junger Weingärtner aus Cleebronn (Kreis Heilbronn), tatenlos zuzusehen. Ihr Entschluss steht fest: "Das kann so nicht weitergehen." Diese Winzer setzen auf eine südländische Zukunft.
Inspiration aus Portugal: Paul Speitelsbach hat die Idee
Die Initialzündung für das Projekt holte sich der Cleebronner Winzer Paul Speitelsbach kurz vor Weihnachten in Portugal. Vor Ort analysierte er die Erntebedingungen der mediterranen Frucht. Sein Fazit fällt eindeutig aus: Während die Winzer daheim wegen der Sommerhitze die Traubenlese in wenigen Wochen mit viel Stress durchpeitschen müssen, bietet die Olive ein entspannteres, langes Erntefenster. Zudem übersteht der Olivenbaum extreme Dürreperioden problemlos.
Schnelle Einigkeit: "Wir versuchen es"
Speitelsbach bespricht sich mit seinen Cousins Jonas und Simon Oehler und mit seiner Partnerin Julia Wein. Schnell sind sie sich einig: Es ist einen Versuch wert. Die Pflanzen lassen sie sich aus Spanien schicken: Diese Olivensorte reift früh und hält Frost bis minus 14 Grad problemlos aus.
Mit GPS und 40 Satelliten: Maßarbeit im Weinberg
Dass die Jungwinzer ihr Handwerk verstehen, zeigt die Präzision auf dem Feld: 400 Olivenbäume stehen mittlerweile in Reih und Glied. Mittels GPS und der Verbindung zu rund 40 Satelliten steuerten sie den Traktor. Das Ergebnis ist eine exakte Pflanzung: 135 Zentimeter Abstand zwischen den kleinen Bäumen und einer Abweichung von exakt null Zentimetern.
Julia Wein hat die Vermarktung schon im Blick
Die Cleebronner blicken optimistisch nach vorne, auch wenn die kleinen Bäume nun erst einmal wachsen müssen. In zwei Jahren rechnen sie mit der ersten Ernte. Weingärtnerin Julia Wein denkt schon an die Vermarktung: Das Ziel ist kein Massenprodukt, sondern ein exklusives, regionales Olivenöl für lokale Hofläden. Die logistischen Weichen stellen die Cleebronner ebenfalls schon: Erste Gespräche mit einem Ölmüller aus der Pfalz laufen bereits.
Ölivenöl könnte auch direkt in der Region hergestellt werden Oliven statt Wein: Die ersten Winzer steigen um
In Weinsberg wandelt ein Winzer seinen Weinberg aus wirtschaftlichen Gründen in einen Olivenhain um. Für die Herstellung von Olivenöl gibt es bereits einen Partner.
Auch andere Winzer gehen neue Wege
Auch andere Winzer aus Württemberg suchen Alternativen zum klassischen Weinbau: So hat Hermann Frisch aus Weinsberg (Kreis Heilbronn) bereits im vergangenen Jahr Olivenbäume in seinen Weinberg gepflanzt. Allerdings im kleineren Stil, bei ihm waren es 30. Sechs Olivenbäume stehen im Weinberg von Christian Seybold in Lauffen (Kreis Heilbronn).