Der Europa-Park in Rust (Ortenaukreis) braucht für seine Achterbahnen, Hotels und Restaurants viel Strom. Wie viel, dazu will der Park keine Angaben machen. Klar ist aber: In Zukunft wird Deutschlands größter Freizeitpark noch mehr Strom brauchen. Für seine Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen und neue Attraktionen - wie zum Beispiel den geplanten Themenbereich "Nørd Havn" in der Wasserwelt Rulantica, der Ende 2027 öffnen soll.
Stromintensive Vorhaben im Ortenaukreis eingeschränkt
Doch es gibt ein Problem. In Teilen des Ortenaukreises herrscht seit einiger Zeit ein Engpass im Stromnetz. Größere Projekte mit einem Strombedarf von über einem Megawatt können deshalb nur eingeschränkt angeschlossen werden. Industrie und Gewerbe müssen länger auf neue Stromanschlüsse warten. Auch der Europa-Park ist von dem Engpass beim Netzbetreiber Netze BW betroffen.
Tankstellenbetreiber aus Lahr wartet auf Anschluss Netzengpass: Kein Strom für neue E-Lkw-Ladesäulen
Ein Unternehmen aus Lahr will die Energiewende vorantreiben, doch ein Engpass im Stromnetz bremst ihn aus. Dabei braucht es bis 2035 deutlich mehr öffentliche Ladepunkte für E-Lkw.
Europa-Park braucht Strom zum Wachsen
Aktuelle Entwicklungsvorhaben wie der Bau des neuen Weltraum Themenbereichs seien nicht vom Netzengpass betroffen. Mit Blick auf die langfristige Entwicklung des Parks am Standort in Rust gewinne das Thema Energieversorgung aber weiter an Bedeutung, schreibt die Unternehmenskommunikation des Europa-Parks auf SWR-Anfrage.
Denn in Zukunft braucht der Europa-Park voraussichtlich immer mehr Strom. Ein Grund dafür: die zunehmende Elektrifizierung. Der Europa-Park will seine Ladeinfrastruktur für Autos und Busse ausbauen, Wärmepumpen sollen verstärkt im Park zum Einsatz kommen. Vor allen Dingen aber will der Europa-Park auch in Zukunft weiter am Standort in Rust wachsen können.
Eine langfristig leistungsfähige und zukunftssichere Energieinfrastruktur ist für die weitere Entwicklung des Standorts von großer Bedeutung.
Europa-Park will eigene Stromerzeugung weiter ausbauen
Der Europa-Park stehe in engem Austausch mit Politik, Behörden, Netzbetreibern und Energieversorgern, heißt es. Ziel sei es, kurz- und langfristige Lösungen zu finden und eine "zukunftsfähige Energieversorgung für den Standort sicherzustellen".
Das Thema hat für uns entsprechend hohe Priorität.
Gleichzeitig arbeitet der Europa-Park daran, die Auswirkungen des Netzengpasses abzufedern. Eine entscheidende Rolle spiele dabei die eigene Energieerzeugung. Auf Parkflächen und Dächern hat der Park bereits zahlreiche Photovoltaikanlagen installiert. Außerdem erzeugt er Energie mit Blockheizkraftwerken und einem Wasserkraftwerk an der Elz. Auch in Zukunft will der Park die eigene Stromerzeugung weiter ausbauen.
Zudem werde daran gearbeitet, den Freizeitpark noch energieeffizienter zu machen, heißt es. Auch der Einsatz von Batteriespeichern werde derzeit geprüft. Von der Politik, den Behörden und den zuständigen Netzbetreibern erwartet der Europa-Park "koordiniertes Handeln, um diese Situation schnellstmöglich zu lösen", so die Unternehmenskommunikation.
Europa-Park mitverantwortlich für Netzengpass?
Der Netzengpass im Ortenaukreis hat mehrere Gründe, erklärt der Netzbetreiber Netze BW auf SWR-Anfrage. Zum einen ändere sich mit der Energiewende die Struktur des Stromnetzes grundlegend. Anstatt großer Kraftwerke speisen heute viele dezentrale Anlagen Strom aus erneuerbaren Energien ein. Zum anderen steige der Strombedarf deutlich. Zum Beispiel durch Elektromobilität, KI-Rechenzentren und Industrie. Im Ortenaukreis werde diese Entwicklung besonders deutlich: "Allein 2025 gingen dort Neuanfragen für Strombezug ein, die rund 50 Prozent der aktuellen regionalen Spitzenleistung entsprechen", so die Netze BW GmbH.
Als großer Wirtschaftsstandort und bedeutender Stromverbraucher ist der Europa-Park Teil einer insgesamt deutlich steigenden Leistungsnachfrage in der Region.
Der Freizeitpark ist nach Angaben des Netzbetreibers Netze BW mitverantwortlich für den wachsenden Stromverbrauch. Auf einen einzelnen Anschlussnehmer lasse sich der Netzengpass aber nicht zurückführen.
Eine Taskforce soll das Strom-Problem im Ortenaukreis nun lösen. Der Netzausbau im Hochspannungsnetz laufe bereits. Laut Netze BW sollen im Raum Lahr ab 2032 erste Verbesserungen spürbar sein. Der vollständige Ausbau sei aber erst zwischen 2035 und 2037 vorgesehen, so Netze BW.