Im VW-Werk in Wolfsburg (Niedersachsen) stellt sich CEO Oliver Blume am Dienstag zum ersten Mal seit den Berichten über mögliche Sparpläne beim Autobauer den Beschäftigten. Bis zu 100.000 Arbeitsplätze weniger, vier Werke stehen auf der Kippe, darunter das Audi-Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) - so könnten die Pläne aussehen.
Blume bezeichnete die Lage von VW erst am Freitag in einem Video als "mehr als kritisch". Umso genauer schaut man auch bei Audi auf die Betriebsversammlungen.
Audi-Betriebsrat Neckarsulm: Hoffnung auf Klartext
Noch immer kursiert Blumes Aussage, es gebe "intelligentere Lösungen als Werksschließungen". Noch immer aber ist unklar, wie diese Lösungen aussehen. Endlich Klartext erwartet deswegen auch der Betriebsrat des Neckarsulmer Audi-Werks, heißt es auf SWR-Anfrage: Welche Pläne gibt es genau, welche Auswirkungen auf die Standorte haben diese? Erst mit konkreten Aussagen könne man auch konstruktive Gespräche über die Zukunft beginnen, so ein Sprecher des Betriebsrats.
Mehrere tausend Menschen bei Protestaktion Wegen VW-Sparplänen: Proteste bei Audi in Neckarsulm gehen weiter
Sie wollen ein Zeichen für die Zukunft von Audi in Neckarsulm setzen: Gewerkschaft und Betriebsrat haben die Audianer am Mittwoch zu einer Protestaktion vor dem Werk aufgerufen.
Dass es gerade an klaren Aussagen fehlt, kritisierte erst am Montag der VW-Betriebsrat. "Desaströse Kommunikation" hieß es gar. Beschäftigte seien "verunsichert und verängstigt", heißt es im Intranet des Autobauers. Das habe eine Befragung zur Stimmungslage der Mitarbeitenden ergeben.
Belegschaft muss mitziehen - fordert CEO Blume
Von diesen fordert VW-Chef Blume wiederum: "Alle müssen mitziehen", sagte er der "Bild am Sonntag". Man habe "den größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns aufgesetzt". Die nächsten Jahre seien jetzt entscheidend, wer an der Spitze bleibt, so Blume.
Vor dem Audi-Werk Neckarsulm äußerten sich am Montag mehrere Arbeiterinnen und Arbeiter enttäuscht und forderten Klarheit über die Zukunft des Werks. Die Stimmung unter den Mitarbeitenden sei mies, war vereinzelt zu hören. Einige der Angestellten zeigten sich zu Einschnitten bereit um ihre Jobs zu sichern, andere sehen vor allem Fehler des Managements verantwortlich und kritisierten die Sparpläne. Mitarbeiter Markus Thomas erwartet Klarheit. Er hofft auf eine klare Zusage für den Standort und nicht nur auf heiße Luft.
Dass von der Führungsebene nach unten nichts kommuniziert wird, ist schon sehr traurig und hat wenig mit Wertschätzung zu tun.
VW-Chef kommt im Oktober nach Neckarsulm
Die Betriebsversammlung in Wolfsburg am Dienstag ist nur der Auftakt. Am Mittwoch sind weitere in Emden (Niedersachsen) und Zwickau (Sachsen) geplant. Auch diese beiden Werke werden bei den Sparplänen genannt. Mögliche Entscheidungen wird es aber voraussichtlich nicht vor Anfang September geben, dann steht die nächste Aufsichtsratssitzung bei VW an.
Am 8. Oktober wird CEO Blume dann zur Betriebsversammlung in Neckarsulm erwartet, dafür gebe es zumindest eine mündliche Zusage, so der Betriebsrat.