Sie weiß nie, was sie erwartet. Simone Steierts Arbeitsalltag ist unberechenbar. "Es gibt Tage, da laufe ich unten zur Tür rein und es geht da schon los", sagt sie. Simone Steiert ist Schulsekretärin an der Karlschule, einer Grund- und Werkrealschule in Freiburg. Und irgendjemand braucht immer irgendetwas von ihr. "Die kleinen Nöte", beschreibt es Steiert. Vor ihrer Bürotür bildet sich gerne mal eine lange Schlange - ihr Telefon klingelt ständig. Da darf sie nicht den Überblick verlieren.
Simone Steiert ist beim 8. Freiburger Lehrer*innenpreis der Oberle-Stiftung zu Freiburgs bester Schulsekretärin gewählt worden. Es ist eine Auszeichnung für einen Beruf, der oft übersehen wird.
Ich mache diesen Job sehr gerne, weil er vielfältig ist und nie langweilig wird.
Das Telefon klingelt - wie schon so oft an diesem Tag. Simone Steiert zieht sich das Headset auf und nimmt ab: "Karlschule. Steiert, guten Tag?" Eine Mutter meldet ihren Sohn krank.
Auf Steierts großem Schreibtisch liegen zig Unterlagen mit bunten Post-its draufgeklebt. Die Wand hinter den zwei Bildschirmen hängt voll mit Notizen. "Alles klar, ich habe es eingetragen. Sehr gerne, schönen Tag. Tschüss." Simone Steiert setzt das Headset ab - in dem Wissen, dass sie es vermutlich in wenigen Minuten wieder anziehen wird.
Schulsekretärin ist auch Seelsorgerin und Motivationshilfe
"Vielleicht wäre es auch langweilig, wenn nicht so viel los wäre", sagt Simone Steiert und lacht. Wenn sie lacht, strahlt ihr ganzes Gesicht. An diesem heißen Sommertag trägt die 54-Jährige ein luftiges blau-kariertes Blusenkleid - passend zu ihren blauen Augen. Ihre blonden Haare hat sie schlicht offen.
Die Schulsekretärin ist die zentrale Anlaufstelle der Karlschule, kümmert sich seit bereits 21 Jahren um alles: Leere Toner im Lehrerzimmer auswechseln, E-Mails beantworten, die sehr gefragten Kühlakkus an Schülerinnen und Schüler herausgeben oder Eltern eine dringend benötigte Schulbescheinigung herausgeben. "Ohne Frau Steiert wären wir ganz oft verloren. Sie hat einfach immer eine Lösung, das ist unglaublich", sagt Schulrektorin Iris Paul.
Manchmal ist Simone Steiert auch Seelsorgerin und Motivationshilfe. Oft kommen Schülerinnen und Schüler zu ihr, manchmal aber auch Lehrkräfte. So war es auch bei dem 15-jährigen Schüler Carlo Pomareno. Er schwärmt: "Ich finde sie sehr toll. Sie ist immer hilfsbereit und hat mir auch bei sehr vielen Dingen geholfen." Simone Steiert habe ihm Mut gemacht, als Schulsprecher anzutreten. "Und siehe da, ich habe es geschafft", sagt der Achtklässler stolz. Er sei froh, dass Simone Steiert ihre Schulsekretärin ist. Denn die an der Schule seines kleinen Bruders sei nicht so nett.
Eine Situation beschreibt Simone Steierts Art ganz gut: Für eine Mutter hat sie sich letztens im hektischen Schulalltag 45 Minuten Zeit genommen. Die Frau sprach nur Ukrainisch - unterhalten ging nur mit einem Übersetzungsgerät. "Das hält auf, aber auch sie möchte halt etwas haben", sagt Steiert.
Simone Steiert hilft - unter einer Voraussetzung
Ihr Motto ist: Mit Freundlichkeit kommt man weiter. Und das merkt man ihr auch an. Egal wie hektisch es ist, Simone Steiert bleibt ruhig und lächelt freundlich. Kein aufgesetztes Lächeln, sondern eins von Herzen. "Das ist, glaube ich, meine Voraussetzung: Jeder, der hierherkommt, soll gerne hierherkommen. Jetzt kommt gerade jemand. Hallo!" Eine Schülerin will sich für den Werkrealschulabschluss anmelden. Steiert gibt ihr das Formular.
Frau Steiert ist einfach wie so ein Sonnenschein für unsere Schule.
Simone Steiert hilft gerne, doch sie erwartet auch etwas dafür: Freundlichkeit. "Man kriegt bei Frau Steiert alles, was sie möglich machen kann, wenn man mit den entsprechenden Gepflogenheiten der Höflichkeit bei ihr ankommt und freundlich fragt", weiß Schulrektorin Iris Paul. Stolpert ein Schüler einfach in ihr Büro - ohne Hallo zu sagen oder bitte oder danke - weist Steiert ihn darauf hin. "Das finde ich großartig, die Schüler lernen da viel", sagt Iris Paul.
Steiert hat selbst zwei Söhne, die mittlerweile erwachsen sind. Sie weiß also, was es heißt, Kinder großzuziehen. "Ich glaube, wir haben hier auch so ein bisschen einen erzieherischen Auftrag", findet Simone Steiert. Ein respektvoller Umgang miteinander sei ihr wichtig. "Also, ich schimpfe nicht - ah, ganz selten", sagt sie und lacht.
Als Schulsekretärin die Ruhe bewahren
An einer Wand in ihrem Büro hängt ein Bild von einem Hund. Ein Australian Shepherd, der verspielt in die Kamera schaut. Das ist Steierts Hund, Fritz - oder auch Fritzle, wenn er brav ist. Ihr Herzstück, wie sie sagt. Manchmal hat sie Fritz in der Schule dabei. An diesem Tag aber nicht. Dafür ist sie am Morgen, so wie jeden Tag, eine große Runde mit ihm Gassi gegangen. "Da hole ich mir die Ruhe", sagt die Freiburgerin.
Ist das etwa ihr Geheimrezept, um nicht regelmäßig im Schulchaos zu versinken? Leider nein - eine richtige Taktik hat sie nicht, sagt Steiert. "Luft holen, durchatmen und harren, was da als Nächstes kommt."
Auszeichnung: Freiburgs beste Schulsekretärin
Von der Nominierung zur besten Schulsekretärin habe sie gar nichts gewusst. Schulleitung, Lehrer, Eltern und Schüler haben sie vorgeschlagen. "Es schmeichelt natürlich schon", sagt Steiert. Sie freue sich über die Auszeichnung, "aber ich glaube, ich bin eher jemand, der im Hintergrund arbeitet."
So ein bisschen eine Würdigung für den Beruf.
Was sie besonders freut: Der Preis hebe diesen Job mal ein bisschen hervor. "Wir machen sehr viel. Ich glaube, dass Außenstehende das gar nicht so wissen", sagt Steiert. Viele könnten sich unter ihrem Job nicht richtig etwas vorstellen und "was für ein Trubel hier herrscht."