Der Unternehmer Niklas Günther will an seiner Tankstelle in Lahr (Ortenaukreis) Ladesäulen für E-Lastwagen bauen. Aber es gibt einen Haken: Er bekommt keinen Stromanschluss. Und das, obwohl es bis 2035 über 13.000 öffentliche Ladepunkte für E-Lkw im Land bräuchte. Das zeigt eine Studie des Verkehrsministeriums BW.
Schon vor rund sechs Jahren hat der Lahrer Tankstellenbetreiber begonnen, in die Elektrifizierung des Verkehrs zu investieren. Auf seinem Tankhof stehen schon sieben Ladesäulen für Pkw. Günther würde gerne noch um zehn bis fünfzehn Ladesäulen für E-Lkw erweitern. Eine eingezäunte Wiese neben dem Tankstellengelände steht seit 2022 bereit.
Strom für E-Lkw? Vier Anträge, drei Absagen
Für Niklas Günther ist die Situation frustrierend: Er möchte investieren und die Ladeinfrastruktur ausbauen - doch seit Monaten kommt er keinen Schritt weiter. Als er im vergangenen Jahr seine erste Netzanschlussanfrage beim E-Werk Mittelbaden stellte für acht Megawatt, erhielt er drei Monate später eine Absage - auch auf Nachfrage ohne Begründung.
Also versuchte er es noch einmal - mit einem Antrag für vier Ladesäulen mit jeweils einem Megawatt Leistung. Wieder kam eine Absage. Also reduzierte er sein Vorhaben weiter auf zwei Ladesäulen. Doch auch dafür gab es kein grünes Licht.
Erst ein Bericht der Mittelbadischen Presse brachte Bewegung in die Sache. Kurz danach habe ihm der Netzbetreiber telefonisch erklärt, dass ein Netzengpass in Baden-Württemberg einer der Gründe dafür sei, warum er derzeit keinen entsprechenden Stromanschluss bekomme. Aktuell wartet er auf die Antwort zu seinem Antrag für nur noch eine einzige Ladesäule.
Mangelnde Ladeinfrastruktur bremst Verkehrswende aus
Dass das Stromnetz nicht bereit ist, ist für Günter doppelt frustrierend. Zum einen steige die Nachfrage bei seinen Kunden, so der Unternehmer. Zum anderen steigen immer mehr Logistikunternehmen auf E-Lkw um, häufig, um teure und unsichere Spritpreise zu vermeiden. Das bekommt Günther auch von seinen Kunden gespiegelt.
Auch Fahrzeughersteller setzen verstärkt auf E-Lkw. Laut einer vom Verkehrsministerium in Auftrag gegebenen Studie gehen die Hersteller davon aus, dass die meisten Lkw auf batterieelektrische Antriebe umgestellt werden. Doch die mangelnde Ladeinfrastruktur bremst diese Entwicklung aus.
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Dabei ist es entscheidend, dass auch Nutzfahrzeuge auf emissionsfreie Antriebe umgestellt werden, wenn Baden-Württemberg die gesetzlich vorgeschriebenen Klimaschutzziele im Verkehr erreichen will. Dazu braucht es laut der Studie vor allem entlang von Autobahnen wie der A5 viele neue Ladepunkte für E-Lkw. Die Tankstelle von Günther wäre also ein idealer Standort.
Stromnetz kann mit E-Ausbau nicht Schritt halten
Doch das E-Werk Mittelbaden bestätigt auf SWR-Nachfrage, dass derzeit vor allem größere Stromanschlüsse ab etwa einem Megawatt - etwa für Schnellladeparks oder größere Betriebe - nicht oder nur eingeschränkt genehmigt werden können.
Der Engpass liege am übergeordneten Stromnetz von Netze BW, aus dem das E-Werk seinen Strom bezieht. Weil beide Netze miteinander verbunden sind, wirke sich dieser Engpass auch auf die Region aus.
Laut Netze BW besteht ein Netzengpass, weil der Strombedarf durch Elektromobilität, Wärmepumpen, KI-Rechenzentren und Industrie deutlich schneller wächst, als das Stromnetz ausgebaut werden kann. Neue Leitungen und Umspannwerke brauchen mehrere Jahre Planung und Bau.
Seit Ende 2025 arbeiten E-Werk Netze und Netze BW gemeinsam an Lösungen, um mehr Stromanschlüsse zu ermöglichen, so die Netzbetreiber. Dabei prüfen sie auch neue Anschlussmodelle, bei denen die Stromleistung vorübergehend begrenzt werden kann.
Batteriespeicher als Zwischenlösung?
Sollte Günther eine 1-Megawatt-Ladesäule genehmigt bekommen, überlegt er daher, einen Batteriespeicher anzuschaffen. So könne er den vorhandenen Strom für mögliche Engpässe zwischenspeichern. Eine Übergangslösung - bis das Stromnetz irgendwann mehr Leistung bereitstellen kann.