Gegenbewegung zu Fast Fashion

Secondhand voll im Trend? Warum Schwäbisch Hall auf nachhaltige Mode setzt

Secondhand liegt im Trend: Einzigartige Mode, nachhaltiges Shopping und ein gutes Gewissen. In Schwäbisch Hall wächst die Szene und zieht Menschen aller Generationen an.

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Von Autor/in Juliane Pyper

Secondhand-Shopping ist längst mehr als nur eine Notlösung für Sparfüchse - es ist ein Trend, ein Statement und für viele Menschen ein kleines Abenteuer. Während Fast Fashion enorme Mengen an Ressourcen verbraucht und die Kleiderschränke überflutet, setzen immer mehr Menschen auf nachhaltige Alternativen und entdecken die Freude an bereits getragener Kleidung. Der Kauf gebrauchter Kleidung schont nicht nur die Umwelt, sondern bietet auch die Möglichkeit, hochwertige und oft einzigartige Stücke zu einem günstigen Preis zu finden.

"Secontique" der Aktion Hoffnung

Auch in Schwäbisch Hall liegt Secondhandmode voll im Trend. Dort gibt es gleich mehrere Secondhand-Geschäfte. Erst im Oktober vergangenen Jahres hat dort ein weiteres eröffnet: die "Secontique", ein Secondhand-Shop, der sich als "Boutique" ausgibt - also ein Bekleidungsgeschäft, in dem es auch hochwertige Mode zu kaufen gibt. Das Geschäft möchte alle Generationen ansprechen. Dort finden auch Events wie etwa Lesungen oder Diskussionen statt. Der Erlös geht an soziale Projekte. Die "Secontique" gibt es in Baden-Württemberg bereits sechs Mal. Die Geschäfte gehören zur Aktion Hoffnung, die wiederum zur katholischen Kirche gehört.

Durch Secondhand-Shopping Gutes tun

Das Konzept des Secondhandladens: Sämtliche Klamotten werden auf Spendenbasis angenommen, werden auf Flecken und Löcher geprüft, sortiert und vor Ort im Geschäft verkauft. Klamotten, die nicht mehr gut genug sind für den Shop, kommen in den Altkleidercontainer, erklärt Jule Matysik, Leiterin der "Secontique" in Schwäbisch Hall. Der Erlös der verkauften Ware wird an soziale Projekte weltweit gespendet, wie beispielsweise an eine Ferienbetreuung für geflüchtete, traumatisierte Kinder.

"Wenn es ein Fehlkauf war, wenn es nicht mehr passt oder man sich einfach satt gesehen hat, dann kann man das bei uns vor Ort abgeben und die Schwäbisch Haller können hier wieder einkaufen", sagt Jule Matysik. Die Preisspanne der Klamotten liegt zwischen 6 Euro und 35 Euro, je nachdem ob es sich um ein Markenprodukt handelt oder nicht. Verhandelt werden kann der Preis nicht. "Wir versuchen für jeden Geldbeutel etwas passendes zu haben", so Matysik.

Schwäbisch Hall spendet, Schwäbisch Hall kauft ein - weniger CO2

Dadurch, dass Menschen aus Schwäbisch Hall dem Geschäft ihre Klamotten spenden und andere Schwäbisch Haller sie dann wieder einkaufen, werden große Transportwege eingespart:

Das heißt: Vor Ort abgeben, vor Ort einkaufen.

Im Vergleich zu anderen Secondhandläden, die Massen an Klamotten von überall einkaufen und dadurch weite Transportwege zurücklegen, fällt bei diesem Konzept kein CO2 an, sagt Matysik. "Und das ist für mich eigentlich die beste Form der Nachhaltigkeit."

Secondhand-Trend nur bei jüngeren Leuten?

"Es ist ein Trend, Secondhand zu kaufen", sagt Matysik. Das neue Geschäft werde sehr gut angenommen, täglich kommen neue Klamottenspenden und auch die Kundinnen und Kunden freuen sich über die neue Möglichkeit zum Secondhand-Shopping. Das Geschäft sei laut Matysik schon die vierte Stelle in Schwäbisch Hall, wo man Secondhandklamotten kaufen kann. Ihrer Meinung nach konkurrieren die Geschäfte aber nicht untereinander: "Wir merken, es gibt echt genug Kleider für uns alle, also wir nehmen uns nichts weg".

Second Hand Shops in Schwäbisch Hall
Jule Matysik, Leiterin der "Secontique" in Schwäbisch Hall, sortiert die tägliche eintreffende Secondhandware.

Matysik bekommt von Kundinnen und Kunden mit, dass sie vor allem aus Nachhaltigkeitsgründen gebrauchte Kleidung einkaufen. Secondhand-Shopping spreche nicht nur eine Generation an, in den Laden kommen sowohl jüngere als auch ältere Kundinnen und Kunden. Man merke "wirklich alle haben Lust", so Matysik weiter.

Eine junge Kundin, die aus der Nähe von Schwäbisch Hall kommt, ist vom Secondhand-Konzept überzeugt: "Die Sachen, die andere nicht mehr brauchen, können so nochmal eine Verwendung finden". Auch für Leute, die nicht so viel Geld haben und sich trotzdem modisch anziehen möchten, findet sie das Konzept "cool".

Hier hat man auch dasselbe Feeling wie in einem normalen Laden. Die Sachen sind ja auch ziemlich modern, also man merkt echt keinen Unterschied.

Sie kauft auch häufig online ein, beispielsweise auf der Plattform "Vinted". Eine weitere Kundin findet gebrauchte Kleidungsstücke schon länger "absolut gut" und kauft häufig Secondhandklamotten für ihre Kinder, auch auf Flohmärkten. Eine andere Frau freut sich über "Einzelteile, die nicht jeder trägt".

Die "Secontique" möchte nicht nur ein Klamottengeschäft sein, sondern auch das Leben in der Schwäbisch Haller Innenstadt aktiv mitgestalten. Kommende Woche soll es beispielsweise eine Lesung im Geschäft geben.

Auch Deutsches Rotes Kreuz in Schwäbisch Hall merkt Secondhand-Hype

Brigitte Müller, Teamleiterin vom Deutschen Roten Kreuz (DRK)-Kleiderladen in Schwäbisch Hall, sieht auch einen Trend hin zur Secondhandmode. Seit einiger Zeit kommen mehr Kundinnen und Kunden in den Laden, vor allem jüngere Leute.

Es gibt immer mehr Leute, die nachhaltiger denken.

Second Hand Shops in Schwäbisch Hall
Immer mehr jüngere Leute kommen in den DRK-Kleiderladen in Schwäbisch Hall.

Um noch mehr junge Leute anzusprechen, hat sich der DRK-Kleiderladen auch ein Profil auf Instagram eingerichtet. Eine Tonne Klamotten landet pro Woche beim DRK in Schwäbisch Hall. Alles werde angenommen und dann aussortiert. Ein Teil kostet im Laden dann maximal 20 Euro, sagt Müller.

Kleidertaschpartys und Klamottenflohmärkte: Shopping und Socializing

Die Jugendplattform der Caritas, "youngcaritas" in Heilbronn-Hohenlohe, veranstaltet regelmäßig sogenannte Kleidertauschpartys. Dabei können Menschen ihre Klamotten mitbringen, die sie nicht mehr brauchen und diese gegen andere Secondhandmode von anderen Menschen eintauschen. "Das ist unser Ziel dabei, dass man einfach nicht neue Sachen kaufen muss, sondern dass man den alten Sachen, die man im Kleiderschrank hat, eine zweite Chance gibt", sagt Melanie Müllerschön von der youngcaritas. Für die Klamotten muss nichts bezahlt werden. Außerdem soll dabei Partystimmung aufkommen - bei Musik, Snacks und guter Laune. Die nächste Kleidertauschparty findet am 21. März in Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) statt.