In Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) haben vor allem Frauen unter 40 Jahren Angst davor Opfer von Straftaten zu werden. Besonders hoch sei der Wert bei Frauen unter 20 Jahren mit Migrationshintergrund, so der Kriminologe Dieter Hermann. Er hatte im Frühjahr mit seinem Team 5.000 Menschen befragt und nun die Ergebnisse vorgestellt. Dazu machten Forscher und Befragte der Stadt zahlreiche Vorschläge.
"Wir werden sehr, sehr vieles umsetzen", stellte Sozial- und Baubürgermeister Jörg Steuler in Aussicht. Zum Beispiel werde es mehr Beleuchtung in der Stadt geben. Eine Waffenverbotszone, wie in Heilbronn, sei aber nicht umsetzbar, da es in Crailsheim keine "gefährlichen Orte" gebe.
Angst vor respektlosen Machos mit und ohne Migrationshintergrund
Unwohl fühlen sich Befragte vor allem rund um den Crailsheimer Hauptbahnhof, am zentralen Omnibusbahnhof, auf Spielplätzen und in Unterführungen. Ein zentraler Aspekt, der Angst mache, sei respektloses Verhalten, wie zum Beispiel Pöbeln, so Hermann. Eine Gruppe steche dabei besonders heraus: "Männer mit einem verqueren Frauenbild und machohaften Verhalten". Dies betreffe Männer mit und ohne Migrationshintergrund.
Gerade hier habe die Stadt bereits zahlreiche Angebote und Aktionen gemacht, betont Bürgermeister Jörg Steuler. Zum Beispiel Sportangebote für junge Männer zum Abbau von Stress oder Anti-Rassismus-Projekte. Auch von einer Aktion mit Syrern und Afghanen im September berichtete er.
Forscher: Waffenverbotszone in Heilbronn wirkt
Dieter Hermann ist Professor für Kriminalitätstheorien und Präventionsforschung an der Universität Heidelberg und rät den Crailsheimerinnen und Crailsheimern, die Aktionen für mehr Respekt besser zu vernetzen und bekannter zu machen. Außerdem empfahl er, wo es rechtlich möglich ist, Messer- und Waffenverbotszonen einzurichten. Diese könnten dazu beitragen, respektloses Verhalten zu reduzieren.
Dies zeige seine neue Untersuchung in Heilbronn. "Wer nicht gerne kontrolliert werden möchte, benimmt sich dort auch entsprechend", so Hermann. Zum Beispiel sei in Heilbronn die Zahl der sexuellen Belästigungen in diesem Bereich gesunken. Außerdem wünschten sich 70 Prozent der Befragten eine Beibehaltung der Zonen.
Crailsheimer Bürgermeister: "Müllsünder sorgen für falschen Eindruck"
Von Seiten der Befragten in Crailsheim wurde unter anderem Müll und Dreck kritisiert. Die Stadtverwaltung findet die Innenstadt dagegen sauber. Im vergangenen Jahr sei allein für die Reinigung mehr als eine halbe Million Euro ausgegeben worden, so Steuler.
Es gebe jedoch in letzter Zeit einzelne Personen oder Familien, die ihren Hausmüll in die Papiercontainer der Stadt stopften. Das werde sich die Stadt nicht länger bieten lassen.
Konkrete Entscheidungen erst 2026
Die Crailsheimer Stadtverwaltung will alle Vorschläge analysieren und schauen, wie genau diese umgesetzt werden könnten. Das sei ein Prozess, der nicht von heute auf morgen gelinge, so Bürgermeister Steuler. Mit konkreten Entscheidungen werde im ersten Halbjahr 2026 gerechnet.