Die Dürre macht auch den Tieren im Wald momentan sehr zu schaffen. Und deshalb haben die Jäger richtig viel zu tun: Hariolf Scherer, ehemaliger Kreisjägermeister aus Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis), fährt jede Woche mit Schlepper und angehängtem 3.000-Liter-Fass Wasser in den Wald, damit die Tiere nicht verdursten. Das Wasser stellt ihm ein Nachbar zur Verfügung, der auf seinem ehemaligen Hof eine riesige Regenwasserzisterne hat.
Der Bad Mergentheimer Jäger hat in seinen beiden Revieren gleich mehrere Kunststoffbecken aufgestellt und befüllt sie. Auch in die Natursuhlen, das sind Schlammpfützen, lässt er immer wieder frisches Wasser. An solch eine "verheerende Trockenheit" wie in diesem Jahr kann sich Scherer nicht erinnern. Die Not draußen sei riesengroß.
Viele durstige Tiere an den Wassertränken der Jäger
"Ich war skeptisch, ob die Tiere die künstlichen Tränken überhaupt annehmen", sagt der Jäger. Aber da sei richtig was los. Rehe, Insekten, Vögel und Wildschweine scheinen regelrecht darauf gewartet zu haben. Ständig seien durstige Tiere am Wasser und bedienen sich.
Ähnliches Bild in Grünsfeld (Main-Tauber-Kreis). Jagdpächter Peter Kugler ist momentan jeden Tag im Wald. An vier Stellen füllt er frisches Wasser nach. "Alle Tiere draußen im Wald freuen sich da gerade drüber", stellt er fest.
Im Wald und auf Feldern: Natürliche Nahrung nahezu "verdorrt"
Normalerweise kommen Wildtiere ohne die Hilfe von Menschen zurecht. Rehe beispielsweise nehmen Flüssigkeit über ihre natürliche Nahrung auf, fressen saftige Blüten, Knospen und stillen ihren Bedarf mit dem Morgentau, der auf den Blättern liegt. Aber in diesem Hitzesommer ist laut Kugler "alles verdorrt".
Deshalb halten sich Rehe und Wildschweine momentan auch häufig in Maisfeldern auf. "Das ist das letzte Grün, das es draußen gibt", sagt der Bad Mergentheimer Jäger. Die Felder, die ebenfalls unter der Trockenheit leiden, würden regelrecht "geplündert". Die kleinen Maiskolben und die feinen Haare daran sind eine Art Feuchtfutter für die Tiere. Die Schäden auf den Feldern seien dadurch enorm.
Der Hitzestress erhöht auch das Risiko für Wildunfälle. Denn auf der Suche nach Wasser und Nahrung queren vor allem Rehe auch tagsüber häufiger die Straßen. In Kuglers Revier gab es in diesem Jahr bereits außergewöhnlich viele Wildunfälle. "Witterung, Brunftzeit und mehr Verkehr", da käme momentan einiges zusammen, so der Jäger.
Suche nach Wasser: Greifvögel hängen in Regentonnen fest
Erfrischendes Nass suchen derzeit nahezu alle Tiere. Doch große Kunststoffbecken im Wald, aber auch Regentonnen im heimischen Garten können schnell zur Todesfalle werden. "Wir haben in diesem Jahr schon Greifvögel aus Regentonnen gezogen", berichtet Scherer. Wegen ihrer enormen Flügelspannweite hätten sie es nicht mehr ins Freie geschafft.
Deshalb rät der Jäger dringend, in offene Wasserstellen immer einen größeren Ast oder ein Stück Holz zu legen, eine Art "Rettungsfloß". Das helfe den Vögeln, aber auch allen Insekten wieder herauszukommen.