Die Hitzewelle der vergangenen Woche ist erstmal vorbei, doch die nächsten heißen Tage stehen bevor. In Krankenhäusern und Pflegeheimen kann Hitze im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden. Überhitzte Patientenzimmer, Pflegekräfte sowie Ärzte am Limit und viel zu wenige Klimaanlagen. So auch an der Uniklinik Freiburg. Dort wurde jetzt sogar eine Hitzeschutz Task Force eingerichtet.
Patientenzimmer ohne Klimaanlage
Seit vergangenen Montag ist Joachim Geißler Patient in der Uniklinik Freiburg. Er hat einen Oberschenkelbruch. Geißler war genau zu der Zeit in der Klinik, als es draußen fast 40 Grad hatte. "Die Temperaturen letzte Woche waren zeitweise unerträglich", sagt der 62-Jährige. Man schwitze alles raus, da könne man trinken, was man wolle.
Es war unmenschlich.
Auf dem Tischchen neben seinem Krankenbett steht ein kleiner Ventilator. Den hat er von seiner Tochter bekommen. Das habe zumindest etwas geholfen, sagt Joachim Geißler. "Die Luft steht hier und es gibt keine Klimaanlage, rein gar nichts. Keine Luftbewegung."
Für Patienten wie Joachim Geißler ist jeder weitere heiße Tag eine zusätzliche Belastung. Aber auch für das Pflegepersonal, sagt Robert Arnitz, Pflegedienstleister der Uniklinik Freiburg. Doch sie hätten alles Mögliche getan: nachts gelüftet, tagsüber abgedunkelt. "Aber wenn das alte Gebäude sich aufheizt, war es nicht möglich, die Temperatur nur irgendwie zu senken", sagt Arnitz.
Task Force Hitze soll an Uniklinik Freiburg helfen
Thorsten Hammer ist frustriert, denn er warnt seit Jahren davor. Jetzt habe die Hitzewelle der vergangenen Wochen gezeigt, wie schnell Krankenhäuser zur Falle werden können. Thorsten Hammer wird gerufen, wenn die Lage ernst ist. Als Katastrophenschutzbeauftragter der Uniklinik Freiburg koordiniert er Krisen. Jetzt kämpft er gegen einen unsichtbaren Gegner: die Hitze.
Wenn sich nichts ändert, dann wird das über kurz oder lang Menschenleben kosten.
Von der Uniklinik Freiburg heißt es: Die baulichen und finanziellen Rahmenbedingungen für Krankenhäuser passten nicht mehr zu den klimatischen Realitäten. "Dass die Landesbauordnung keine flächendeckende Klimatisierung von Patient*innen- und Mitarbeitendenbereichen vorsieht, ist aus unserer Sicht ein erhebliches Problem."
Thorsten Hammer wurde von der Uniklinik beauftragt, eine Task Force gegen die Hitze zusammenzustellen. Es ist die Erste in der Geschichte der Uniklinik Freiburg. Von jetzt an laufen alle Fäden bei ihm zusammen: Kühlgeräte organisieren und Hitzeschutzmaßnahmen koordinieren, damit Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende schnell entlastet werden.
Krankenhäuser anders gegen Hitze ausstatten
Robert Arnitz, Pflegedienstleister, erzählt, dass es vergangene Woche im Gebäude teilweise 37 Grad hatte. "Eine massive Belastung", sagt er. Durch die Task Force hätten sie relativ schnell ein mobiles Klimagerät bekommen. "Dadurch konnten wir die Raumtemperatur auf 23 Grad senken", sagt Arnitz. Um festinstallierte Klimaanlagen nachträglich in das Bestandsgebäude einzubauen, fehle derzeit eine ausreichende Finanzierung, heißt es von der Uniklinik.
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In den Neubauten sieht es laut Uniklinik anders aus: In dem Interdisziplinären Tumorzentrum und der neuen Kinder- und Jugendklinik wurden innovative Systeme zur Temperaturanpassung umgesetzt, wie zum Beispiel ein Wasser-Kältespeicher. "Die aktuelle Lage zeigt aber auch: Bei Außentemperaturen von bis zu 40 Grad stoßen solche Systeme an ihre Leistungsgrenzen", heißt es von der Uniklinik.
Das Grundproblem bleibt also: Krankenhäuser müssen grundsätzlich anders ausgestattet werden, um Hitze standzuhalten. Denn sie müssen auch bei extremen Temperaturen eine sichere Versorgung gewährleisten können. Die Uniklinik Freiburg fordert daher: Es brauche verbindlichere Vorgaben und eine verlässliche Finanzierung von der Politik. Auch der Präsident des Deutschen Landkreistages, Achim Brötel (CDU), fordert eine dauerhafte Finanzierung. Hitzeschutz sei keine punktuelle Zusatzaufgabe, sondern Teil der kommunalen Daseinsvorsorge.