Für den Neckarsulmer Fußballverein SC Amorbach (Kreis Heilbronn) war das vermutlich einer der dunkelsten Tage in der Vereinsgeschichte. Bei einem Unfall auf der A6 nahe Kirchardt (Kreis Heilbronn) waren vor rund vier Wochen insgesamt acht Kinder und der Fahrer eines Kleinbusses zum Teil schwer verletzt worden. Viele Menschen halfen vor Ort - bei ihnen will sich der Verein nun bedanken.
Ausflug endet mit schwerem Unfall
Die Jugendmannschaft des SC Amorbach war am Abend des 20. Juni auf der Rückfahrt von einem Ausflug ins Freizeitbad Miramar. Die Kinder hatten sich den Ausflug als Belohnung für die Meisterschaft selbst ausgewählt, erzählt Jugendtrainer Necip Cinar im SWR-Interview. Er fuhr einige Fahrzeuge vor dem Kleinbus der Mannschaft, stand auf einmal im Stau. Als er plötzlich Reifenquietschen und einen lauten Knall hörte, ahnte er sofort, dass etwas passiert sein musste. Insgesamt waren vier Autos ineinander gekracht.
"Das war der reinste Horror", sagt er rückblickend. Als er die Tür des verunfallten Kleinbusses öffnete, bot sich ihm ein Bild, das ihn bis heute beschäftigt: Verletzte Kinder, Schreie, Tränen und große Angst.
Die Kinder, die haben geschrien, Necip, hilf mir, ich will zu meiner Mutter. Necip, hilf mir.
Insgesamt wurden 13 Menschen teils schwer verletzt, darunter acht Kinder des SC Amorbach. Drei der Kinder mussten noch am Unfallabend operiert werden - sie erlitten Armbrüche sowie ein Kind einen Oberschenkelhalsbruch. Insgesamt elf Personen wurden ins Krankenhaus gebracht. Zwei Rettungshubschrauber waren im Einsatz.
Autobahn bei Kirchardt stundenlang gesperrt Vier Autos kollidieren an Stauende auf A6 - acht Kinder unter den Verletzten
Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Autobahn 6 bei Sinsheim sind am Samstagabend 13 Menschen teils schwer verletzt worden, darunter auch acht Kinder einer Jugendfußballgruppe.
Verein organisiert Dankeschön-Fest für die Helfer
Während der Fahrer eingeklemmt war, versuchten Necip Cinar und andere Helfer, die Kinder aus dem Fahrzeug zu holen. Kurz darauf trafen immer mehr Menschen ein, die sofort mit anpackten, erzählt der Jugendtrainer. Ihn hat dieses Erlebnis geprägt, sagt er: "Ich war echt gottfroh, dass so viele Helfer da waren."
Viele kümmerten sich direkt um die verletzten Kinder, beruhigten sie und blieben an ihrer Seite, bis Rettungsdienst und Notärzte die Versorgung übernahmen. "Ich wüsste nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich alleine gewesen wäre. [...] Ich finde, solchen Menschen muss man mal Danke sagen", so der Trainer weiter.
Aus dieser Dankbarkeit heraus entstand die Idee für das geplante Fest am Samstag, 25. Juli um 17 Uhr auf dem Sportgelände des Vereins. Nachdem der in den sozialen Netzwerken nach den Helfern gesucht hatte, meldeten sich bis heute insgesamt neun Menschen, die damals vor Ort geholfen hatten. Vielleicht könne das Fest ein positiver Schlusspunkt sein, meint der Vorsitzende des SC Amorbach, Ralf Wache.
Vielleicht wäre das ein guter Ausklang - ein Fest, dass alles gut gegangen ist, dass alles gut verlaufen ist.
SC Amorbach: Die Ersthelfer sind die "wahren Helden"
Viele Ersthelfer hätten wissen wollen, wie es den Kindern inzwischen geht, sagt Wache. Das Treffen solle Gelegenheit geben, sich auszutauschen und das Erlebte gemeinsam aufzuarbeiten. Geplant sind gemeinsames Grillen und vor allem Gespräche zwischen Kindern, Eltern und den Helfern.
Und doch könnte es so viel mehr sein als das, hofft Necip Cinar. Ihm sei wichtig, sichtbar zu machen, wie unverzichtbar Menschen sind, die in Ausnahmesituationen Verantwortung übernehmen. Oder wie es der Verein selbst auf seiner Internetseite formuliert hat: Die Helfer sind "die wahren Helden des Alltags".
Verletzte aus brennendem Auto auf A6 gezogen Ersthelfer über Mut und Zivilcourage: Wenn Anhalten Leben rettet
Bei einem Unfall in Wolpertshausen überlebten drei Menschen - ihnen wurde schnell geholfen. Andreas Ulbrich war ein Ersthelfer. Er macht auf das Thema Zivilcourage aufmerksam.
Mittlerweile gehe es fast allen Kindern wieder einigermaßen gut, heißt es. Die Prellungen und Schürfwunden seien gut verheilt. Nur eines der Kinder musste am vergangenen Wochenende erneut operiert werden, berichtet Vorstand Ralf Wache. Auch der Fahrer befinde sich auf dem Weg der Besserung - er hatte Schnittwunden, Prellungen und Quetschungen davongetragen.
"Bei dem einen oder anderen sitzt der Schock einfach immer noch tief", sagt Wache. Umso schöner sei es zu sehen, wie groß die Bereitschaft der Menschen sei, zu helfen. Auch jetzt noch: Egal ob Geldspenden oder auch Massage- und Wellnessangebote von einem Studio im Ort - das "Wohlbefinden der Kinder", so Wache, liege vielen Menschen am Herzen. Für ihn ist das vielleicht die wichtigste Erkenntnis nach einem Tag, den der SC Amorbach so schnell nicht vergessen wird.